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	<title>Textin &#187; Interviews &amp; Porträts</title>
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	<description>Das Magazin der Schreibszene Schweiz</description>
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		<title>Interview mit der Schweizer Autorin Theres Roth-Hunkeler</title>
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		<pubDate>Thu, 03 Jun 2010 13:54:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Silvia Davi</dc:creator>
				<category><![CDATA[Autor/innen Schweiz]]></category>
		<category><![CDATA[Interviews & Porträts]]></category>
		<category><![CDATA[Mittwochsperlen]]></category>
		<category><![CDATA[Literaturinstitut Biel]]></category>
		<category><![CDATA[Silvia Davi]]></category>
		<category><![CDATA[Theres Roth-Hunkeler]]></category>

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		<description><![CDATA[&#8220;Vielleicht formt mich die Sprache, fliesst durch mich, schleift an mir, versickert manchmal und strömt unterirdisch.&#8221; Silvia Davi: Liebe Theres, wie kam es zu deiner ersten literarischen Publikation und den weiteren? Theres Roth-Hunkeler: Ich schrieb lange Zeit still für mich. Mitte der 80er-Jahre begann ich, erste Texte in Literaturzeitschriften und Zeitungen zu publizieren. 1991 wurde [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>&#8220;</strong><strong>Vielleicht formt mich die Sprache, fliesst durch mich, schleift an mir, versickert manchmal und strömt unterirdisch.&#8221;</strong><span id="more-333"></span><strong></strong></p>
<p><strong>Silvia Davi: </strong>Liebe Theres, wie kam es zu deiner ersten literarischen Publikation und den weiteren?<strong></strong></p>
<p><strong>Theres Roth-Hunkeler:</strong> Ich schrieb lange Zeit still für mich. Mitte der 80er-Jahre begann ich, erste Texte in Literaturzeitschriften und Zeitungen zu publizieren. 1991 wurde ich zur Teilnahme am Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb nach Klagenfurt eingeladen, wo ich das 3sat-Stipendium gewann. Das erleichterte mir, für mein fertiges Roman-Manuskript &#8220;Die Gehschule&#8221; einen Verlag zu finden. Seither schreibe ich weiter. Langsam. Ich unterrichte auch und arbeite journalistisch.</p>
<p><strong>Silvia Davi: </strong>Ist es ein Zufall, dass von deinen vier Romanen, dein erster &#8220;Die Gehschule&#8221; und dein bis jetzt jüngster &#8220;Was uns blüht&#8221; 2009 im Pro Libro Verlag erschienen sind? Ersterer als Nachdruck, 17 Jahre nach seinem Erscheinen im Lenos Verlag, letzterer als Neuerscheinung? Stehen die beiden Romane in einem Zusammenhang?</p>
<p><strong>Theres Roth-Hunkeler: </strong>Peter Schulz von Pro Libro hat mir vor längerer Zeit offeriert, den Roman &#8220;Die Gehschule&#8221; in die Reihe &#8220;Kultur in der Zentralschweiz – Literatur des 20. Jahrhunderts&#8221; aufzunehmen und wieder aufzulegen, was mich sehr gefreut hat.  Einige Zeit später suchte ich einen Verlag für &#8220;Was uns blüht&#8221; und fand bei Pro  Libro auch für diesen Roman offene Türen – in der Reihe &#8220;Literatur des 21. Jahrhunderts&#8221;. Die beiden Bücher stehen inhaltlich in keinem Zusammenhang,  meine ich, aber vielleicht finden Leserinnen und Leser etwas in diese Richtung heraus.</p>
<p><strong>Silvia Davi:</strong> In &#8220;Was uns blüht&#8221; spielen nicht nur engere Beziehungen zwischen Mensch und Tier eine grosse Rolle, sondern auch Island. Lesend lernt man das Land und seine Menschen kennen, was sehr reizvoll ist. Wie bist du zu Island gekommen? Hast du dort Freunde? Sprichst du Isländisch?</p>
<p><strong>Theres Roth-Hunkeler: </strong>Eines meiner drei Kinder hat über Jahre für Island geschwärmt und war mit 17 Jahren während des Gymnasiums für ein sogenanntes Austauschjahr dort – und kam ziemlich ernüchtert zurück! Seine Islandbegeisterung aber habe ich übernommen. Ich habe das Land bereist, abseits der Touristenpfade, habe sehr viel gelesen über die Insel, über Landschaft, Geologie und Tektonik, aber auch zahlreiche belletristische, zeitgenössische Werke, die ich nur empfehlen kann. Leider spreche ich kein Isländisch, die Sprache ist sperrig, ich habe ganz wenige Bekannte in Island, keine nahen Freunde, kenne aber mittlerweile viele Menschen, vor allem Künstlerinnen und Künstler, die mit Island verbunden sind. Und natürlich habe ich die wirtschaftspolitischen Ereignisse der letzten beiden Jahre verfolgt.</p>
