Lesen auf dem iPad

Von Lovey Wymann

Ich habe zwei Laster: Ich verschlinge Bücher kiloweise – und ich bin ein Gadgetfreak. Kein Wunder, war ich eine der ersten, die in der Schweiz Bücher auf dem Sony Reader las, importiert aus den UK. Und natürlich musste ich auch unbedingt ein iPad haben. Mein Fazit: Der Reader erleichtert das Lesen unterwegs – iPad verändert das Lesen.

Kurz die Fakten:
Sony Reader (oder auch das Konkurrenzprodukt Kindle) sind kleiner und leichter als das iPad und bieten Platz für 80 bis 100 Bücher, je nach Format. Das E-Ink-Display ist einfarbig und gut lesbar – auch bei direkter Sonneneinstrahlung. Der Akku reicht für ca. 6800 Readerseiten, was je nach Schriftgrösse, die ich wähle, mindestens 1000 Buchseiten ergibt – das reicht für einen Langstreckenflug. Die Bücher müssen via Computer geladen werden, was bei Mac teilweise auf Umwegen gelingt, weil die E-Book-Bibliotheken auf PC-Software basieren. Je nach Version können auf dem Reader auch Notizen gemacht werden.

Das iPad ist gut doppelt so gross – aber auch fast doppelt so schwer. Das Display ist farbig, spiegelt aber bei direkter Sonneneinstrahlung – spezielle Folien sollen hier Abhilfe schaffen, ich habe es aber nicht ausprobiert. Der Speicherplatz ist riesig, jedoch abhängig von der übrigen Nutzung. Bild: Sony und Ipad

Die Bücher beziehen Reader, Kindle und iPad grösstenteils aus denselben Quellen – allen voran aus dem Projekt Gutenberg (www.gutenberg.org). Hier sind rund 32’000 Titel gratis verfügbar, deren Copyright in den USA abgelaufen ist (die Bestimmungen fürs eigene Land muss jede/r selber beachten). Entsprechend handelt es sich vorwiegend um Klassiker der Weltliteratur. Wer hier stöbert, findet aber auch Exotisches und Skurriles, Erbauliches und Witziges, Wissens- und Staunenswertes.

Auf dem iPad kann ich diese Bücher bequem via iBook laden – via WLAN geht das sekundenschnell. Die Bücher werden e legant auf einem Büchergestell präsentiert, und ich kann alle Bücher auch auf dem Computer oder dem iPhone lesen, wenn ich mag: Lesezeichen und allfällige Notizen werden bei der allgemeinen Synchronisierung übernommen. Je nach geladenen Wörterbüchern kann ich bei der Lektüre auch Übersetzungshilfen und Erklärungen anfordern, ich kann Notizen anbringen oder Passagen hervorheben.

Eine etwas kleinere Anzahl von Gratisbüchern kann ich mit der Amazon Kindle App beziehen. Diese öffnet mir vor allem aber das Tor zu aktueller Literatur – gegen Bezahlung allerdings. Je nach Verlag und Angebot sind diese E-Books ca. 10–20% günstiger als auf Papier. Die Übermittlung erfolgt ebenfalls per WLAN und ist sehr, sehr schnell. Das Angebot ist riesig (siehe Zahlen in Klammern), allerdings noch mehrheitlich auf Englisch. Amazon.de verzeichnet zurzeit 354 Bücher – die Zahl dürfte aber in den nächsten Wochen steigen. Bild: Auswahl bei Amazon

Richtig Spass macht das Lesen von Zeitungen und Magazinen:
Hier kann das iPad seine Vielseitigkeit ausspielen: Ich kann Nachrichten auswählen, Bildstrecken oder sogar Videos dazu ansehen, wichtige Artikel an Freunde weiterleiten – per Mail, Facebook oder Twitter – und mir zu bestimmten Themen Pushnachrichten schicken lassen, so dass ich nahezu in Echtzeit informiert werde – und keine Zeitungen bündeln und vors Haus stellen muss. Bild: Zeitung auf iPad


Worauf ich mich aber am meisten freue: auf interaktive Bücher!
Wie das aussieht, zeigt das neu aufbereitete Alice im Wunderland: Auf der Seite bewegen sich tickende Uhren, fallen Flaschen oder wirbeln Jasskarten. Und der Lesende kann selber aktiv werden und Alice zum Beispiel vergrössern und verkleinern, wenn sie mit Hilfe des Pilzes versucht, ihre Originalgrösse wieder zu finden.

Im Handel erhältlich sind hier schon attraktive Kinderbücher, bei denen die Kleinen selbst ins Geschehen eingreifen können – sie können Töne beifügen, Farbe ergänzen, der Heldin helfen, ein Puzzle zu lösen und vieles mehr. Und ich stelle mir jetzt vor, wie ich beim Krimi mitentscheide, ob das Opfer erstochen oder erschossen wird … Und Lady Chatterley – aber das lasse ich wohl besser! Bild: iPad interactive

Fazit:
Bei einem “Verbrauch” von 2 bis 5 Büchern oder Magazinen pro Woche hat sich für mich die Umstellung auf die E-Versionen in den letzten 3 Jahren bewährt. Mein Sony Reader wird wohl höchstens noch auf Langstreckenflügen und in den Ferien zum Zug kommen, wenn überhaupt. Das iPad aber werde ich – unter anderem – auch gerne und oft zum Lesen nutzen. Und das eine oder andere Buch werde ich mir auch weiterhin physisch gönnen. Einfach schon, weil kein E-Book das kribblige Gefühl vermitteln kann, wenn beim Krimi nur noch wenige Seiten übrig bleiben …

Lovey Wymann, Texterin/Konzepterin
www.schreib-lounge.ch

Datum: 25. Juni 2010
Bitte Urheberrechte beachten: Verlinken erlaubt, kopieren verboten

2 Kommentare

  • Sascha Erni's Gravatar Sascha Erni 28. Juni 2010

    Danke für den Artikel! Ich möchte ergänzen, dass mit iOS 4 (fast) dieselben Funktionen auch auf dem iPhone und iPod Touch zur Verfügung stehen. Dank recht freier Konfigurierbarkeit der Software lässt es sich so ganz nett lesen, auch wenn ich es vorwiegend für Nachschlagewerke verwende.

    Der Sync ist natürlich nett, tut aber im Moment nur in Verbindung mit einem iPad, wenn ich das richtig verstanden habe.

  • SaschaErni's Gravatar SaschaErni 29. Juni 2010

    Ergänzung: Das mit dem Sync geht schon, aber nur ganze Bücher. Lesezeichen und Notizen werden (noch?) ned auf den iFöhn übernommen.

Kommentar schreiben