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	<title>Textin &#187; Kolumnen</title>
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	<description>Das Magazin der Schreibszene Schweiz</description>
	<lastBuildDate>Fri, 03 Feb 2012 18:01:32 +0000</lastBuildDate>
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		<item>
		<title>Reflexives Schreiben</title>
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		<pubDate>Fri, 28 May 2010 15:04:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Daniel Ammann</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kolumnen]]></category>
		<category><![CDATA[Daniel Ammann]]></category>
		<category><![CDATA[Mediensplitter]]></category>
		<category><![CDATA[PH Akzente]]></category>
		<category><![CDATA[Reflexives Schreiben]]></category>

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		<description><![CDATA[Ich bin zwar nur Text, aber auch unsereins macht sich Gedanken. Woher komm ich? Was bin ich? Liest mich überhaupt jemand? Etwas ungewöhnlich, mögen Sie denken, aber dafür wurde schliesslich das reflexive Schreiben erfunden. An manchen Tagen fühle ich mich grandios wie ein Roman, wie pralle Prosa voll Power und Poesie. Das Publikum liegt meinen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich bin zwar nur Text, aber auch unsereins macht sich Gedanken. Woher komm ich? Was bin ich? Liest mich überhaupt jemand?<span id="more-318"></span></p>
<p><a rel="attachment wp-att-323" href="http://www.textin.ch/reflexives-schreiben/braem_schreiben_237/"><img class="alignleft size-full wp-image-323" title="braem_Schreiben_237" src="http://www.textin.ch/wp-content/uploads/2010/05/braem_Schreiben_237.jpg" alt="" width="237" height="172" /></a>Etwas ungewöhnlich, mögen Sie denken, aber dafür wurde schliesslich das reflexive Schreiben erfunden.</p>
<p>An manchen Tagen fühle ich mich grandios wie ein Roman, wie pralle Prosa voll Power und Poesie. Das Publikum liegt meinen Zeilen zu Füssen. Aber die Freude währt nicht lange.</p>
<p>«Halt ja deinen Rand!», weist mich die Marginalie in die Schranken. «Die Leser/innen wollen Weissraum, nicht Bleiwüste», mäkelt sie. «Was brauchst du überhaupt zwei Spalten?»</p>
<p>Wortlos weiche ich zurück. Da wirft sich bereits die Werbung gegenüber ins Zeug.</p>
<p>«Bleib bloss auf deiner Seite», blafft sie mich an. «Kusch dich, Kolumne, wenn dir dein Blocksatz lieb ist.»</p>
<p>Ein Raunen geht durchs Heft. Hinter meinem Rücken zeigen sie mit dem Finger auf mich, bewitzeln meinen Wortwuchs, schimpfen mich Killertext. Ich sollte Fraktur mit ihnen reden. Aber wozu unnötige Worte verlieren. Sie haben mich abgeschrieben.</p>
<p>Im Ruheraum der Worte finde ich wieder zu mir. Vielleicht war ich in einem früheren Leben Bild oder Melodie. Aber heute bin ich Text. Wort für Wort. So wahr ich hier stehe. Ich blicke in den Satzspiegel und erkenne mein wahres Wesen.</p>
<p>Ich bin weit mehr als Druckbuchstaben auf dem Papier. Dieser Satz besteht aus vierundvierzig Buchstaben. (Der vorherige übrigens auch.)</p>
<p>Meine Gedanken fliegen durch Ihren Kopf. Für einen kurzen Augenblick werden wir eins. Der Satz, den ich jetzt schreibe, ist der Satz, den Sie jetzt lesen. Von Ihnen fühle ich mich verstanden.</p>
<p>Manchmal passiert es mir zwar, dsas dei Regihenfloe der Buhcsatebn ducirhenaednrgräet.</p>
<p>Aber Sie können mir trotzdem folgen, nicht wahr? Nobody’s prefect, wie mein Freund der Tippfehler sagt. Sie sehen über meine Mängel hinweg. Diesem Satz hat zwei Fallfehlern. Dieser Satz kein Verb. Diesem Satz jedes dritte, aber er trotzdem verständlich. (Was soll‘s? In jeder anderen Sprache ist Deutsch auch nur eine Fremdsprache.)</p>
<p>Ich weiss Ihre Anwesenheit zu schätzen. Solange Sie mich nicht lesen, bezieht sich das zweite Wort dieses Satzes auf nichts. Schade nur, dass Sie stumm bleiben. Immer habe ich das letzte Wort.</p>
<p><strong>Daniel Ammann </strong>lebt in St.  Gallen und arbeitet als  Autor, Redaktor und Schreibberater.  <a href="http://www.magoria.ch/" target="_blank">www.magoria.ch</a></p>
<p>Datum: 28. Mai 2010<br />
Text: Daniel Ammann / Mediensplitter aus <a href="http://www.phzh.ch/phakzente" target="_blank">«ph akzente»</a> 2/2010<br />
Cartoon: Donat Bräm, Zürich</p>
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		<title>Herrin über Staubwedel und Satzkonstrukte</title>
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		<pubDate>Thu, 27 May 2010 07:21:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Delia Ottone</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kolumnen]]></category>
		<category><![CDATA[Texter-Alltag]]></category>
		<category><![CDATA[Ausbildung]]></category>
		<category><![CDATA[Dipl. Texter]]></category>
		<category><![CDATA[Diplomtexter Ausbildung]]></category>
		<category><![CDATA[Textfachfrau]]></category>
		<category><![CDATA[Textfachmann]]></category>

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		<description><![CDATA[Kolumne. Immer mehr Mütter sprengen die Fesseln ihres Hausfrauendaseins. Nach jahrelangem Pendeln zwischen Kindern, Küche und Kirche wagen sie es, ein viertes &#8220;K&#8221; in Angriff zu nehmen. Sie starten durch mit einer Zweitausbildung in Richtung Karriere. &#8220;Und du glaubst wirklich, dass jemand auf dich, deine Texte und dein Diplom wartet?&#8221; Die Stimme meiner zweitbesten Freundin [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Kolumne. Immer mehr Mütter sprengen die Fesseln ihres Hausfrauendaseins. Nach jahrelangem Pendeln zwischen Kindern, Küche und Kirche wagen sie es, ein viertes &#8220;K&#8221; in Angriff zu nehmen. Sie starten durch mit <span id="more-306"></span>einer Zweitausbildung in Richtung Karriere.</p>