<p><strong>Silvia Davi: </strong>Rauchende spielen schon in &#8220;Die Gehschule&#8221; eine gewisse Rolle, aber erst recht in &#8220;Was uns blüht&#8221;. Es ging uns ja mit den aktuellen Rauchverboten auch ein kleines zwischenmenschliches Stück Kultur verloren. Das Anbieten einer Zigarette, Feuergeben, Distanz gewinnen, im Rauch einer Zigarette sich wohlfühlen. Nichts gegen das Verbot, aber ein bisschen Nostalgie wird beim Lesen geweckt. Ist das beabsichtigt, bist du selbst Raucherin?</p>
<p><strong>Theres Roth-Hunkeler:</strong> Raucher führen oft interessante Gespräche in einem kleinen Zirkel auf dem Balkon oder draussen – das merke ich als Nichtraucherin, die während dessen das Geschirr abräumt usw.! Ich suche im Schreiben nach Verbindungen unter den Figuren, ich muss ja Verbindungen herstellen. Zusammen eine Zigarette rauchen kann so eine Verbindung oder eine erste Annäherung fördern. Rauchend erzählt man sich oft Dinge, die man sich sonst nicht sagt. Das erinnere ich aus jenen Phasen, in denen ich selbst, manchmal heftig, geraucht habe. Seit sieben Jahren ist Schluss damit – obwohl ich in meiner Familie von Rauchenden umgeben bin!</p>
<p><strong>Silvia Davi: </strong>Mir gefällt in beiden Romanen, nebst dem Inhalt, deine lebendige Sprache sehr, hie und da sprichst du durch die Protagonisten auch darüber. &#8220;Je älter man wird, desto verschrobener führt sich die Sprache auf. Macht plötzlich neue Vorschriften. Stellt präzisere Forderungen. Beuge mich.&#8221; – sagt dein Protagonist Dottore. Siehst du das auch so?</p>
<p><strong>Theres Roth-Hunkeler:</strong> Sprache entwickelt sich. Sprache gehört zu mir. Sie ist persönlich. Ich verändere mich. Ich werde älter. Und sie mit mir. Menschen, die mit Schreiben anfangen, glauben, sie hätten eine Sprache zur Verfügung, die sie beliebig formen, verbessern oder gar traktieren könnten. Vielleicht verhält es sich umgekehrt: Vielleicht formt mich die Sprache, fliesst durch mich, schleift an mir, versickert manchmal und strömt unterirdisch.</p>
<p><strong>Silvia Davi: </strong>Wie heissen deine ursprünglichen literarischen Vorbilder? Hast du heute andere, immer wieder neue?</p>
<p><strong>Theres Roth-Hunkeler:</strong> Ich habe früh Wilhelm Genazino gelesen und mit ihm intensiv korrespondiert,  als er noch fast nicht bekannt war. Die Heftigkeit von Helen Meier hat mir sehr gefallen. Die Texte von Anna Felder. Die Gedichte von Karl Krolow. Von Michael Krüger. Von Robin Fulton. Überhaupt Lyrik. Ich lese sehr viel Lyrik, auch in Übersetzungen. Eine Neuentdeckung: Dorothea Grünzweig. Denn Lesen  war mein Weg zum Schreiben. Ich lese immer, gerne auch Prosa von Autorinnen und Autoren, die eine Generation jünger sind als ich.</p>
<p><strong>Silvia Davi: </strong>Du unterrichtest an der HKB. Dein Herbst-Semesteratelier 2009/10 für literarisches Schreiben stand unter dem Titel &#8220;– Im Anfang war –&#8221;, kannst du uns darüber berichten, wie deine Studenten auf diesen interessanten Aspekt ihrer Ausbildung reagierten?</p>
<p><strong>Theres Roth-Hunkeler: </strong>Das Thema, glaube ich, hat sich bewährt. Fragen wie &#8220;Wann beginnt ein Text? Was ist vor dem Anfang? Was geschieht, bevor ein erster Satz, eine erste Zeile auf dem Bildschirm stehen?&#8221; eignen sich gut für Studierende, die sich entschlossen haben, eine Ausbildung in literarischem Schreiben zu machen. Und dann gibt es ja Tausende von Möglichkeiten, eine Erzählung, einen Roman zu beginnen. Am Anfang steht alles offen, aber schon nach den ersten Sätzen verengt sich die Anlage. Das zu verfolgen an eigenen und fremden literarischen Texten ist spannend – jedenfalls haben die Studierenden sehr viel zu diesen Themen gearbeitet.</p>
