Ich sitze fest. Den Horizont beschränkt ein Hundefutterlaster. Die Lücke dazwischen füllt deshalb auch kein Strand, sondern ein Automeer. Dabei wollte ich dieses eine Mal pünktlich sein. Meine Gedanken schwanken zwischen Selbstmitleid und Wut. Wenn es in diesem Vehikel zumindest eine Klimaanlage gäbe. Normalerweise kühlt mich der Fahrtwind. Aber ich schwitze dank diesen Vollidioten mein Hemd nass, die anstatt aneinander vorbei, ineinander gefahren sind. Nun gut, aus ökologischer Sicht ist so eine Klimaanlage kein Goldstück. Aber wer wäre nicht gerne Teilzeitumweltschützer? Dieser Gedankengang hat mich um geschätzte 3 Hundepfoten voran gebracht.
Vorrücken um 0.02 Hundepfoten
Um 0.02 Hundepfoten verlangsamt werde ich durch eine Corvette, die sich aus einer Quartierstrasse reinquetscht. Darin sitzt ein in Gel gebadeter Angeber, dem seine Ohren für nichts zu schade sind. Das schliesse ich zumindest aus dem Getöse, das von seinem Schlitten ausgeht. Hinzu kommt ein sabberndes Etwas, das aus seinem Seitenfenster hängt. Andere würden dies als Hund bezeichnen. Dieser Fall gilt aber aufgrund des akuten Verdachts auf Tierquälerei als Ausnahme. Ein solches Herrchen, in einer Plastikschüssel und ohne Musikgeschmack, verletzt sicherlich die Würde des Tiers. Wie der Hund wohl heissen mag?
Dem Angebergehabe seines Besitzers nach gehe ich von einem Rüden mit Namen Terminator aus.
Gekühlter Hundesabber
In diesem Moment rückt die Kolonne um etwa 10 Hundelängen voran. Der Sabber von Terminator zieht lange Fäden und zeichnet weisse Striche auf die ansonsten verdunkelten Scheiben. Ich beginne mich in meinem pudelnassen Hemd wohlzufühlen. Grund dafür ist meine Schadenfreude: Die Kälte der Klimaanlage meines Vordermanns zieht an Terminators Kopf vorbei ins Freie. Gekühlter Hundesabber auf getöntem Sicherheitsglas. Ab da kann ich mich nicht mehr erinnern, weshalb ich, um meine Schreibblockade zu lösen, eine Vernissage besuchen wollte.
Von Michèle Marti
Michèle Marti studiert und arbeitet in Zürich. Geschichten leben
überall – nur erwecken, lassen sich die wenigsten.
textín Juni 2009

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