<p>&#8220;Und du glaubst wirklich, dass jemand auf dich, deine Texte und dein Diplom wartet?&#8221; Die Stimme meiner zweitbesten Freundin tönt genauso wie ihre Wortwahl: vordergründig zweifelnd, aber voll von getarntem Spott. Sie will mir einreden, dass ich mit Kindern, Haus, Garten und meinen ehrenamtlichen Jobs weiss Gott genug beschäftigt sei.</p>
<p><a rel="attachment wp-att-307" href="http://www.textin.ch/herrin-uber-staubwedel-und-satzkonstrukte/ottone_237/"><img class="alignnone size-full wp-image-307" title="Ottone_237" src="http://www.textin.ch/wp-content/uploads/2010/05/Ottone_237.jpg" alt="" width="237" height="172" /></a>Ich aber will mehr als mich nur beschäftigen! Die Schale meines beruflichen Neutrums ist zu eng geworden. Tatsache ist: als Hausfrau und Geschichtenschreiberin bin ich doppelt berufslos. Ich bin weder Autorin, noch Journalistin, noch Gemeindeschreiberin, genauso wenig wie ich Köchin, Kindererzieherin oder Krankenschwester bin. Zweifelsfrei tagfüllende Tätigkeiten, kunterbunt wie Pippis Villa und oft anspruchsvoller als das Steuern eines Schiffes bei Windstärke 10. Aber: es sind keine anerkannten Berufe. Ich strebe nach einem richtigen Beruf; einen mit Ausbildung, Abschluss und bezahlten Aufträgen. Keinen, der nur auf offiziellen Formularen als solcher bezeichnet wird; eine halbe Zeile zwischen Heimatort und Konfession. Keinen, der nach Zwiebeln, muffigen Winterstiefeln und verstaubtem Heizungskeller riecht.</p>
<p>Nun werde ich ein rechtes Handwerk erlernen. Von der Pike auf. <a href="http://www.schreibszene.ch">Der Lehrgang zur diplomierten Texterin</a> wird meine Fähigkeiten bündeln und mir neue Perspektiven verschaffen. Ganz ehrlich, ich freue mich darauf, in die Geheimnisse der Textentstehung einzutauchen wie in ein Kochbuch voller exotischer Rezepte. Ich werde den Duden statt Betty Bossi ins Regal stellen. Meister Proper bleibt im Schrank, derweil ich mit Wolf Schneider Wörter wasche und für kristallklare Texte sorge, und bei Fremdwörtern wie Klimax werde ich nicht mehr automatisch an Menopause denken. Pleonasmen werde ich entfernen wie Grasflecken aus Juniors Jeans und redundante Akronyme ausjäten wie den Hahnenfuss im Blumengarten. Aus logischen, chronologischen und hierarchischen Sachverhalten werden genauso kreative Kompositionen entstehen wie mit frischem Gemüse und gehackten Kräutern. Meine Texte werden reiner als Kochwäsche nach dem dritten Waschgang und die darin enthaltenen Botschaften so verständlich wie nach einem Gordon-Training.</p>
<p>Sicher, der Sprung von der staubwedelnden Hausfrau zur professionellen Texterin wird ein Quantensprung. Auch wenn nicht alle Welt auf mich und mein Diplom wartet – mit Entschlossenheit und originellen Texten werde ich auch meine zweitbesten Freunde überzeugen.</p>
<p><strong>Delia Ottone</strong> pflückt seit geraumer Zeit &#8220;Geschichten, die das Leben schreibt&#8221;. Oft hängen diese hoch, doch meistens braucht sie sich nur zu bücken und sie aufzu-lesen.</p>
<p>27. Mai 2010</p>
<p>Bild: iStockPhoto</p>
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		<title>In München steht ein Hofbräuhaus. Eins, zwei, gsuffa.</title>
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		<pubDate>Sat, 24 Apr 2010 08:25:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sascha Erni</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kolumnen]]></category>
		<category><![CDATA[Lesung]]></category>
		<category><![CDATA[Sascha Erni]]></category>
		<category><![CDATA[Texter]]></category>
		<category><![CDATA[Veröffentlichen]]></category>

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		<description><![CDATA[Keine Bange, schon sehr bald wird es in Sachen Texterei weitergehen. Ich habe nach meiner Rückkehr in die Schweiz genug erlebt, um darüber ein halbes Dutzend Glossen zu schreiben. Aber nicht heute. Nein, heute beschäftigen wir uns mit einem Aspekt des Schriftstellerdaseins. Einem wichtigen Aspekt. Einem, der immer wieder vergessen geht. Einem Aspekt, den auch [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Keine Bange, schon sehr bald wird es in Sachen Texterei weitergehen. Ich  habe nach meiner Rückkehr in die Schweiz genug erlebt, um darüber ein  halbes Dutzend Glossen zu schreiben. Aber nicht heute. Nein,  heute beschäftigen wir uns mit einem Aspekt des Schriftstellerdaseins.  Einem wichtigen Aspekt. Einem,  der immer wieder vergessen geht. Einem Aspekt, den auch ich übersehen  habe.<span id="more-287"></span></p>
<p><em>Ja ja, wir haben es  kapiert. Worum geht’s denn überhaupt?</em></p>
<p>Lesungen.  Enttäuscht?</p>
<p><em>Ja. Aber wir sind  gespannt.</em></p>
<p>Ich war letzten Samstag auch gespannt: Meine  erste Literaturlesung stand an. Nach Gymnasium, Studium und  Festanstellung war ich es mir gewohnt, vor Menschen zu sprechen.  Tutorium in Altenglisch? Wa bið þam þe  sceal und so? Kein Problem. Und ich war oft genug an  irgendwelchen Veranstaltungen, um die Dienstleistungen meines damaligen  Arbeitgebers publikumswirksam anzupreisen. Oder zumindest billigen Fusel  auszuschenken, was in etwa dasselbe ist.</p>
<p>Nein, das Publikum  macht mir wenig Mühe. Viel mehr meine eigenen Texte.</p>
<p>Die Story <a href="http://metamorphosen.nggalai.com/" target="_blank">erschien zwar  erst vor kurzem</a>, aber getippselt hatte ich sie zwei Jahre zuvor, auf  die Veröffentlichung in einer Kurzgeschichtensammlung hoffend. Also  hielt ich mich ans Register der Anthologie, an Lovecraft, mit allen  möglichen linguistischen Feinheiten, Absatzstruktur und so weiter.  Mediengerechte Dinge, die gedruckt Sinn haben. Und dann kam vor ein paar  Wochen die Anfrage meines Verlegers, ob ich nicht in München vorlesen  mag?</p>