<p><strong>Silvia Davi: </strong>Nicht von ungefähr kommen in &#8220;Was uns blüht&#8221; nebst den beiden Hauptprotagonisten in mittleren Jahren auch junge Menschen zwischen 23 und 30 Jahren vor. Es wird gekocht, gewandert, gesimst, geemailt, eine Homepage gestaltet und vieles mehr. Dein ganzes Romanpersonal ist mir äusserst sympathisch, nie klischeehaft. Du lässt die drei Hauptprotagonisten in je verschiedenen Perspektiven sprechen, schreiben oder erzählen, schwenkst mitunter, für den Leser kaum bemerkbar, in die auktoriale Erzählweise über. Kam es beim Schreiben vor, dass sich deine Figuren gelegentlich verselbständigten oder hattest du immer die Kontrolle über sie?</p>
<p><strong>Theres Roth-Hunkeler: </strong>Ich bin eine assoziative Schreiberin. Ich hatte viel Material zu jeder einzelnen Figur gesammelt und jeder von ihr Handlungen und vor allem ganz bestimmte Sätze zugeordnet, z.B. Sätze für den jungen Fab oder für die mittelalte Alma. Daraus ergaben sich auch Dialoge. Das Wichtigste war mir, für jede Figur einen eigenständigen Ton zu finden. Natürlich bekamen die Figuren während des Schreibens ein Eigenleben. Literarische Figuren lassen sich so ungern kontrollieren wie reale Menschen! Im Ernst: Es gibt im Buch ja eine Frauenfigur, die Bibi heisst. Für sie hatte ich nur einen kleinen Auftritt &#8220;geplant&#8221;, aber Bibi nahm dann im wahrsten Sinne des Wortes plötzlich ziemlich viel Raum ein und bereitete mir grosses Kopfzerbrechen. Sie hat mir aber ermöglicht, die Figur des Fab vielschichtiger und schwankender zu zeigen.</p>
<p><strong>Silvia Davi: </strong>Dein Roman &#8220;Was uns blüht&#8221; hatte durchwegs gute Kritiken, deiner Lesung an den Solothurner Literaturtagen folgte ein grosses, begeistertes Publikum. An den Zentralschweizer Literaturtagen in Willisau wurde  &#8220;Was uns blüht&#8221; von der Literaturkritikerin Beatrice Eichmann-Leutenegger als &#8220;eines der vier beliebtesten Bücher der letzten Saison&#8221; vorgestellt, und es entstand mit den drei weiteren Literaturkritikern eine angeregte Diskussion. Einige hätten sich, wenn ich mich richtig erinnere, die Beziehung zwischen Alma und dem Dottore etwas intensiver gewünscht oder wären gespannt auf eine Fortsetzung des Romans. Könntest du dir das vorstellen? Oder arbeitest du bereits an einem völlig neuen Romanprojekt?</p>
<p><strong>Theres Roth-Hunkeler: </strong>Ich arbeite momentan in verschiedene Richtungen, probiere wieder Töne aus, ordne Notizen, schichte sie um, dünne sie aus – es ist fast wie Gartenarbeit! Ich weiss, etwas entsteht, kündet sich an, mehr kann ich noch gar nicht sagen dazu. Ich bin langsam und gründlich. Aber dass &#8220;Was uns blüht&#8221; weiter gehen könnte, daran habe ich noch nie gedacht. Wer weiss!</p>
<p><strong>Silvia Davi: </strong>Herzlichen Dank – Theres Roth-Hunkeler – für die Beantwortung meiner Fragen!</p>
<p>Theres Roth-Hunkeler: <a href="http://www.roth-hunkeler.ch" target="_blank">www.roth-hunkeler.ch</a></p>
<p>Copyright Bild: Theres Roth-Hunkeler<br />
Datum: 31. Mai 2010</p>
<p>Interview: Silvia Davi  <a href="http://www.silviadavi.ch" target="_blank">www.silviadavi.ch</a></p>
<p>Bitte Urheberrechte beachten: Verlinken erlaubt, kopieren verboten</p>
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		<title>Trudy Müller-Bosshard, Kreuzworträtsel-Autorin</title>
		<link>http://www.textin.ch/kreuzwortratsel-autorin/</link>
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		<pubDate>Sat, 13 Mar 2010 15:47:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Martina Kammermann</dc:creator>
				<category><![CDATA[Autor/innen Schweiz]]></category>
		<category><![CDATA[Interviews & Porträts]]></category>
		<category><![CDATA[Interview]]></category>
		<category><![CDATA[Kreuzworträtsel-Autorin]]></category>
		<category><![CDATA[Trudy Müller-Bosshard]]></category>

