Rezension. Wer auf Autobiographien berühmter Männer abfährt, hat in den letzten Jahren eine längere Durststrecke hinnehmen müssen – sehen wir mal von Helmut Schmidts Lebensrückblick ab.
Ich bin beim Stöbern auf eine löbliche Ausnahme gestossen, ein Buch, das nicht nur witzig und amüsant zu lesen ist, sondern ein Buch, das den Leser fürs Leben bildet: Groucho & Marx in der hervorragenden Übersetzung von Sven Böttcher. Der Autor dieses Werkes heisst nicht sehr überraschend Groucho Marx und ist wahrscheinlich nur noch Menschen über 75 sowie unverbesserlichen Filmnerds ein Begriff. Anfangs des letzten Jahrhunderts jedoch war er einer der wichtigsten Komiker Amerikas. Als Teil der Marx Brothers fiel er besonders durch seinen bissigen Witz, den riesigen aufgemalten Schnauzer sowie eine ausgelutschte Zigarre auf. Doch der Mann konnte nicht nur tanzen, singen und spielen, sondern auch geistreich schreiben. Und so hat er für seine treuen Fans eine Lebensbeichte geschrieben, die ihresgleichen sucht. Dass er es mit der Wahrheit nicht so genau nimmt – er gibt es unumwunden zu – spielt keine grosse Rolle. Man nimmt ihm als Leser einfach alles ab: die schwere Kindheit, die Erfolglosigkeit am Anfang seiner Karriere, die Affären usw. All das beschreibt er mit einem Augenzwinkern. Sogar seine Ausführungen über die Wirtschaftskrise von 1929 lesen sich so, als hätte er sie erst gestern niedergeschrieben. Dabei ist der gute Mann seit 1977 tot. Aber das nur nebenbei. Wer schon immer wissen wollte, warum er nie einem Club beitreten sollte, der einen als Mitglied akzeptiert, sollte dieses Buch lesen. Lachkrämpfe garantiert.
Groucho Marx
Groucho & Marx
Atrium Verlag Zürich. 2010.
(Die Originalausgaben erschienen 1959 und 1963 unter den Titeln Groucho and Me und Memoirs of a Mangy Lover bei Bernard Geis Associates Books, New York.)

1 Kommentar
Ganz tot ist er nicht!
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