<p>Na sicher doch!</p>
<p>Oh. Moment.</p>
<p><em>Was denn?</em></p>
<p>Nun ja.  Geschriebenes. In Tagebuchform. Daten sowie sich wandelnde Schreibarten,  um den psychischen Verfall, die Wandlung (Metamorphose, haha) des  Protagonisten zu illustrieren. Also alles Dinge, die auf dem Papier gut  funktionieren. Vorgelesen jedoch weniger ersichtlich sind als die  Aschewolke von Eyjafjallajökull.  Und mit Wetterballonen wollte ich auch nicht herumspielen. Das hätte  doch eher lächerlich gewirkt.</p>
<p>Aber ich wurde dann doch in die zwingenden Voraussetzungen einer gelungenen  Lesung eingeführt:</p>
<ul>
<li>Alkohol.</li>
<li>Eine geile Venue, wie man das so  bildungsbürgerisch nennt.</li>
<li>Interessierte Zuhörer.</li>
<li>Eine  MusikerIn, besser zwei. Einer davon muss nicht eimal gegendert sein.</li>
<li>Mehr Alkohol.</li>
<li>Bücher,  so zum Durchblättern.</li>
<li>Der Reporter vom Lokalblatt. Im Idealfall  kurz vorm Rausschmiss, i.e. ohne Skrupel.</li>
<li>Habe ich schon  Alkohol erwähnt?</li>
</ul>
<p>Ja, flüssige Gefäßerweiterungen helfen.  Besonders dann, wenn einer der Musikanten ein großes, großes Rohr  herumschwenkt und man sich fragt, ob man in der BILD landen wird.  „Mitten in Bayern: Literaturfreunde mit indianischem Nudelholz  erschlagen!“</p>
<p>Es geht natürlich auch um die Vermarktung. Da helfen gegebenenfalls  diese ganzen komischen Sozialen Netzwerke, weil sie viel  zielgerichteter sind als das Plakat an der Litfaßsäule. Um mein eigenes  unbedeutendes Beispiel hervorzukramen – 10 % der Zuhörer waren Leute aus  meinem Foren-Bekanntenkreis. Und sie waren deutlich besser gekleidet  als der Rest. Das sagt doch alles, nicht?</p>
<p>Als Autor prostituiert  man sich also ein bisserl, klar. Dafür gibt es Montepulciano in rauen  Mengen. Bei den meisten Lesungen wird das nicht zu teuer für die  Veranstalter – unser Lokal zumindest war klein, so dass man Social Media Campaigns mit viel  Ausspähen der Target Audience  hat vergessen können. Worüber ich nicht zuletzt als Redakteur der <a href="http://www.piratenpartei.ch" target="_blank">Piratenpartei  Schweiz</a> froh bin. Das wäre sonst etwas gar janusköpfig.</p>
<p>So  oder so: Kleinkunst rockt!  Grandios, wie sich Menschen neben dem regulären Job für Kultur  einsetzen. So stelle ich mir das Ideal einer modernen Gesellschaft vor.  Leute, die freiwillig das machen, was ihnen Spaß bereitet. Lesen,  organisieren, Bücher verkaufen. Ohne großartige Gewinnabsicht, ohne  dummes Marketing, ohne überteuerten Schaumwein. Dann ist der Autor  glücklich. Und die Piraten auch.<br />
<img src="http://vg02.met.vgwort.de/na/454499ac2b984096bf8bf84fae6cc348" width="1" height="1" alt="" /></p>
<p><strong>Sascha Erni</strong> wurde 1975 im Aargau geboren. Nach einigen Jahren in Niedersachsen lebt er nun als freischaffender Textredakteur und Autor im Thurgau. <a href="http://www.nggalai.com/">www.nggalai.com</a></p>
<p>Datum: 24. April 2010<br />
Text: Sascha Erni<br />
Bild: iStockPhoto<br />
Bitte Urheberrechte beachten: Verlinken erlaubt, Kopieren verboten.</p>
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		</item>
		<item>
		<title>Die Aasgeier der Eitelkeit</title>
		<link>http://www.textin.ch/die-aasgeier-der-eitelkeit/</link>
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		<pubDate>Mon, 01 Mar 2010 18:58:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sascha Erni</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kolumnen]]></category>
		<category><![CDATA[Veröffentlichen]]></category>
		<category><![CDATA[Ein Buch veröffentlichen]]></category>
		<category><![CDATA[Zuschussverlage]]></category>

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		<description><![CDATA[(Eine Glosse zum Thema Zuschussverlage.) „Ein grosser Stand an der Buchmesse, Hochglanzprospekte, ein würdevoller Name … Der Verlag kann ja nur toll sein! Und er ist an meinem Manuskript interessiert! Endlich! Jetzt muss ich nur noch das Geld fürs Lektorat zusammenkratzen und den Wisch für die Druckkostenbeteiligung unterschreiben, dann bin ich veröffentlicht! Hurra!“ Ähnliches hört [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>(Eine Glosse zum Thema Zuschussverlage.) „Ein grosser Stand an der Buchmesse, Hochglanzprospekte, ein würdevoller Name … Der Verlag kann ja nur toll sein! Und er ist an meinem Manuskript interessiert! Endlich! Jetzt muss ich nur noch das Geld fürs Lektorat zusammenkratzen und den Wisch für die Druckkostenbeteiligung unterschreiben, dann bin ich veröffentlicht! Hurra!“<span id="more-107"></span></p>
<p>Ähnliches hört und liest man seit Jahrzehnten von hoffnungsvollen Jungautoren. Manche zahlen enthusiastisch. Sie freuen sich darauf, im Online-Shop aufgeführt zu werden und wundern sich später, dass nirgends Rezensionen erscheinen und man eine Absage vom Autorenverband bekommen hat.<a rel="attachment wp-att-240" href="http://www.textin.ch/die-aasgeier-der-eitelkeit/textin2-indd/"><img class="alignright size-full wp-image-240" title="textin2.indd" src="http://www.textin.ch/wp-content/uploads/2010/03/Grafik_Manuele.jpg" alt="" width="227" height="288" /></a></p>
<p>Willkommen in der klammen Umarmung der Zuschussverlage! Oder Dienstleisterverlage, wie man sie auch gerne nennt. Klingt politisch korrekter als der Begriff <em>Aasgeier.</em></p>