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		<description><![CDATA[Interview. &#8220;Wie macht sie das bloss?&#8221;, fragen sich die Leser – oder müsste man sagen Löser? – von Trudy Müller-Bosshards Kreuzworträtseln jeweils, wenn sie nach stundenlangem Brüten endlich das Lösungswort gefunden haben. Ihre Rätsel, die seit 1993 im Magazin des Tages-Anzeigers erscheinen, sind nämlich keineswegs konventionell. Was ist etwa &#8220;Bei unsereins begehrt – was der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong><em>Interview. </em>&#8220;Wie macht sie das bloss?&#8221;, fragen sich die Leser – oder müsste man sagen Löser? <span id="more-213"></span>– von Trudy Müller-Bosshards Kreuzworträtseln jeweils, wenn sie nach stundenlangem Brüten endlich das Lösungswort gefunden haben. Ihre Rätsel, die seit 1993 im Magazin des Tages-Anzeigers erscheinen, sind nämlich keineswegs konventionell. Was ist etwa &#8220;Bei unsereins begehrt – was der Brite nicht versteht&#8221;*? Trudy Müllers Fingerzeige hinterfragen den gewohnten Sprachgebrauch und lassen sich nur mit querem Denken durchschauen. Ein klassischer Tipp wie &#8220;engl. Ratte&#8221; wirkt neben ihrer Wortakrobatik gar fad und es überrascht nicht, dass diese ihre Anhänger gefunden hat. Im Gespräch mit textín beschreibt die bekannteste Rätselschreiberin der Schweiz zur Abwechslung ihre eigene Arbeit. </strong></p>
<p><strong>textín: </strong>Frau Müller, trotz Ihrer grossen Fangemeinde sind Sie in den Medien kaum anzutreffen. Ziehen Sie sich bewusst zurück?</p>
<p><strong>Trudy Müller-Bosshard: </strong>Es stimmt schon, dass Interviews nicht gerade meine Lieblingsbeschäftigung sind. Ich bin überhaupt keine Rampensau, und wenn ich mal ins Fernsehen muss, leide ich davor tausend Tode.</p>
<p><strong>textín: </strong>Ihre Rätsel bringen die Gehirne Ihrer Leser jeweils auf Hochtouren. Da muss hinter der Verfasserin ein wahres Bollwerk an Wissen stecken?</p>
<p><strong>Trudy Müller-Bosshard: </strong>Ich verstehe manchmal nicht, dass die Leute meinen, ich hätte dreifach doktoriert. Besonders gut kenne ich mich zum Beispiel in der Rockmusik aus, doch ansonsten habe ich einen ganz normalen Bildungsrucksack. Es gibt schlicht keinen Grund, in Ehrfurcht zu erstarren. Ich habe ja nicht einmal studiert, und ich glaube, dass genau das mein Vorteil ist. Wenn ich in jedem Gebiet ein Crack wäre, würde ich die Leser überfordern und könnte keine Rätsel mehr schreiben.</p>
<p><strong>textín: </strong>Ein umfassendes Allgemeinwissen ist für Ihren Beruf doch aber Voraussetzung.</p>
<p><strong>Trudy Müller-Bosshard: </strong>Natürlich muss ich mich immer wieder in Gebiete einarbeiten, selbst wenn sie mich nicht brennend interessieren. Ein Rätsel entwickelt immer eine gewisse Eigendynamik, und oft stosse ich auf mir ganz fremde Themen. Ins aktuelle Rätsel ist beispielsweise der Begriff &#8220;Triade&#8221; eingegangen, eine Bezeichnung für die chinesische Mafia. Da kannte ich mich im Detail nicht aus, aber jetzt interessiert es mich und ich lese viel darüber. Das muss ich auch, weil am Schluss alles stimmen muss. Erst wenn ich das Ganze verstehe, kann ich es mit einem einfachen Lösungswort verknüpfen, das auch der Leser herausfinden kann. Denn der hat ja nichts darüber gelesen.</p>
<p><strong>textín: </strong>Wie reagieren Ihre Löser denn auf Ihre Rätsel? Bekommen Sie viele Rückmeldungen?</p>
<p><strong>Trudy Müller-Bosshard: </strong>Ich erhalte häufig Mails. Manchmal stört es mich aber, dass ich nur auf die Rätsel reduziert werde. Ich hasse es zum Beispiel, wenn ich irgendwo eingeladen bin und die Leute dann meinen, sie müssten mit mir über Rätsel reden. Am schlimmsten finde ich diejenigen, die sagen: &#8220;Ja ich hab&#8217;s versucht zu lösen, war aber zu dumm dafür.&#8221; Das ist meine Arbeit, und am liebsten hätte ich, wenn mich überhaupt niemand darauf ansprechen würde. Wenn Leute das dann trotzdem tun und eine gewisse Grenze überschreiten, kann ich sehr rüde werden. Ich bin schliesslich auch noch eine andere Person und möchte mich nicht als jemandes &#8220;Trudy&#8221; vereinnahmen lassen.</p>
<p><strong>textín: </strong>Von Ihren treusten Fans werden Ihre Rätsel seit 2006 jeden Samstag auf einem Blog diskutiert.</p>
<p><strong>Trudy Müller-Bosshard: </strong>Ich kenne den Blog, aber ich würde mich da niemals einloggen und mir ansehen, was die Leute für ein Problem mit mir haben.</p>
<p><strong>textín: </strong>Warum nicht?</p>
