Marketing, Buchprojekte und Ghostwriter

Von Fatima Vidal

Interview mit Bruno Heini und Helmut W. Rodenhausen zum Buch “Mehr Butter aufs Brot – Marketing für Macher” – und zum Thema Ghostwriting.

Autoren und auch Texterinnen kommen früher oder später mit Marketing in Berührung. Wie akquiriere ich erfolgreich Textaufträge? Wie mache ich Leser/innen auf mein Buch aufmerksam? Und was bitteschön ist Mediamix? textín hat den Autor und auch seinen Coach  interviewt.

Fatima Vidal: Herr Heini, Sie haben ein Buch zum Thema Marketing geschrieben. Warum gerade zu diesem Thema?

Bruno Heini: Ich erkannte eine riesige Lücke im Marketingbereich für kleine und mittlere Unternehmen. Diese stellen immerhin weit über 90% der Unternehmen in der Schweiz. Von den Tausenden von Marketingbüchern im Markt ist keines auf diese KMU ausgerichtet. Alle zielen auf grosse Unternehmen. Das vorliegende Buch ist das erste seiner Art. Es erklärt jedem Kadermitarbeiter, wie es mehr seiner Produkte oder Dienstleistungen verkauft und gleichzeitig höhere Preise dafür erzielt. Es ist zu 100% auf die Bedürfnisse eines KMU ausgerichtet. Mit vielen Umsetzungsmöglichkeiten im Tagesgeschäft. Dann geht es aber weit über die klassische Marketinglehre hinaus. Es zeigt auch, wie ein Unternehmen zu freundlichen Mitarbeitern kommt. Aber auch, wie man neue Kunden findet und sie dann bei der Stange hält. Es erklärt im Weiteren, wie man einzigartige Produkte entwickelt. Und es erklärt, wie man sein Unternehmen für Banken interessant macht und wie man sein Image verbessert. Oder auch, wie man erfolgreich verhandelt. Denn was nützt die beste Kalkulation, wenn man dann vor dem Kunden seine Preise nicht durchzusetzen vermag.

Fatima Vidal: Das Buch ist ein gutes Nachschlagewerk zum Thema Marketing, verständlich geschrieben und übersichtlich. Ist das ein Buch für Studierende, oder können zum Beispiel Texter und Autorinnen auch von der Lektüre profitieren?

Bruno Heini: Es ist für Praktiker gedacht. Denn das Erstellen eines Textes ist das Eine. Aber wie kommt der Texter überhaupt zu einem Auftrag? Und wie erreicht er eine angemessene Bezahlung? Fragen, die jeden Texter bewegen. Und genau solche Fragen beantwortet dieses Buch.

Fatima Vidal: Nach welchen Kriterien haben Sie das Design des Buches gewählt? Sie haben keinerlei Bildmaterial oder Grafiken verwendet. Das Format ist mit beinahe 27 cm grösser als andere Sachbücher.

Bruno Heini: Das Buch ist mit rund 500 Seiten sehr umfangreich. Halt einfach deshalb, weil die ganzen Marketingzusammenhänge sehr weitreichend sind. Zusätzliche Grafiken hätten den Umfang gesprengt. Dafür ist es angereichert mit unterhaltsamen und treffenden Beispielen aus der Praxis.

Fatima Vidal: Unsere Leser/innen interessiert immer sehr, wie lange die Produktion eines Buches dauert. Ist das Buch ein Lebenswerk – oder ist es innerhalb eines Jahres entstanden?

Bruno Heini: Ursprünglich war eine Entstehungsdauer von 18 Monaten angedacht. Meine Ansprüche stiegen während des Schreibens, so dass innert 5 Jahren rund 900 Seiten entstanden. Unter meinem Coach Helmut W. Rodenhausen entstand dann ein in sich geschlossenes Lesebuch von 500 Seiten.

Fatima Vidal: Sie haben Helmut W. Rodenhausen, einen Coach und Ghostwriter, engagiert. Wo wird man fündig, wenn man als Sachbuchautor einen Coach oder Ghostwriter sucht?

Bruno Heini: Vermutlich wäre ich über das Internet auf Herrn Rodenhausen gestossen, hätte ich ihn nicht zufällig vorher an einer Party kennengelernt.