<p>Solche „Verlage“ sind immer wieder im Gespräch. Sei es am Autoren-Stammtisch oder beim www.aktionsbuendnis-faire-verlage.com, in den Feuilletons oder vor Gericht. Letzteres vorwiegend deshalb, weil gewisse Dienstleister negative Publicity nicht gerade schätzen und dann wegen „Verleumdung“ klagen. Sie haben zwar bisher alle Verfahren verloren, aber lustig ist der Rechtsstreit trotzdem nicht. Daher werde ich mir die Nennung konkreter Unternehmen verkneifen.</p>
<p><em>Aasgeier ist aber nicht sehr nett. Weswegen so grob?</em></p>
<p>Im Literaturbetrieb werden diese Dienstleister in der Regel als unseriös betrachtet. Die meisten Zeitungen, Zeitschriften, Radiosendungen, Nachschlagewerke, Buchhandlungen und Bibliotheken, Autorenverbände, Gewerkschaften, Literaturwettbewerbe, Stipendienträger und so weiter halten sehr wenig bis rein gar nichts von den Veröffentlichungen solcher Pseudo-Verlage. Aber weshalb ist das so?</p>
<p>Die Antwort ist so einfach wie einleuchtend. <em>Seriöse Verlage bezahlen ihre Autoren.</em> Die Schriftsteller liefern Material, mit dem der Verlag hofft, Kohle zu machen. Das Wort „Verlag“ kommt von „vorlegen“; Auslagen machen, um dann später zu profitieren. Der Geldfluss ist also eindeutig – der Verlag bezahlt die Autoren mehr oder weniger gut, aber die Schreiberlinge werden nicht zur Kasse gebeten.</p>
<p>Zuschussverlage jedoch drehen den Spiess um: Die Schriftsteller sollen für die Veröffentlichung bezahlen. Argumentiert wird oft mit Goethe, der tatsächlich Sachen auf eigene Kosten veröffentlichte. Oder es wird die schwierige Marktsituation insbesondere für Frischlinge erwähnt. Und dass andere Verlage den Roman nicht publizieren könnten, weil er zu „radikal“ oder zu „avant-garde“ für den Markt sei. Die nehmen ja nicht einmal mehr Heine an, wenn man sie auf die Probe stellt! Aber das Manuskript ist so gut, dass man dem Autor eine Chance geben will. Das Buch könnte das wichtigste Werk einer ganzen Generation werden!</p>
<p>„Aber Geschäftsrisiko, Sie verstehen, wir müssen das gemeinsam stemmen; wenn die ersten 20&#8217;000 Exemplare verkauft sind, haben Sie Ihre Investition wieder drin. Unterschreiben Sie hier.“</p>
<p>Nun ja. Ich verkneife mir einen zynischen Kommentar. Nur so viel: Nicht ohne Grund werden solche Dienstleister im angelsächsischen Raum als „Vanity Press“ bezeichnet. Eitelkeits-Druckereien. Wer auf diesem Wege veröffentlichen möchte, darf das gerne tun. So lange man im Kopf behält, dass man zwar gedruckt, aber nicht verlegt wird.</p>
<p>Seien wir doch mal ehrlich: Selbst kleine, international kaum bekannte Verlage bekommen im Jahr problemlos ein paar hundert bis ein paar tausend Manuskripte unaufgefordert zugeschickt. Grössere Verlage schaffen das in einem Monat. Weshalb also sollte ein seriöser Verleger aktiv, mit Werbung im Netz und in Tageszeitungen, nach neuen Autoren suchen? Er bekommt sowieso genug Material, aus dem er gemäss Verlagsprogramm, Textqualität und Markttauglichkeit auswählen kann.</p>
<p>Das Argument „Wir haben Publikumsverlage geprüft; sie wollten nicht einmal Jane Austen annehmen und das ist Weltliteratur!“ greift nicht. Es sollte jedem einleuchten, dass die Grossen  auch deshalb erfolgreich waren, weil sie nun mal den Nerv der Zeit getroffen hatten. Genau so gut könnte man sagen, dass die gegenwärtigen Wissenschaftsverlage nur Idioten beheimaten. Weil sie Ptolemäus nicht akzeptieren würden, obwohl er die Grundlage für 1000 Jahre Astronomie gelegt hatte. Historisch-inhaltlicher Kontext ist eben auch wichtig.</p>
<p>Egal. Kurz gesagt: Steht auf einer Verlags-Website unübersehbar etwas in Richtung „Wir suchen junge Autoren“ oder „Wir wollen Ihr Manuskript“ – <em>Finger weg.</em> Ein seriöser Verlag hat das nicht nötig. Da reicht unter „Kontakt“ ein kleingedruckter Paragraf mit Hinweisen zum Einschicken unverlangter Manuskripte. Oder zwischendurch ein grossangelegter Schreibwettbewerb.</p>
<p>So weit klar? Nun ja, es kommt leider noch „besser“.</p>
<p><em>Oh Gott.</em></p>
<p>Genau. Denn: Zuschuss-Geschäftsmodelle schaden nicht nur den zahlenden Autoren, sondern dem Literaturbetrieb allgemein. Durch die oft aggressive Werbung für den „Verlag“ (und der auffällig fehlenden Werbung für den Kunden, ich meine, Schriftsteller) zeigen sich immer mehr Menschen überrascht, dass Autoren heutzutage <em>vom Verlag bezahlt werden.</em> Und nicht anders rum. Das macht es für Schriftsteller immer schwieriger, in der Öffentlichkeit ernst genommen zu werden. Frei nach dem Motto:</p>
<p>„Ah, Du hast ein Buch veröffentlicht? Mein Schwager hat auch schon drei draussen, aber das ging ihm dann doch zu sehr ins Geld.“</p>
<p>Je mehr Leser und Jungautoren davon überzeugt sind, dass Schriftsteller selbstverständlich für Lektorat, Druck und Vertrieb zahlen müssen, desto schwächer wird die generelle Verhandlungsposition aller Autoren. Seriöse Verlage halten sich (noch) an die Empfehlungen der Gewerkschaften und Verbände, aber es ist klar – wenn man weiss, dass nicht gerade wenige Leute ohne sich zu wundern 3000 Euro allein fürs Lektorat in die Hand nehmen würden … Da fragt man sich früher oder später, weshalb man denn für einen Roman ein paar tausend Euro Honorar plus eine Beteiligung am Verkaufserlös bezahlen soll.</p>
<p>Mag paranoid klingen, ja. Aber schon jetzt haben einige echte Verlage den Vorschuss für Erstlingswerke aus dem Verlagsvertrag gestrichen; es werden manchmal nur noch Tantiemen gezahlt. Andere Verlage, insbesondere Zeitschriftenverlage, bestehen auf Total-Buy-Out, womit der Autor einmalig ein Honorar bekommt – aber keine zusätzliche Vergütung für die Weiterverwertung in Form von Übersetzungen, Podcasts, Hörbuch oder gar einer Verfilmung. Verschiedene deutsche Gerichte stellen sich seit einiger Zeit gegen solche Verträge, aber man kämpft ein bisserl gegen Windmühlen. Der Markt hat halt das Zepter in der Hand, und der freie Journalist ist schon froh, wenn er mal 500 Euro in die Hand gedrückt bekommt.</p>