<p><strong>Trudy Müller-Bosshard: </strong>Das ist reiner Selbstschutz, denn die Schwierigkeiten der Leser würden automatisch meine Schere im Kopf aktivieren. Plötzlich müsste ich während der Arbeit denken: &#8220;Uh, verstehen sie diese Formulierung, oder muss ich ihnen mehr helfen?&#8221; Ein Beispiel ist der unlängst verstorbene Nationalrat Ernst Mühlemann, auch ein regelmässiger Löser. Wir kannten uns und trafen uns jeweils etwa vier Mal pro Jahr zum Mittagessen. Er wusste viel über Fussball, aber von Rockmusik oder Film hatte er keine Ahnung. Leicht vorwurfsvoll erzählte er mir jeweils, dieses und jenes hätte er nicht rausfinden können. So wurde er buchstäblich meine Schere im Kopf. Machte ich etwas zum Thema Punk, dachte ich immer, der Ernst weiss es wieder nicht. Gebracht hab ich es trotzdem, aber die Bremsprozesse setzen schon während des Schreibens an, ohne dass man es wahrnimmt. Ich bin deshalb froh um jeden Rätsler, den ich nicht kenne.</p>
<p><strong>textín: </strong>Nun mal grundsätzlich: Ist Rätselschreiben überhaupt Schreiben?</p>
<p><strong>Trudy Müller-Bosshard: </strong>Es ist ein extrem reduziertes Schreiben, weil ich ja keinen Lauftext vor mir habe. Ich habe eine Platzvorgabe, die fast nichts zulässt, und so muss ich meinen Gedankengang auf das absolute Minimum runterformulieren. Ein fliessendes Schreiben ist es also überhaupt nicht, aber es hat viel mit der Freude an der Sprache und dem Formulieren zu tun. Die Recherche ist aber die gleiche wie beim Verfassen eines Zeitungsartikels, denn all meine Aussagen müssen Hand und Fuss haben.</p>
<p><strong>textín: </strong>Wie muss man sich das vorstellen, ein Rätsel zu schreiben?</p>
<p><strong>Trudy Müller-Bosshard: </strong>Zunächst arbeite ich von links oben nach rechts unten. Am Anfang habe ich jeweils eine Liste von Wunsch-Wörtern. Es sind Begriffe mit grossem Assoziationsreichtum oder solche, über die ich leicht mehr herausfinden kann. Dann beginne ich gedanklich zu spielen und notiere, was mir gerade in den Sinn kommt. Wenn das jemand lesen würde, würde er sagen: &#8220;Die Frau hat eine Meise.&#8221; Irgendwann macht es &#8220;Klick&#8221; und ich kann einhaken. Das Rätsel bekommt dann schnell eine Eigendynamik, die mich immer weiter führt. Wenn ich rechts unten ankomme, passt oft nichts mehr rein, höchstens noch so ein griechischer Gott – die sind relativ vokalreich – oder ein obskurer Fluss. Bei solch unbekannten Wörtern muss ich meine Hinweise dann so formulieren, dass der Leser dennoch die Chance hat, das Wort rauszufinden.</p>
<p><strong>textín: </strong>Um diese Chance zu erhöhen, geben Sie den Lesern in Ihrem Buch &#8220;Kreuzworträtsel 3&#8243; Tipps, wie man auf die Lösungen kommen kann. Haben Sie auch ganz bestimmte Tricks zur Herstellung von Rätselsätzen?</p>
<p><strong>Trudy Müller-Bosshard: </strong>Nein, es kommt nur darauf an, was man im Oberstübchen hat. Die Verknüpfung wird im Denkapparat geboren. Sonst passiert einfach nichts. In dem Sinn habe ich keine Strategie. Ich hoffe einfach immer auf den &#8220;lucky punch&#8221;, also dass ich an irgendetwas hängen bleibe, das sich auch gut mit Redensarten verknüpfen lässt. Damit kann man den Leser nämlich auf eine falsche Fährte führen. Das ist der Trick dabei; der Rätsler folgt den gewohnten Denkmustern, wenn er aber genau hinsehen würde, geht es gerade in die andere Richtung.</p>
<p><strong>textín: </strong>Nehmen Sie keine Software zu Hilfe?</p>
<p><strong>Trudy Müller-Bosshard: </strong>Nein. Oder ja gut, im Internet gibt es eine ganz einfache Kreuzworträtsel-Software, dort finde ich dann notfalls den tschechischen Fluss, wenn ich ganz rechts unten bin. Aber grundsätzlich möchte ich, dass es &#8220;handgestrickt&#8221; ist. Es wäre ja furchtbar langweilig, wenn ich nach drei Wörtern einfach auf eine &#8220;Complete&#8221;-Taste drücken würde.</p>
<p><strong>textín: </strong>Dann ist Ihnen das Rätseln also noch nicht langweilig geworden?</p>
<p><strong>Trudy Müller-Bosshard: </strong>Klar gibt es Wochen, in denen ich mehr kämpfe, aber das ist ja überall so. Was mir manchmal fehlt, ist mein früherer Beruf. Ich würde gerne wieder einmal eine Reportage machen, aber dafür habe ich einfach keine Zeit. Für ein Rätsel brauche ich genau eine Woche, es ist also ein Fulltime-Job.</p>
