Schreibrausch – Novemberschreiben

Von textin

In 30 Tagen einen Roman schreiben. Kaum fallen die ersten Blätter von den Bäumen, überkommt sie eine innere Unruhe. Sie spitzen die Bleistifte, füllen die Vorratskammern mit Trockenbretzeln und starren auf die tickende Uhr, als ob sie es nicht erwarten könnten, dass die Tage kürzer, kälter und dunkler werden und es endlich November wird.

Was im Jahr 2006 als Schreib-Event für ein paar wenige “Freaks” gedacht war, ist in den letzten Jahren zu einem schweizweiten Schreib-Anlass avanciert. Fatima Vidal erwartete bei der ersten Durchführung des Wettbewerbs ein paar wenige Teilnehmende. “Maximal 70 Personen machen mit”, war die damalige Prognose.

Die Idee, 30 Tage lang zu schreiben, bis die Tasten glühen, löste in der Schweiz eine gewaltige Schreibbegeisterung aus und brachte das Schreibszene-Büro an den Rand des Kollapses. Und so entstand die Bewegung, die heute das Novemberschreiben ausmacht. Ein Hilferuf der Organisatorin im Internet-Forum reichte aus, um Helferinnen und Helfer zu mobilisieren, die alle Fragen der “Neuen” beantworteten und so das Schreibszene-Büro massiv entlasteten.

Im Folgejahr war das Novemberschreiben gewappnet für die Schweizer Schreibbewegung. Im Jahr 2008 schrieben rund 500 Schreibbegeisterte mit. Mehrere Bücher, die dank des Novemberschreibens entstanden sind, wurden bereits veröffentlicht.

Das Geheimnis des Novemberschreibens ist die begrenzte Schreibdauer von 30 Tagen. Gefragt ist Quantität und nicht ein ausgefeiltes Konzept oder perfekte Sätze. Auch wenn einige Novemberschreibende strukturiert vorgehen, ist das nicht die Regel. Das Ziel, täglich zwei bis vier Seiten zu schreiben, zwingt die Teilnehmenden, einfach drauflos zu schreiben und die Überarbeitung auf später zu verschieben. Fehler sind erlaubt und der innere Kritiker wird in die Ferien geschickt. Kurz gesagt: durch das tägliche Schreiben kommt der (oft lange) blockierte Schreibfluss in Bewegung.

Fragen und Antworten zum Novemberschreiben

Was ist das Novemberschreiben?

Das Novemberschreiben beginnt am 1. und endet am 30. November. Teilnehmende schreiben 30 Tage lang, was das Zeug hält.

Was ist ein Schreibtreffen?

Wer kurz vom Schreibtisch weg kann, trifft sich in regionalen Schreibtreffen. Ort und Zeit werden im Forum vereinbart. Im Internet-Forum treffen sich November-Autorinnen und -Autoren virtuell, unabhängig von Tag und Uhrzeit.

“Ich bin erst 16″ oder “Ich bin schon 90 Jahre alt” – darf ich auch mitmachen?

Ja sicher, mitmachen können alle. Zu beachten sind die Vorgaben für die verschiedenen Kategorien.

Woher stammt die Idee des Novemberschreibens?

Es gibt diverse Vorbilder für diesen Anlass. Wir haben uns vom amerikanischen Novemberschreiben inspirieren lassen. Dort schreiben jedes Jahr im November Tausende von Autorinnen und Autoren mit.

Wer liest Ende November meine Geschichte?

Wir vom Novemberschreiben lesen keine Manuskripte und wir veröffentlichen auch keine Bücher. Mutige haben im Folgejahr die Möglichkeit, ihr Werk an einer der Lesungen in Luzern, Bern oder Zürich vorzustellen.

Was kostet die Teilnahme am Novemberschreiben?

Kinder und Jugendliche machen kostenlos mit. Erwachsene bezahlen einen kleinen Unkostenbeitrag von 25 Franken.

Wer kontrolliert, ob Novemberschreibende mogeln?
Wir sind keine Kontrolleure. Wer mogelt, betrügt nur sich selbst.