Fatima Vidal:
Erst kürzlich war der Film “Der Ghostwriter” in den Kinos zu sehen. Herr Rodenhausen, leben Ghostwriter gefährlich?

Helmut W. Rodenhausen: Auf jeden Fall. Ich bin immer nur mit Schussweste unterwegs (lacht). Nein, meine “Gefahr” besteht höchstens darin, den richtigen Ton nicht zu treffen oder die Endtermine verschieben zu müssen.

Fatima Vidal: Wie finden Ghostwriter ihre Kunden?

Helmut W. Rodenhausen: Ghostwriter werden vielleicht, mehr noch als andere Dienstleister, persönlich empfohlen. Das ist also eine Frage des Netzwerkes. Immer zentraler wird es auch, im Internet schnell auffindbar zu sein, wenn der Begriff des “Schreibenlassens” gesucht wird. Manchmal gehe ich auch mit Buchideen direkt auf jemanden zu, wenn ich meine, dass es bei dieser Person ein Bedürfnis anregen könnte.

Fatima Vidal: Ghostwriter schreiben oft Biografien, öffentliche Reden oder Sachbücher für andere Leute. Wie ist das, wenn man auf den Werken, die man geschrieben hat, nicht erwähnt wird?

Helmut Rodenhausen: Die Ausgangslage ist ja allen klar. Ich schreibe für einen Auftraggeber. Der Auftraggeber ist der Autor oder Herausgeber – oder der Redner, der im Scheinwerferlicht steht. Von daher ist das für mich noch nie ein bedeutsamer Punkt gewesen. In der Regel entsteht Ghostwriting bei einem Buch ohnehin aus einer engen Zusammenarbeit. Manchmal ist am Schluss nicht mehr klar, wer zu welchem Abschnitt mehr beigetragen hat.

Fatima Vidal: Sie sind Texter und mit EDIZIO helfen Sie Büchern anderer Autoren auf die Welt. Was genau kann ich mir unter Ihrer “Werkstatt für Buchprojekte” vorstellen?

Helmut Rodenhausen: Es gibt zahlreiche Persönlichkeiten, die ausgezeichnet erzählen können, aber weniger gut schreiben. Viele dieser Menschen haben in ihrem Leben Erstaunliches vollbracht. Andere haben enorme Widerstände gemeistert. Wieder andere waren hautnah Zeitzeuge von historischen Ereignissen. All das ist es Wert, in einem Buch festgehalten zu werden. Ich begleite meine Klienten von der ersten Buchidee bis zum fertig realisierten Buch, also bis die Paletten mit den 100’000 Büchern (lacht) zum Kunden kommen.

Fatima Vidal: E-Books sind im Vormarsch. Was meinen Sie, wird das Papierbuch vom Markt verschwinden?

Helmut Rodenhausen: Dazu gibt es zwei Antworten: Ja. Das Papierbuch wird insofern vom Markt verschwinden, als dass es keinen solchen Büchermarkt wie bisher mehr geben wird. Die Parallele zum Musikvertrieb und zu Platten- bzw. CD-Läden ist gross. Die zweite Antwort ist: Nein. Das Buch als Liebhaberobjekt, vielleicht sogar als Spezial- und Einzelanfertigung, wird bestehen und neue Verbreitung finden. Gehen Sie zurück ins Mittelalter. Die ersten Buchdrucker haben keine Bücher geliefert. Die Bögen wurden gedruckt und gefalzt. Der Auftraggeber war dann selbst dafür besorgt, wie sein Buch illustriert, mit Initialen versehen und ausgestattet wurde. Die einen hatten Geld für Ledereinband und Goldprägung. Die anderen liessen gebrauchte Einbände wiederverwerten. Der heute oft benutzte Begriff “Book on demand” wurde schon damals praktiziert.

Vielen Dank für das Gespräch.

Bruno Heini ist Unternehmer, Sachbuchautor und Dozent zum Thema Marketing (www.mehrbutteraufsbrot.ch).

Helmut W. Rodenhausen ist Ghostwriter, Buchcoach und Redenschreiber (www.edizio.com).

Das Interview hat Fatima Vidal geführt (www.schreibszene.ch).

Datum: 26. Juli 2010
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