Mario Andreotti: Die Struktur der modernen Literatur

Von textin

Von Andrea Gerster. Die vierte Auflage «Struktur der modernen Literatur» von Mario Andreotti kommt aktuell und leicht verständlich daher. Nicht nur damit ist es mehr als ein Lehrbuch.

«Ein Buch von unendlicher Brauchbarkeit»

Bücher, insbesondere Sachbücher, lassen mehrere Zugänge zu. Bei «Die Struktur der modernen Literatur» von Mario Andreotti sind es mindestens drei: jener des Schülers und Studenten, jener des Germanisten und jener des Autors. Rund 490 Seiten umfasst die im Paul Haupt Verlag erschienene vierte Auflage des im Kanton St. Gallen lebenden Germanistikprofessors. Und das Buch fällt auf: Ein Taschenbuch in intensivem Rot. Ein visuell geprägter Mensch stellt es in eine farblich passende Umgebung. Wichtig jedoch ist, dass man es immer wieder zur Hand nimmt und darin liest. Und aus der Sicht der Autorin: Es tut durchaus gut nachzulesen, warum man beim Schreiben etwas so gelöst hat und nicht anders. Und wie das literaturgeschichtlich vor sich ging, als sich beispielsweise Slam Poetry entwickelte. Und wie und wo man das einordnen könnte. Auch das eigene Tun.

Aktuelle Literatur

Eingang gefunden haben auch die jüngsten Entwicklungen der Post- und Spätmoderne: Pop, Beat, Rap, Slam Poetry und die digitalen Neuerungen wie Handy-Roman und Hypertext. Zitiert werden ausserdem zeitgenössische Autorinnen und Autoren wie Katharina Faber, Thomas Hürlimann oder Verena Stefan.
Für Autorinnen und Autoren nicht unwichtig ist es, nachvollziehen zu können, weshalb man in welche literarische Schublade von hoffentlich kompetenten Rezensenten gesteckt worden ist. Ein klarer Zugewinn an Erkenntnis bedeutet dieses Buch. Und das Sachbuch macht sich gut neben den Duden auf Augenhöhe, auf Zugriffshöhe. Wer eine der früheren Ausgaben besitzt, erfährt einen weiteren Zugewinn. Es sind rund 60 Seiten mehr und dazu ein bedeutend lesefreundlicheres Layout als in früheren Ausgaben.

Guter Text, schlechter Text

Anstelle eines Nachworts hat Mario Andreotti zehn Kriterien aufgestellt, die aufzeigen, was einen guten literarischen Text ausmacht. Darauf sind natürlich Autoren und Kritiker gleichermassen gespannt. Somit könnten literarische Texte mühelos auf diese Kriterien überprüft werden. «Doch Vorsicht mit ästhetischen Kriterien!», warnt Mario Andreotti sogleich. Wer alle Kriterien beachte und sie gesamthaft anwenden wolle, schreibe einen ebenso schlechten literarischen Text wie jener, der gar keine beachte. Trotzdem sind die Kriterien hilfreich, aber auch inspirierend. Wie das ganze Buch. Seltsam eigentlich, dass ein Sach-, ein Lehrbuch inspirieren kann. Vielleicht hat es damit zu tun, dass Mario Andreottis analytische Denkweise einem modern erscheint. Modern im Sinne von gegenwärtig. Der Autor von «Die Struktur der modernen Literatur» befasst sich mit Literatur im Hier und Jetzt. Da sind keine elitären Scheuklappen auszumachen, kein Verstecken hinter einer literaturwissenschaftlichen Sprache. Da ist Freude und vor allem Neugier spürbar. Mario Andreotti unterrichtet am Gymnasium, ist Lehrbeauftragter an der Universität und Fachhochschule, ist Referent in der Fortbildung für Mittelschullehrkräfte und leitet Schriftstellerseminare. Er agiert an unterschiedlichen sprachlichen Fronten. Martin Walser beurteilt «Die Struktur der modernen Literatur» folgendermassen: «Ich habe in diesem Buch mehr gefunden, als ich gesucht habe. Mein Eindruck: ein Buch von unendlicher Brauchbarkeit.»
Dem ist nichts mehr anzufügen.


Mario Andreotti

Die Struktur der modernen Literatur
Sachbuch. Haupt Verlag AG. 2009 (4. Auflage)

Andrea Gerster, Autorin
lebt und schreibt im Thurgau. www.wordworker.ch

Datum: 15. März 2010
Text: Andrea Gerster
Bild: Haupt Verlag AG
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1 Kommentar

  • gaby g. blattl's Gravatar gaby g. blattl 3. Mai 2012

    ein standardwerk, das in jedem regal/auf jedem schreibtisch literarisch interessierter bzw. autoren stehen sollte.

    viel erfolg der nächsten auflage,
    gaby g. blattl, wien

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