Von Ruth Schweikert. Patrick und Jirka, beide um die dreissig, sind erst seit Kurzem ein Paar, als ihre
Liebe dramatisch auf die Probe gestellt wird: Jirka hat sich unmittelbar nach der ersten gemeinsamen Nacht mit HIV angesteckt – eine existentielle Bedrohung für beide, die Fragen aufwirft nach Schicksal und Zufall, nach Verantwortung und Schuld. Der erste Roman von Simon Froehling erzählt die Geschichte aus der Perspektive von Patrick und stellt so der wuchtigen Anlage des Stoffes eine subjektive Wahrheit entgegen, die sich der Ich-Erzähler Bild für Bild, Augenblick für Augenblick vergegenwärtigt, um gleichsam in Slow Motion abzuspulen, was eben kein Film ist, sondern ein stetes Umkreisen des blinden Flecks – dessen was nicht erzählbar ist, sich letztlich dem Verstehen entzieht. Distanz und Nähe, eine beinahe obsessive Wahrnehmungsgenauigkeit, gepaart mit eigentümlicher Blindheit für das, was im Rückblick offensichtlich scheint: Sie bilden das Raster des Erzählens, das mit Lust und Verve nicht nur die Liebesgeschichte beleuchtet, sondern auch den Unfalltod der Schwester, die Zumutungen der Arbeitswelt, die prekäre Idylle einer Hausgemeinschaft oder die städtische Schwulenszene, die mit dem schwierigen Heranwachsen auf dem Land nur scheinbar kontrastiert.
Mit „Lange Nächte Tag“ gelingt dem jungen Dramatiker Simon Froehling ein beeindruckendes Debüt als Romanautor.
Simon Froehling
Lange Nächte Tag
Liebesroman. bilgerverlag. 2010.
Datum: 9. März 2010
Text: Ruth Schweikert
Bild: bilgerverlag
Bitte Urheberrechte beachten: Verlinken erlaubt, Kopieren verboten.

Kommentar schreiben