<p><strong>textín: </strong>Was machen Sie, wenn Ihnen mal nichts einfällt?</p>
<p><strong>Trudy Müller-Bosshard: </strong>Was ich mit dem Alter über Schreibstaus lernte, ist, sie halt &#8220;gopfer…&#8221; zuzulassen. Es bringt nichts, sich vor dem Bildschirm abzuquälen. Ich spiele dann meistens eine Runde Snooker, denn da kann ich an nichts anderes denken. Ist das Oberstübchen gelüftet, kann es wieder weiter gehen.</p>
<p>*Rat (engl. Ratte)</p>
<p><em><strong>Trudy Müller-Bosshard </strong>machte nach ihrer Handelsmatura den direkten Sprung in den Journalismus und erlernte diesen &#8220;by doing&#8221;. Zwölf Jahre war die Aargauerin als Rockjournalistin beim Jugendmagazin Pop tätig, bis sie Mitte der 80er-Jahre Mitbegründerin der Zeitgeist-Zeitschrift Magma wurde. Als sie nach deren Einstellung den Posten der Chefredakteurin des Aha, einer Satire- und Spielzeitschrift übernahm, fehlte dem Heft noch ein &#8220;anständiges&#8221; Rätsel; und da Trudy Müller niemand Geeigneten finden konnte, machte sie sich gleich selbst ans Werk. Seit 1993 erscheinen ihre Rätsel im Magazin des Tages-Anzeigers und sie hat drei Rätselsammlungen publiziert.</em></p>
<p><strong>Interview: Martina Kammermann</strong></p>
<p></p>
<p></p>
<p>Datum: 13.03.2010 (textin Oktober 2009)<br />
Text: Martina Kammermann<br />
Bild: Martina Kammermann<br />
Bitte Urheberrechte beachten: Verlinken erlaubt, Kopieren verboten.</p>
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		<title>Im Urlaub mit Gregorius</title>
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		<pubDate>Mon, 01 Mar 2010 19:30:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Martina Kammermann</dc:creator>
				<category><![CDATA[Interviews & Porträts]]></category>
		<category><![CDATA[Läbe im Usland, Reise]]></category>
		<category><![CDATA[Nachtzug nach Lissabon]]></category>

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		<description><![CDATA[Oder: Nachtzug nach Lissabon. Als ich mich entschloss, meinen Urlaub an der Westküste Portugals zu verbringen, sah ich mich bereits Berge von Fisch vertilgen, Portwein aus kühlen Kellern schlürfen und mich im ewigen Wind des Atlantiks zerstreuen. Tatsächlich; während meiner Reise von Nord nach Süd fehlte es mir an keiner dieser Freuden, und so liess [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Oder: Nachtzug nach Lissabon. Als ich mich entschloss, meinen Urlaub an der Westküste Portugals zu verbringen, sah ich mich bereits Berge von Fisch vertilgen, Portwein <span id="more-115"></span>aus kühlen Kellern schlürfen und mich im ewigen Wind des Atlantiks zerstreuen. Tatsächlich; während meiner Reise von Nord nach Süd fehlte es mir an keiner dieser Freuden, und so liess ich die Heimat für eine Weile getrost hinter mir. Eine Station auf der Route – ich reiste im Zug – war natürlich die Hauptstadt Lissabon. Und woran die Schweizer Leserin nun denkt, ist absehbar: Nachtzug nach Lissabon.</p>
<p>Nicht nur im deutschen Sprachraum ist dieses Buch von Pascal Mercier ein Grosserfolg. In mehrere Sprachen übersetzt, wird der Roman heute in 28 Ländern verkauft. Tausende von Lesern liessen sich vom Berner Altphilologen Raimund Gregorius – dem Protagonisten der Geschichte – auf eine Reise nach Lissabon entführen, um das Rätsel um ein geheimnisvolles portugiesisches Buch zu lüften. Begleitet werden sie dabei von vielerlei philosophischen Fragen zum Leben und sich selbst.</p>
<p><em>„Gibt es ein Geheimnis unter der Oberfläche menschlichen Tuns? Oder sind die Menschen ganz und gar so, wie ihre Handlungen, die offen zutage liegen, es anzeigen?&#8221;</em></p>
<p>Der Schweizer Autor, welcher in seinem nicht-literarischen Leben Peter Bieri heisst, in Berlin lebt und dort bis vor seinem Zerwürfnis mit dem Universitätssystem Philosophie lehrte, hat ein Buch geschrieben, welches die Massen zum Träumen bringt. Und da ich mich nun schon mal in der Stadt dieses literarischen Abenteuers befand, machte ich mich auf, sie im Hinblick darauf etwas genauer zu erkunden. Wie Gregorius wusste ich anfangs selbst nicht genau, was ich eigentlich suchte oder zu finden hoffte.</p>
