Hier endet der Himmel

Von Michele Minelli

Rezension. Hier endet der Himmel
55 Geschichten von Brigitta Römer

Was passiert, wenn man scheinbar Banales mit Surrealem mischt? Wenn man sich nicht scheut, dem Alltag kleiner Leute nachzugehen, bedingungslos den Weg mit ihnen geht, bis ganz ans Ende? Wenn man als Autorin für seine Figuren da ist und dableibt, egal wie hoffnungslos ein Abenteuer auch scheinen mag? Dann entstehen Geschichten von überraschender Einfachheit und Dichte. Geschichten von Brigitta Römer.
Eine Entdeckung.

Liebevoll aber mit kritischem Blick zeichnet Brigitta Römer in wenigen Strichen das Portrait ihrer Figuren. Wir lernen Lino kennen und Viktor, Jagoda und Linda, Horst und Tosca und mit ihnen manche mehr, die das Leben an die Ufer der Welt gespült hat oder über die Ränder derselben hinaus. Wir trauern und wir empören uns mit ihnen und über sie, und nicht selten wünschen wir uns, einzuschreiten. Dass aber Brigitta Römers Figuren so selten selber einschreiten, dass sie ihr Schicksal lakonisch, geduldig und ergeben annehmen, zeigt – in der Fülle der Geschichten – auch deren Größe. Sie müssen nicht in (un-)heilige Kriege ziehen und gegen Windmühlen ankämpfen, lieber bleiben sie sich selber treu.

Passend zu den „kleinen Leuten“ hat sich die Autorin für eine konsequente Kleinschreibung entschieden. Die gewählte Kürze der Texte wirkt kontradiktorisch zur Tiefe der Schicksale. „Hier endet der Himmel“ ist das erste Buch von Brigitta Römer. Ein eigenwilliger Auftakt, geschrieben in einer unverblümten Sprache, die keine Scheu kennt und große Ungerechtigkeiten im Leben kleiner Leute benennt.

Brigitta Römer
Hier endet der Himmel
ISBN 978-3861425397
Edition Isele, 2012

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