<p><em>Ja. Aber ich finde nun mal keinen Verlag. Was kann ich tun?</em></p>
<p>Vernünftig wäre es sich zu fragen, <em>weshalb</em> 89 Absagen den Schreibtisch zumüllen. Stimmt die Textqualität? Ist das Buch verlagsreif, also wirklich gut geschrieben, oder sollte ich nochmals mit Schere und Logik drüber? Bespreche ich vielleicht ein Nischenthema, das sich für einen Verleger finanziell nicht lohnt, weil sich weltweit 262 Leute überhaupt dafür interessieren? Passt es nicht zu den aktuellen und potentiellen Trends der nächsten drei, vier Jahre? Sollte ich das Manuskript vielleicht eine Weile in der Schublade lassen? In der Hoffnung, dass sich der Zeitgeist ändert?</p>
<p>Wenn man dennoch sein Buch <em>jetzt</em> veröffentlichen möchte, kann man es im Selbstverlag versuchen. Genau das hat ja auch der viel erwähnte Goethe gemacht: Druckerei gesucht, dann einen Vertrieb. Insbesondere bei Randthemen geht es oft nicht anders. Oder man wartet darauf, dass die Nische zum neuen Kulturphänomen wird. Eine 16-Jährige kann sich das Warten leisten, ein 73-Jähriger wohl eher nicht.</p>
<p>Ergo: Print-on-demand-Dienst suchen, ISBN-Nummer bestellen, vielleicht einen freischaffenden Lektor engagieren, einfachste Website ins Netz hängen und selbst Werbung machen. Wenn man nett fragt, legt die lokale Buchhandlung auch gerne ein paar Exemplare auf. Viel mehr passiert bei den meisten Zuschussverlagen auch nicht. Okay, man landet bei den Dienstleistern auch in einem schönen Hochglanzprospekt, der an „Alle Buchhändler im deutschsprachigen Raum“ (und natürlich an alle Autoren) verschickt wird. Und beim Händler prompt im Papierkorb endet.</p>
<p>Privat aufgezogen kann so ein Projekt deutlich preiswerter werden als mit einem Dienstleisterverlag, wo man gerne mal einen vier- bis fünfstelligen Betrag als „Investment“ hinterlegen soll. Macht man alles selbst, kostet es den Schriftsteller unter 50 Euro, plus vielleicht noch 60 Euro im Jahr für die Website. Und man hat den Vorteil, dass das Buch zwar noch immer von den meisten Medien ignoriert wird, aber wenigstens hat man etwas Eigenes geschaffen. Ohne den Aasgeier zu füttern.</p>
<p><img src="http://vg03.met.vgwort.de/na/8db93aff50cc487383508fa87e865d4c" width="1" height="1" alt="" /></p>
<p><strong>Sascha Erni</strong> wurde 1975 im Aargau geboren. Mittlerweile lebt er allerdings als freischaffender Texter und Autor in Niedersachsen. <a href="http://www.nggalai.com/">www.nggalai.com</a></p>
<p>Datum: 1. März 2010 (textin Oktober 2009)<br />
Text: Sascha Erni<br />
Bild: Manuel Castellote, <a href="http://www.manuele.ch">www.manuele.ch</a><br />
Bitte Urheberrechte beachten: Verlinken erlaubt, Kopieren verboten.</p>
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		</item>
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		<title>Es war einmal ein Anfang</title>
		<link>http://www.textin.ch/es-war-einmal-ein-anfang/</link>
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		<pubDate>Mon, 01 Mar 2010 18:52:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Daniel Ammann</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kolumnen]]></category>
		<category><![CDATA[Schreiben und Alltag]]></category>

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		<description><![CDATA[Ende. Schluss. Fertig. Aus! So wollte ich schon immer einen Text beginnen. Mit einem Knall, nicht mit Gewinsel. Die erste Zeile geht zum Angriff über, packt die Leser am Schopf. Aller Anfang ist leicht. Auch wenn das Sprichwort am Gegenteil festhält. Aber jetzt wie weiter? Jagt uns gleich jemand eine Kugel in den Kopf oder [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ende. Schluss. Fertig. Aus!</p>
<p>So wollte ich schon immer einen Text beginnen. Mit einem Knall, nicht mit Gewinsel.<span id="more-106"></span></p>
<p>Die erste Zeile geht zum Angriff über, packt die Leser am Schopf.</p>
<p>Aller Anfang ist leicht. Auch wenn das Sprichwort am Gegenteil festhält.</p>
<p>Aber jetzt wie weiter?</p>
<p>Jagt uns gleich jemand eine Kugel in den Kopf oder springt von der Brücke, um im freien Fall sein verpatztes Leben auszubreiten? Oder war’s das etwa? Ist das Pulver bereits verschossen?</p>
<p>Die ganze Arbeit liegt noch vor uns – eine überhängende Felswand, die in den Himmel ragt, ein tobendes Meer, das es schreibend zu durchqueren gilt.</p>
<p>&#8220;Nennt mich Ismael&#8221;, hebt Herman Melville heroisch an und lässt einen wuchtigen Wal aus den Wellen brechen.</p>
<p>&#8220;Nennt mich Smitty&#8221;, parodiert Philip Roth und pfeffert uns den Grossen amerikanischen Roman wie einen Baseball um die Ohren.</p>
<p>Anfänge haben&#8217;s in sich. Wer grossspurig auftrumpft, darf sich nicht mit einem schlechten Blatt in der Hand erwischen lassen. Aber keine Angst. Wenn Sie den ersten Satz schreiben, haben Sie schon zig Anfänge hinter sich. Nehmen Sie ruhig einen von denen und schreiben Sie dort weiter:</p>
<p>– &#8220;Mein Vater war ein Bauerssohn …&#8221; (Gottfried Keller, <em>Der grüne Heinrich</em>)</p>
<p>– &#8220;Mein Vater war ein Kaufmann&#8221; (Adalbert Stifter, <em>Der Nachsommer</em>)</p>
<p>– &#8220;Mein Vater war ein Gartenzwerg …&#8221; (Kathrin Röggla, <em>Abrauschen</em>)</p>
<p>– &#8220;Mein Vater war ein Kommunist&#8221; (Urs Widmer, <em>Das Buch des Vaters</em>)</p>