<p><em>„Der Glanz des Morgens machte alles Vergangene zu etwas sehr Entferntem, beinahe Unwirklichem, der Wille verlor unter seiner Leuchtkraft jeden Schatten des Gewesenen, und die einzige Möglichkeit, die man hatte, war, in die Zukunft aufzubrechen, worin sie auch bestehen mochte.&#8221; </em></p>
<p>Lisboa. Die Stadt des Lichts, die Stadt der Seefahrer, die Stadt des Tejos, die Stadt der Buchhandlungen. Sie hat viele Namen, diese Stadt, und ebenso viele Gründe gibt es, sie zu besuchen. Wie alle Touristen besuche ich als Erstes die Baixa, das zentrale Shopping-Quartier mit seinen unzähligen Cafés, Souvenirshops und Sehenswürdigkeiten. Dort kaufe ich mir hübsche Sachen, von einem geheimnisvollen Zauber verspüre ich zunächst aber noch nichts. Vielmehr wird mir an jeder Ecke Haschisch angeboten, welches ich mit einem konzentrierten Blick auf den mosaikartigen, mit kleinen schwarzen und weissen Steinen gepflasterten Boden diskret ablehne. Nun verstehe ich zumindest, warum wir in der Schweiz bevorzugt portugiesische Strassenarbeiter haben; sie verstehen ganz einfach ihr Handwerk.</p>
<p>Mit dem Buch hat das allerdings noch nichts zu tun. Erst die Heimfahrt im Tram erinnert mich an Gregorius, bei welchem die hundert Jahre alte Strassenbahn einen Rausch von Kindheitserinnerungen auslöst. Mich selbst berauscht eher deren Geschwindigkeit. Hopp geht’s durch enge Gassen, es ruckelt und wackelt und schaukelt. Die Fenster haben keine Scheiben, und meine blonden Strähnen beginnen im Wind zu spielen, als das Tram entlang des Tejo seine Fahrt nochmals beschleunigt.</p>
<p><em>„Auf dem Tejo spiegelten sich die Wolken. In rasendem Tempo jagten sie hinter den sonnenglitzernden Flächen her, glitten darüber, verschluckten das Licht und liessen es statt dessen an anderer Stelle mit stechendem Glanz aus dem Schattendunkel hervorbrechen.&#8221; </em></p>
<p>Dunkel glänzt der Fluss. Und während Gregorius Heimweh nach dem Berner Bubenbergplatz hat, beginne ich plötzlich die Aare zu vermissen, ihr Knistern, das Mich-Treiben-Lassen in ihrem grünen Glitzern. Treiben lassen könnte man sich im Tejo nämlich nicht. Zu stark ist die Verschmutzung, welche er aus dem Festland ins offene Meer transportiert.</p>
<p>Português. Ist in Merciers Buch das Zauberwort, der Auslöser für Gregorius` Reise und die Wende seines Lebens. Der runde Klang des Portugiesischen ist ein Leitmotiv der Geschichte; da diese Sprache aber ebenso unverständlich wie ästhetisch ist, muss selbst der Protagonist, ein Sprachgenie, vor ihr kapitulieren.</p>
<p><em> „In der nächsten halben Stunde versuchte Gregorius mühsam, sich in den meist unverständlichen Worten und vieldeutigen Gesten der beiden Menschen zurechtzufinden.&#8221;</em></p>
<p>Mir sollte es nicht anders ergehen. Einmal fragte ich einen älteren Mann mit braunledriger Haut nach dem Weg zum Bahnhof Santa Apolonia. „Ah, SchntaPonia!&#8221;, ruft er und erklärt mir in einem Schwall von singenden Sch-Lauten den Weg. Da ich ihn daraufhin nur verständnislos anglotze, winkt er seinen grauhaarigen Kumpel, welcher nebenan mit dem Kioskverkäufer schwatzt, heran und erklärt ihm die Situation. Nun prasseln sie zu zweit – als ob Portugiesisch durch die Quantität und Lautstärke der Worte einfacher zu verstehen wäre – auf mich ein, und obwohl ich noch immer kein Wort verstehe, begleite ich ihren Chor mit einer Reihe von universalen Ah-Lauten und schaue immerzu nickend in ihre meerblauen Augen. Denn irgendwie – Ist es nun dieser Zauber oder nur die Gestik? – verstehe ich das Lied dann eben doch. „Obrigada!&#8221;, dankte ich mit dem einzigen portugiesischen Wort, das ich aussprechen kann, und ging zum Bahnhof.</p>
<p>Comboio nocturno para Lisboa. Ja, das Buch ist 2008 auch ins Portugiesische übersetzt worden und ich fragte mich, ob die Portugiesen dieses Buch, welches unter anderem eine Liebeserklärung an ihr Land und ein Hinweis auf ihre Geschichte und Literatur ist, überhaupt lesen. In verschiedenen Buchhandlungen – von denen es in Lissabon unglaublich viele gibt, kleine, grosse, alte, neue, berühmte, versteckte, chaotische, geordnete, wie gesagt, unglaublich viele –  erkundigte ich mich nach der portugiesischen Ausgabe. „Yes we have it in Portugese or in English&#8221;, heisst es bei den grösseren Häusern. Und ja, das Buch werde oft verkauft und sei auch in Portugal bekannt. Bravo Pascal! Mit seiner Geschichte hat er offensichtlich auch im Gastland nicht daneben gegriffen.</p>