Und was passiert, wenn ich schummle?
Dann wächst dir eine lange Nase und du findest dich im Innern eines Walfisches wieder.

Muss ich während des Schreibens online sein?

Nicht unbedingt. Du kannst die Anzahl geschriebener Wörter auch einmal pro Woche vom Internetanschluss deiner Bibliothek aus in die Zählmaschine eintragen.

Zu welchem Thema schreiben wir dieses Jahr?

Das Thema ist frei wählbar, genauso wie das Genre.

Darf ich meine Geschichte auch auf Russisch oder Andalusisch schreiben?
Ja, unsere Zählmaschine ist international.

Habe ich nach 30 Tagen wirklich einen Roman geschrieben?
Falls du ein Genie bist, auf jeden Fall. Die meisten machen nach einer Pause von zwei, drei Monaten weiter und überarbeiten das Novemberschreiben, bis daraus ein Roman wird.

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Lesung in Zürich

Novemberschreibende lesen aus ihren Werken

Samstag, 24. Oktober 2009, 14.00 – 16.00 Uhr
Helferei Grossmünster, Kirchgasse 13, 8001 Zürich

Eintritt frei/Kollekte

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Ich mache mit, weil …

Aaron (U12): Das Novemberschreiben war für mich eine spannende Herausforderung, bei der man sich recht ins Zeug legen muss, um eine Goldmedaille zu ergattern.

Maren: Ich mache mit, weil man nie weiss, was da oben noch drin ist.

Stefan: Novemberschreiben …

… lässt mich übers Buchstabenmeer segeln. Neben mir die Muse. Sie lächelt mir zu. Wind im Haar. Hinten am Heck schaue ich verträumt den Sätzen nach, die langsam an Horizont verschwinden.

Isabella: Glasige Augen, zitternde Hände, Herzklopfen, verzögerte Reaktion auf Ansprache und dann nichtssagende Antworten. Krank? Ja: das novembrige Schreibfieber! Wenn die Finger unzensuriert über die Tastatur fliegen und die Gedanken Loopings drehen dürfen. Suchtpotential: hoch! Ich bekenne mich als unheilbar November-Schreibsüchtige. Nachahmung wärmstens empfohlen!

Connie: Ich mache beim Novemberschreiben mit, weil ich schon lange ein Buch schreiben wollte und dies ein Ansporn für mich ist, damit anzufangen.

Lovey: Ich mache wieder mit, weil ich letztes Jahr vor lauter Arbeiten, Umzugsstress und Beziehungsknatsch nur 23’000 Wörter geschafft habe. Dabei gibt es noch so viel zu schreiben zum Arbeitstitel: Meine Katzen, das Universum und ich. Und diesmal werde ich genügend Zeit haben!

Sibylle: Ich mache mit, weil ich mir den November versüssen möchte, ohne von Schokolade dick zu werden – und weil ich es das letzte Jahr nur auf wenige Worte gebracht habe.

Ina: Ich mache mit, weil man so einmal den Alltagstrott durchbrechen und in eine andere Welt abtauchen kann.

Irene: Das Novemberschreiben war für mich 2007 und 2008 eine grosse Herausforderung, da ich neben einem Schulkind ein jüngeres Kind zu Hause hatte. So stand ich ein- bis zweimal die Woche frühmorgens um 4 Uhr auf, damit ich bis um 7 Uhr mein Schreibpensum erledigt hatte. Dies hat sich ausgezahlt. 2007 entwarf ich eine Liebesgeschichte, die ich 2008 überarbeitete. Leider schaffte ich es nicht ganz, und so warte ich sehnsüchtig auf diesen November. Ich freue mich schon jetzt darauf, mich gedanklich ganz in die von mir geschaffene Geschichte zu stürzen.

Adrian: Ich mache mit, um meinen seit schon recht langer Zeit gehegten Traum eines selbst geschriebenen Buches zu erfüllen.

Datum: 1. März 2010 (textín Oktober 2009)
Text: Fatima Vidal / Novemberschreibende / Testimonials
Bild: Manuel Castellote, www.manuele.ch
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