<p>– &#8220;Mein Vater war Totengräber&#8221; (Maarten &#8216;t Hart, <em>Der Flieger</em>).</p>
<p>Beginnen Sie. Legen Sie einfach los. Machen Sie wenigstens einen Anfang.<br />
<strong><br />
Daniel Ammann </strong>sammelt Anfänge ohne Ende. Er lebt in St. Gallen und arbeitet als Autor, Redaktor und Schreibberater. www.magoria.ch</p>
<p></p>
<p></p>
<p>Datum: 1. März 2010 (textín Oktober 2009)<br />
Text: Daniel Ammann<br />
Bild: iStockPhoto<br />
Bitte Urheberrechte beachten: Verlinken erlaubt, Kopieren verboten.</p>
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		<title>Blondinen schreiben einfach besser</title>
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		<pubDate>Mon, 01 Mar 2010 18:49:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>textin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kolumnen]]></category>

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		<description><![CDATA[Kolumne. &#8220;Wenn sie ein Adjektiv sehen, bringen sie es um.&#8221; Dachte Mark Twain bei dieser Wortwahl an uns Blondinen? Haben wir etwas gemeinsam? Bissig, ironisch, ja entlarvend schrieb er seine Botschaften nieder. Mark Twain wurde zu Lebzeiten oft verkannt – sah auch er die Welt mit blauen Augen? Von Marina Jufer Eingefleischte Blondinen spielen mit [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Kolumne. &#8220;Wenn sie ein Adjektiv sehen, bringen sie es um.&#8221; Dachte Mark Twain bei dieser Wortwahl an uns Blondinen? Haben wir etwas gemeinsam? <span id="more-105"></span>Bissig, ironisch, ja entlarvend schrieb er seine Botschaften nieder. Mark Twain wurde zu Lebzeiten oft verkannt – sah auch er die Welt mit blauen Augen?</p>
<p>Von Marina Jufer</p>
<p>Eingefleischte Blondinen spielen mit der Negativpresse und befreien sich wie einst Mark Twain aus den Fesseln der Diplomatie. Noch bevor wir in ein Fettnäpfchen treten, existiert längst ein ruinierter Ruf. Dieses gebührenfreie Image steht für blond, blöd, blauäugig und hilft uns wie Bachblüten-Notfalltropfen durch alle Lebenslagen. Hat Blondschopf sich als Strohkopf anerkannt, wird das Leben einfach. Blond sein beruhigt – wir geniessen allzeit freie Fahrt.</p>
<p>Auch Silvia fährt mit ihrem Cabriolet Richtung Stadt. Sie winkt ihrem Haarkünstler zu, der seinen Struppi Gassi zieht, schaut folgerichtig im Rückspiegel nach ihren Strähnchen und übersieht die Bremsleuchte des Porsches vor ihr. Scherben zerspringen wie Eiszapfen auf der Strasse. Die aufsteigende Kälte durchdringt alle Beteiligten – nur Silvia lächelt. Sie schlendert zum Fahrer und flüstert: &#8220;Entschuldigung, ich bin blond und dachte Sie suchen das Glück.&#8221; Sein Blick bleibt eisig, die Lachfalten zucken und auf die Splitter zeigend entweicht ihm: &#8220;Ein Stroh-Besen genügt.&#8221; Worauf Silvia blondinengerecht kontert: &#8220;Oh Wunder, hier stehe ich vergnügt!&#8221;</p>
<p>Allein das Wort Blond reicht aus, um einer aschfarbenen Intelligenzbestie den Verstand abzusprechen. Im Gegenzug entschuldigt dieses Wort alles, denn jede Schwäche dient uns zugleich als Stärke. Praktisch – einfach – gut heisst unser Pseudonym, blond – blöd – blauäugig verkaufen wir als Marke, die Ausbeute verspricht eine adjektivfreie Zone namens Ironie, Freude und Spass. Damit schreibt es sich einfach besser. Komplizierte Redewendungen können wir schwer verdauen, die obszöne Blondine mutiert zum Partyluder, die naive Brigitte-Bardot-Kopie wird nur noch Schmollmund genannt. Ja, wir atmen, wir scherzen, wir küssen, wir plaudern besser einfach. Und wir schreiben einfach, einfach besser.</p>
<p>Oder wie Mark Twain zu sagen pflegte: &#8220;Tatsachen muss man kennen, bevor man sie verdrehen kann.&#8221;</p>
<p>Marina Jufer, blonde Quereinsteigerin mit Freude am Schreiben und Sinnieren.</p>
<p></p>
<p></p>
<p>Datum: 1. März 2010 (textín Oktober 2009)<br />
Text: Marina Jufer<br />
Bild: iStockPhoto<br />
Bitte Urheberrechte beachten: Verlinken erlaubt, Kopieren verboten.</p>
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		<title>Lulu Frei, Buchhändlerin</title>
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		<pubDate>Mon, 01 Mar 2010 08:23:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lulu Frei</dc:creator>
				<category><![CDATA[Autor/innen Schweiz]]></category>
		<category><![CDATA[Kolumnen]]></category>
		<category><![CDATA[Leseproben]]></category>
		<category><![CDATA[Buchhändlerin]]></category>
		<category><![CDATA[Lulu Frei]]></category>

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		<description><![CDATA[Augusto, ein Berufskollege von Theodora, kommt ab und zu in die Buchhandlung. Er hat Stieg Larssons Trilogie gelesen und braucht meiner Meinung nach einen Genrewechsel. „Was meinst du dazu?“ Er hebt das Buch vom Bestsellertisch. „’Bis(s) zum Ende der Nacht’ ist nichts für dich“, winke ich ab. „Das ist für Teenies.“ „Ach ja?“ Augusto hebt [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Augusto, ein Berufskollege von Theodora, kommt ab und zu in die Buchhandlung. Er hat Stieg Larssons Trilogie gelesen und<span id="more-68"></span> braucht meiner Meinung nach einen Genrewechsel.</p>
<p>„Was meinst du dazu?“ Er hebt das Buch vom Bestsellertisch.</p>
<p>„’Bis(s) zum Ende der Nacht’ ist nichts für dich“, winke ich ab. „Das ist für Teenies.“</p>
<p>„Ach ja?“ Augusto hebt eine Augenbraue. „Etwa zu keusch?“ Er gluckst, als sei ihm ein besonders guter Witz gelungen. Die Buchhandlung ist heute beinahe leer und ich habe viel Zeit für ihn und seine Albernheiten.</p>
<p>„Wie wär’s mit Carla del Pontes Biografie?“</p>
