Ende. Schluss. Fertig. Aus!
So wollte ich schon immer einen Text beginnen. Mit einem Knall, nicht mit Gewinsel.
Die erste Zeile geht zum Angriff über, packt die Leser am Schopf.
Aller Anfang ist leicht. Auch wenn das Sprichwort am Gegenteil festhält.
Aber jetzt wie weiter?
Jagt uns gleich jemand eine Kugel in den Kopf oder springt von der Brücke, um im freien Fall sein verpatztes Leben auszubreiten? Oder war’s das etwa? Ist das Pulver bereits verschossen?
Die ganze Arbeit liegt noch vor uns – eine überhängende Felswand, die in den Himmel ragt, ein tobendes Meer, das es schreibend zu durchqueren gilt.
“Nennt mich Ismael”, hebt Herman Melville heroisch an und lässt einen wuchtigen Wal aus den Wellen brechen.
“Nennt mich Smitty”, parodiert Philip Roth und pfeffert uns den Grossen amerikanischen Roman wie einen Baseball um die Ohren.
Anfänge haben’s in sich. Wer grossspurig auftrumpft, darf sich nicht mit einem schlechten Blatt in der Hand erwischen lassen. Aber keine Angst. Wenn Sie den ersten Satz schreiben, haben Sie schon zig Anfänge hinter sich. Nehmen Sie ruhig einen von denen und schreiben Sie dort weiter:
– “Mein Vater war ein Bauerssohn …” (Gottfried Keller, Der grüne Heinrich)
– “Mein Vater war ein Kaufmann” (Adalbert Stifter, Der Nachsommer)
– “Mein Vater war ein Gartenzwerg …” (Kathrin Röggla, Abrauschen)
– “Mein Vater war ein Kommunist” (Urs Widmer, Das Buch des Vaters)
– “Mein Vater war Totengräber” (Maarten ‘t Hart, Der Flieger).
Beginnen Sie. Legen Sie einfach los. Machen Sie wenigstens einen Anfang.
Daniel Ammann sammelt Anfänge ohne Ende. Er lebt in St. Gallen und arbeitet als Autor, Redaktor und Schreibberater. www.magoria.ch
Datum: 1. März 2010 (textín Oktober 2009)
Text: Daniel Ammann
Bild: iStockPhoto
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1 Kommentar
Das ist der Vorteil an Kurzgeschichten: Man geht gleich in medias res und jut is. Entsprechend liegen knallige Anfänge oft nahe.
Was es allerdings nicht (viel) einfacher macht, einen solchen Anfang zu finden. Mist.
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