Tania Kummer – Zuviel Fantasie

Von Ruth Loosli

( Interview: Oktober 2007) Ruth Loosli: Tania, die einleitende Standardfrage, die immer wieder interessiert: Wie bist du zum Schreiben gekommen?

Tania Kummer: Mit zehn, zwölf Jahren hab ich mit Gedichten begonnen, das waren kleine Liebesgedichte, nichts Grandioses, aber das Schreiben war schon früh wichtig für mich.

Ruth Loosli: Hatten deine Deutschlehrer Einfluss auf dein Schreiben?

Tania Kummer: So genau weiss ich das nicht mehr. Aber ich kann mich bestens erinnern, dass in der Oberstufe eine Lehrerin “zuviel Fantasie” unter den Aufsatz hinschrieb und dies der Grund war für eine schlechtere Note …

Ruth Loosli: Wie organisierst du dein Schreiben heute?

Tania Kummer: Ich muss zuerst alles erledigt haben, bevor ich mir die Erlaubnis zum Schreiben gebe – verrückt, nicht? Die innere strenge Stimme, die dauernd sagt, wo’s lang geht … Wäsche obtun, einkaufen und solche Dinge eben. Am besten ist es wie zum Beispiel gestern, als ich nach einem intensiven Abend mit einem guten Freund nach Hause kam, total angeregt, voll mit Inspirationen und dann setze ich mich an den PC und schreibe, schreibe, schreibe. Ich bin dann in einem “andern” Zustand, das erlebe ich als “von der Muse geküsst” und ist einfach beglückend. Wenn es so läuft, kommt mir immer die fantastische Uta Köbernick in den Sinn, die in einem Lied singt: Es kommt einfach aus mir raus. Der Kontext ist zwar ein anderer, aber das ist mein Gefühl.

Ruth Loosli: Was inspiriert dich? Wovon lässt du dich inspirieren?

Tania Kummer: Ein Gespräch unter Freunden, die dir Paroli bieten, die dir den “Kopf öffnen” mit allem Respekt, den man einander entgegenbringt.

Ruth Loosli: Und in kultureller Hinsicht? 

Tania Kummer: Ich bin viel zu Hause, lese Sachbücher, zurzeit Arno Grün. Die Frage nach unserer vermeintlichen Normalität und Realität beschäftigt mich.

Ruth Loosli: Hast du Vorbilder?

Tania Kummer: Ich würde gern Ja sagen, verschiedene Namen nennen, z. B. die Gruppe “Les Reines Prochaines”, aber es geht eher um eine Haltung als um Personen. Es gibt eine Frau, die mir während meiner Ausbildung zur Buchhändlerin begegnet ist, an die ich immer wieder denke, da hat ein Optimismus mitgeschwungen, der nicht aufgesetzt war, eine Gelassenheit, die sie ausgestrahlt hat, auch wenn sie mit Schwierigkeiten konfrontiert war. Mir ist die Haltung der Menschen wichtig und nicht ihr Bekanntheitsgrad.

Ruth Loosli: Gibt es eine Landschaft, die du besonders liebst?

Tania Kummer: Wald! Ich war gestern zwei Stunden im Wald und habe den Herbst eingesogen. Im Wald erlebe ich einen optimalen Zufriedenheitsgrad – ich bin Wald. 

Ruth Loosli: Hast du immer Schreibzeug dabei, wenn du unterwegs bist?

Tania Kummer: Wenn ich in der Natur unterwegs bin, habe ich nichts dabei. Ganz im Gegensatz dazu, wenn ich in der Stadt unterwegs bin – Handtaschen sind mir ein Gräuel, ich habe immer grosse Taschen dabei – und darin dürfen natürlich Bücher, Notizbücher und viele Stifte nicht fehlen.

Ruth Loosli: Kannst du uns Bücher nennen, die uns beim Schreiben helfen können?

Tania Kummer: Es gibt eine Literaturliste, die ich an den Kursen für autobiographisches Schreiben abgebe (lacht: das ist nun Werbung …).

Ruth Loosli: Wo finden wir Informationen zu dir und deinen Kursen?

Tania Kummer: Unter www.taniakummer.com

Ruth Loosli: Gibst du uns trotzdem noch einen heissen Tipp?

Tania Kummer: Schreiben, schreiben, schreiben! Dranbleiben. Sucht euch Gleichgesinnte, mit denen ihr über eure Texte diskutieren könnt, lest einander vor! Macht an Wettbewerben mit … Im Internet findet man so viele nützliche Adressen! Z.B. www.schreibszene.ch (lacht: Werbung ist bestimmt erlaubt …).

Ruth Loosli: Noch eine letzte Frage, bevor ich dich an den Schreibtisch entlasse: Bist du zurzeit an einem grösseren Projekt?

Tania Kummer: Ja, ich überarbeite mein Manuskript. Es sind Kurzgeschichten.

www.taniakummer.com

www.schreibszene.ch

Ruth Loosli, Jahrgang 1959, im Seeland aufgewachsen. Worte gewundert, seit sie sprechen, lesen und OWUNDER schreiben kann. Ausbildung zur Primarlehrerin. Immer geschrieben und nun am Ordnen und Öffnen. www.ruthloosli.ch

Das Interview wurde im Oktober 2007 geführt und im Juni 2010 auf die textin-Seite gezügelt.
Interview: Ruth Loosli
Bild: Tania Kummer / Stefan Kubli
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