<p>„Ach nee, du weisst doch, liebe Lulu, dass Männer über Männer lesen wollen.“ Er streicht sich eine Locke zurecht. „Wegen der Identifikation und so.“</p>
<p>Augusto ist ein schöner Mann. Die blonden Locken sind zwar immer flachgedrückt – vom Velohelm, aber das tut der Schönheit keinen Abbruch. Seine Kleidung ist teuer und unauffällig. Doch das Strickjäckchen über dem Hemd verrät ihn. Es ist ein typisches Therapeuten-Jäckchen. Ich frage mich, warum er immer noch Single ist.</p>
<p>„Sean Connerys Biografie? – Ganz frisch rausgekommen. Oder das neue Buch von Lukas Hartmann? Oder der Katalane?“ Ich lege alle Bücher vor ihm auf den Tisch. „Oder vielleicht etwas von Edgar Allan Poe?“</p>
<p>„Nö.“ Augusto blickt lustlos von einem Buch zum nächsten. Öffnet sie, schliesst sie wieder, dreht sie. &#8220;Irgendwie bin ich heute wohl nicht in Kauflaune.“</p>
<p>Da ich sowieso gleich Mittagspause habe, verbringe ich sie mit Augusto. Er besteht darauf, mich zum Essen einzuladen und mir ist das bei meiner angespannten finanziellen Lage ganz recht.</p>
<p>„Weisst du, Lulu, manchmal denke ich an dieses Wochenende zurück. Weisst du noch?“ Er spielt mit dem Zuckersäckchen.</p>
<p>Natürlich weiss ich noch. Ich beisse in das Salzstängeli und sage nichts. „Und ich frage mich, warum du immer noch Single bist.“</p>
<p><strong>Lulu Frei</strong> (Pseudonym) schreibt über das Leben als Buchhändlerin.</p>
<p>textín Juni 2009</p>
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		<title>Figuren proben den Aufstand</title>
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		<pubDate>Mon, 01 Mar 2010 08:18:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Daniel Ammann</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kolumnen]]></category>
		<category><![CDATA[Schreiben und Alltag]]></category>
		<category><![CDATA[Figuren]]></category>
		<category><![CDATA[Romanfiguren]]></category>

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		<description><![CDATA[Beim Schreiben einer Geschichte entsteht ein seltsames Ziehen und Stossen. Auf der einen Seite erfinden wir, setzen Figuren und Schauplätze in die Welt. Auf der anderen Seite wissen wir nicht, was wir da eigentlich treiben. Schreiben ist ein Balanceakt zwischen Kontrolle und Hingabe. Schriftstellerinnen und Schriftsteller haben dieses Gefühl oft genug beschrieben: Figuren proben den [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Beim Schreiben einer Geschichte entsteht ein seltsames Ziehen und Stossen. Auf der einen Seite erfinden wir, setzen Figuren und Schauplätze in die Welt.<span id="more-67"></span> Auf der anderen Seite wissen wir nicht, was wir da eigentlich treiben. Schreiben ist ein Balanceakt zwischen Kontrolle und Hingabe.</p>
<p>Schriftstellerinnen und Schriftsteller haben dieses Gefühl oft genug beschrieben: Figuren proben den Aufstand; plötzlich entwickeln sie ein Eigenleben, lehnen sich gegen ihre Macher auf und lenken die Geschichte in unvorhergesehene Bahnen. Sollen wir bloss tatenlos zusehen und alles brav protokollieren?</p>
<p>Wer seine Figuren zurückpfeift, läuft allerdings Gefahr, dass die Geschichte an Schwung verliert oder ganz zum Erliegen kommt. Dann sitzen wir fest. Das kann sich zu einer ausgewachsenen Schreibblockade zuspitzen, Lebenskrise inklusive.</p>
<p>Klar, die Figuren fordern nur ihr Recht. Aber hat man das Zepter erst aus der Hand gegeben, spielen sie leicht verrückt und reissen einen mit sich in den Abgrund.</p>
<p>Sollen wir ihnen leise folgen und sie dann eigenhändig von der Klippe stossen?</p>
<p>Daniel Ammann lebt in St. Gallen und arbeitet als Autor, Redaktor und Schreibberater. Er ist Dozent für Medienbildung und Mitarbeiter des Schreibzentrums an der Pädagogischen Hochschule Zürich.</p>
<p>textín Juni 2009</p>
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		<title>Amoklesen</title>
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		<pubDate>Mon, 01 Mar 2010 08:15:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Franziska Hidber</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kolumnen]]></category>
		<category><![CDATA[Hobby Lesen]]></category>

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		<description><![CDATA[Lesen ist ein ungünstiges Hobby. Ungünstig im Sinn von: unproduktiv, unglamourös, unscheinbar. Andere Leute joggen, züchten Bonsais oder Hunde, schiessen Goals oder Pfeile, backen. Und immer, immer mündet ihr Tun in ein sichtbares Resultat: in Welpen, stramme Waden, Torten oder einen Pokal. Bei mir nicht. Bei mir zeugt allenfalls eine zerknitterte Bettdecke von den verbrachten [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Lesen ist ein ungünstiges Hobby. Ungünstig im Sinn von: unproduktiv, unglamourös, unscheinbar. Andere Leute joggen, züchten Bonsais oder Hunde,<span id="more-66"></span> schiessen Goals oder Pfeile, backen. Und immer, immer mündet ihr Tun in ein sichtbares Resultat: in Welpen, stramme Waden, Torten oder einen Pokal. Bei mir nicht. Bei mir zeugt allenfalls eine zerknitterte Bettdecke von den verbrachten Stunden.</p>
<p>Das war schon immer so. Denn die Sucht, sie hatte früh begonnen: Als Kind las ich mich durch alle brenzligen Situationen der fünf Freunde, war bei sämtlichen Abenteuern um alte Burgen und versenkte Schiffe dabei, lüftete Geheimnisse, löste die drei Fragezeichen; lachte mit Dolly im Internat und weinte um Blitz, den schwarzen Hengst. Ging der Lesestoff aus, kam die Katastrophe. Gebeutelt vom Entzug, fiel ich über die Unterrichtsbücher meiner Mutter her, verschlang die Todesanzeigen in der Lokalzeitung oder Meyers Modeblatt.</p>
