Peter Stamm, Wir fliegen

Von Martina Schwab

Peter Stamm öffnet uns mit „Wir fliegen“ eine Tür hinter die Kulissen. Die Bühne im Vordergrund ist unser äusserlicher Alltag – der Schein unser aller Leben. Der Autor lässt uns in seinem neuesten Werk einen Blick in die Gedankenwelt unserer Nachbarin oder unseres Pfarrers erhaschen.

„Wir fliegen“ umfasst eine Sammlung von Kurzgeschichten. Spannend daran ist, dass jede einzelne dieser Geschichten sich klar von den anderen abhebt. Einerseits im Schreibstil, indem er zum Beispiel wie in einem Film von Szene zu Szene springt und damit die Fantasie des Lesers herausfordert. Andererseits in den Handlungen, die in ihrer Einfachheit bestechen oder so bizarr sind, dass man den Ideenschatz des Autors bestaunt.

Peter Stamm ist ein Meister seines Fachs und vermag mit der Monotonie des Lebens zu fesseln: Er nimmt uns bei der Hand und macht uns auf unsere Umgebung aufmerksam. Scheine trügen manchmal, und Wahrheiten liegen oft tief in uns selbst verborgen. Diese Momente beschreibt der Autor mit schwungvoller Leichtigkeit.

Es sind Geschichten mit Überraschungseffekt. Sie überzeugen – zumindest mich – wieder einmal von Peter Stamms grossem Talent, Wahrheiten einfach und ehrlich aufzuzeigen.

Doch fliegen seine Figuren, die erst jetzt erkannt haben, dass etwas in ihrem Leben nicht stimmt? Mir scheint sie haben den Gurt um die Hüfte geschnallt, dem Kapitän das Startzeichen gegeben, und sind dabei abzuheben. Aber überzeugen Sie sich selbst – es lohnt sich.

Peter Stamm, S. Fischer Verlag
textin März 2009

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