Als wir eingeschult wurden, war Ellas Tüte grösser als meine. “Deine ist dafür viel schwerer”, sagte sie. Sie war wirklich schwer – und das sollte ein Vorteil sein? Ella, mit offenen Haaren und Augen wie Münzen aus Atlantis, glänzte allen entgegen, der Kinderkreis schloss sich um sie, jeder wollte einen von Ellas Sonnenstrahlen haben, doch ich blieb ihre vertraute Gefährtin, wohl weil ich am meisten wollte. Ihr Vater ist auf und davon, ihre Mutter gab sie hin, die einzigen Zögerlichkeiten während Ellas Werdegang zu dem, was sie ist: meine beste Freundin, die Freundin aller Menschen, Tiere und Pflanzen. Meine Eltern haben sich ihr angenommen. Wir räumten die Hälfte meines Kinderzimmers für ihr Bett und meine Eltern eines meiner beiden Kaninchen aus dem Stall, damit sie für Ella ein eigenes Kaninchen kaufen konnten.” (aus: “Im Dialog”)
Kurzrezension
Tania Kummer erzählt in einer präzisen und dichten Sprache. Sie verleiht vertrauten Redewendungen einen erweiterten Sinn. Sie spielt mit der Sprache und bleibt dabei immer sehr genau. Ihre Worte setzt sie einmal so knapp wie möglich, ein andermal jongliert sie mit ihnen. In der Eigenwilligkeit ihrer Sprache, die den Charakter ihrer Protagonisten widerspiegelt, verschmelzen die Erzählungen zu einem einheitlichen Ganzen. (Dieter Leuenberger, Maler, Zürich)
Tania Kummer
Wäre doch gelacht
Erzählungen
Zytglogge Verlag

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