<p>Bevor Sie sich jetzt eine einsame, bleiche Leseratte mit dicken Brillengläsern vorstellen: Nein, so war ich nicht. Sondern quasi das Gegenteil: Ich verbrachte die meiste Zeit draussen mit meinem Hund und einem riesigen Kinderrudel; ich ritt auf dem sturen Pony Jango und dem freundlichen Freiberger Johnny, ich war aktiv in Vereinen, ich schwamm im Walensee und kurvte auf den Skiern den Pizol hinunter.</p>
<p>Aber: All das schien mir weniger verlockend als jener Moment am Abend, da ich mein Buch aufschlagen konnte. Ah! Ich inhalierte den Stoff wie eine Süchtige das Nikotin; ich sog ihn auf wie eine Besessene; kurz, ich las Amok. Ich las Amok, weil das obligate &#8220;Jetzt wird geschlafen!&#8221; in greifbarer Nähe lauerte. Es leitete zuverlässig in den zweiten Teil des Abends über: Licht aus, Taschenlampe an. Erwischte mich meine Mutter dabei, konfiszierte sie meine kleine Helferin mit dem Kommentar: &#8220;Du machst deine Augen kaputt!&#8221; Nun gehört es zu den Privilegien einer Mutter, Recht zu haben; doch für einmal irrte sie: Meine Augen sind nach wie vor unverschämt gut. Obwohl ich bis zum heutigen Tag Amok lese, Amok lesen muss. Weil stets jemand danach trachtet, mich von meinem Buch zu trennen.</p>
<p>Meiner Tochter geht es da nicht besser: Sie wird bald neun und liest seit vier Jahren, was ihr in die Finger gerät, und das ist eine Menge. Schüttle ich am Morgen ihre Bettdecke aus, präsentiert sich mir eine originelle Mischung. Heute zum Beispiel – lassen Sie mich kurz nachsehen – heute also liegen da: &#8220;Kleine Geschichten für kleine Leute&#8221; (Gustav Tobler), &#8220;Gregs Tagebuch&#8221; (Jeff Kiney), &#8220;Die Hälfte des Himmels gehört Bo&#8221; (Dagmar Müller), &#8220;Globi im Zoo&#8221;, ein Sammelband der Gebrüder Grimm sowie die Zeitschrift Geolino.</p>
<p>Sie ahnen es bereits: In ihrem Bett finden allabendliche Leseorgien statt; und ja, sie besitzt eine Taschenlampe; und ja, ich erfülle meine Mutterpflichten, indem ich entsetzt rufe: &#8220;Du machst deine Augen kaputt!&#8221;, um die Lichtquelle an mich zu reissen.</p>
<p>Bevor Sie sich meine Tochter als einsame, bleiche Leseratte mit dicken Brillengläsern vorstellen: Nein, so ist sie nicht. Und was folgern wir daraus? Lesen macht nicht uncool. Aber es gibt bestimmt coolere Hobbys.</p>
<p><strong>Franziska Hidber</strong> lebt, liest und schreibt in Wil SG und hätte gern ein aufregendes Hobby, zum Beispiel Seiltanzen oder Fallschirmfliegen.</p>
<p>textín Juni 2009</p>
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		<title>Stau oder die Geschichte einer Schreibblockade</title>
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		<pubDate>Mon, 01 Mar 2010 08:00:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>textin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kolumnen]]></category>
		<category><![CDATA[Schreibblockade]]></category>

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		<description><![CDATA[Ich sitze fest. Den Horizont beschränkt ein Hundefutterlaster. Die Lücke dazwischen füllt deshalb auch kein Strand, sondern ein Automeer. Dabei wollte ich dieses eine Mal pünktlich sein. Meine Gedanken schwanken zwischen Selbstmitleid und Wut. Wenn es in diesem Vehikel zumindest eine Klimaanlage gäbe. Normalerweise kühlt mich der Fahrtwind. Aber ich schwitze dank diesen Vollidioten mein [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich sitze fest. Den Horizont beschränkt ein Hundefutterlaster. Die Lücke dazwischen füllt deshalb auch kein Strand, sondern ein Automeer. <span id="more-64"></span>Dabei wollte ich dieses eine Mal pünktlich sein. Meine Gedanken schwanken zwischen Selbstmitleid und Wut. Wenn es in diesem Vehikel zumindest eine Klimaanlage gäbe. Normalerweise kühlt mich der Fahrtwind. Aber ich schwitze dank diesen Vollidioten mein Hemd nass, die anstatt aneinander vorbei, ineinander gefahren sind. Nun gut, aus ökologischer Sicht ist so eine Klimaanlage kein Goldstück. Aber wer wäre nicht gerne Teilzeitumweltschützer? Dieser Gedankengang hat mich um geschätzte 3 Hundepfoten voran gebracht.</p>
<p>Vorrücken um 0.02 Hundepfoten</p>
<p>Um 0.02 Hundepfoten verlangsamt werde ich durch eine Corvette, die sich aus einer Quartierstrasse reinquetscht. Darin sitzt ein in Gel gebadeter Angeber, dem seine Ohren für nichts zu schade sind. Das schliesse ich zumindest aus dem Getöse, das von seinem Schlitten ausgeht. Hinzu kommt ein sabberndes Etwas, das aus seinem Seitenfenster hängt. Andere würden dies als Hund bezeichnen. Dieser Fall gilt aber aufgrund des akuten Verdachts auf Tierquälerei als Ausnahme. Ein solches Herrchen, in einer Plastikschüssel und ohne Musikgeschmack, verletzt sicherlich die Würde des Tiers. Wie der Hund wohl heissen mag?</p>
<p>Dem Angebergehabe seines Besitzers nach gehe ich von einem Rüden mit Namen Terminator aus.</p>
<p>Gekühlter Hundesabber</p>
<p>In diesem Moment rückt die Kolonne um etwa 10 Hundelängen voran. Der Sabber von Terminator zieht lange Fäden und zeichnet weisse Striche auf die ansonsten verdunkelten Scheiben. Ich beginne mich in meinem pudelnassen Hemd wohlzufühlen. Grund dafür ist meine Schadenfreude: Die Kälte der Klimaanlage meines Vordermanns zieht an Terminators Kopf vorbei ins Freie. Gekühlter Hundesabber auf getöntem Sicherheitsglas. Ab da kann ich mich nicht mehr erinnern, weshalb ich, um meine Schreibblockade zu lösen, eine Vernissage besuchen wollte.</p>
<p><strong>Von Michèle Marti</strong><br />
Michèle Marti studiert und arbeitet in Zürich. Geschichten leben<br />
überall – nur erwecken, lassen sich die wenigsten.</p>
<p>textín Juni 2009</p>
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