Der sechsjährige John Webber wird von London nach Bern geschickt, weil die Eltern ihn nicht ernähren können und in Bern eine Tante wohnt. Diese bittere Tatsache prägt den Jungen ins Mannesalter hinein und lässt ihn nie mehr los. Trotzdem hatte er auch Glück: Sein grosses Talent zum Zeichnen wurde erkannt und gefördert. Als er nach London zurückkehrte, wurde er als Maler auf Kapitän Cooks Schiff gerufen; die dritte Weltumsegelung stand an.
Wie Hartmann diese vierjährige Reise (mit Rückblendungen) beschreibt, ist grosse Klasse! Wieder einmal ein Buch, das ich verschlungen habe und gleichzeitig davon gelernt, was lebendiges Schreiben bedeuten kann.
Wenn der Schriftsteller und der Maler sprachlich die Klinge kreuzen (das macht Hartmann bravourös!), lese ich, den Atem anhaltend, wie er die Eisschollen im hohen Norden beschreibt. “Allein die Nuancen von Blau in den Schattenzonen und den Übergängen zu den beleuchteten Teilen waren staunenswert.” S. 311 ff: Staunenswert, ja genau!
Lukas Hartmann
Bis ans Ende der Meere
Roman. Diogenes Verlag. 2009.

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Lukas Hartmann hat am Freitag, 12. November 2010 für den Roman von der Autorengruppe Quo Vadis den Sir Walter Scott-Literaturpreis in Karlsruhe erhalten.
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