<p>Etwas ausführlicher spreche ich darüber mit João Pimentel. Er ist Geschichtslehrer und betreibt daneben gemeinsam mit seiner Frau eine Buchhandlung, welche auf Bücher aus und über Portugal spezialisiert ist. Auf den kleinen Laden stosse ich per Zufall, als ich gerade ziellos durch die Gassen streune. Als ich ihn betrete, sitzt João breit hinter seinem Schreibtisch und strahlt eine Allerweltsruhe aus, welche den ganzen Raum erfüllt. Er hat Merciers Buch gelesen, und auf meine Frage, ob das denn für ihn als gebürtigen Lissabonner nicht merkwürdig gewesen sei, meint er, das sei kein Problem. Natürlich bemerke er, wenn Gebäude oder Strassen nicht existierten, aber das sei bei erfundenen Geschichten ja klar. Über den Rand seiner randlosen Brille fixiert er mich nun mit seinen dunklen, intelligenten Augen und beginnt zu grinsen. „Yes, it’s a good book with good questions and minds, but …&#8221;, jetzt zieht er die Augenbrauen hoch, „it’s light literature.&#8221; Im Buch wimmle es von Genies und glücklichen Zufällen, das wirke auf ihn sehr konstruiert.</p>
<p>Historia. Was João jedoch mehr stört, sind – oh Wunder – geschichtliche Details. So etwa die Beschreibung des Widerstands unter der Herrschaft des Diktators António de Oliveira Salazar. Das Volk sei nicht mehrheitlich, wie im Buch angetönt,  „gegen&#8221; die faschistische Diktatur gewesen. Während den 44 (!) Jahren Diktatur seien viele Leute sozusagen als Faschisten geboren worden und kannten nichts anderes; die restistência sei nicht omnipräsent gewesen, sondern habe hoch geheim gearbeitet. Dies ist seiner Meinung nach zuwenig berücksichtigt worden. Weiter sei die Armut auch so gross gewesen, dass für viele Menschen kein Raum für ideologische Fragen blieb.</p>
<p>Es ist beeindruckend, von João eine Art Privatlektion in portugiesischer Geschichte zu erhalten. Er erzählt mir von Bekannten, die in politischer Gefangenschaft waren, er erzählt mir vom grossen Erdbeben, vom ehemaligen Gold-Imperium und dessen Zusammenbruch, von den Beziehungen zu England bis zurück zum Gewürzhandel. Ich versinke in farbigen fremden Welten. Ein wahrer Geschichtslehrer. Aber auch ein Kenner der portugiesischen Literatur, und deswegen ist sein Buchtipp am Ende dieses Artikels aufgeführt.</p>
<p>Livraria. Mit diesen Eindrücken im Gepäck ging ich zurück nach Bern. Und hier besuche ich zum Schluss meiner Spurensuche auch den Ausgangspunkt der Geschichte, die spanische Buchhandlung am Hirschengraben. In dem über und über mit Büchern beladenen Raum erwartet mich ein geducktes graues Männlein. Ist es derselbe, welchen Mercier als älteren Mann „mit einer legendären Kenntnis der romanischen Sprachen&#8221; beschreibt? Nein, er sei Spanier, meint der Buchhändler auf Berndeutsch, Portugiesisch könne er nur lesen. So hat es abgesehen von ein paar spanischen und wenigen portugiesischen Büchern vor allem deutschsprachige Literatur. Schweizer, die auf der Suche nach geheimnisvollen portugiesischen Büchern sind, sind wohl doch recht selten. Besuche wie der meine hingegen gar nicht. Ja, es kämen immer wieder Leute wegen Merciers Buch vorbei, gerade gestern sei jemand da gewesen, erzählt der Alte. Er lächelt, besonders zu interessieren scheint es ihn aber nicht.</p>
<p><strong>Buchtipps von João Pimentel:</strong></p>
<ul>
<li>- Buch der Chroniken. Von António Lobo Antunes. Für alle, die von Lissabon noch nicht genug haben.</li>
<li>- Das Buch der Unruhe des Hilfsbuchhalters Bernardo Soares. Von Fernando Pessoa. Wird von vielen Kritikern als Vorlage für „Nachtzug nach Lissabon&#8221; gehandelt.</li>
</ul>
<p>Datum: 1. März 2010 (textín Oktober 2009)<br />
Text und Bilder: Martina Kammermann<br />
Bitte Urheberrechte beachten: Verlinken erlaubt, Kopieren verboten.</p>
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		<title>KEUCHEN, SCHREIEN, FLÜSTERN</title>
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		<pubDate>Mon, 01 Mar 2010 08:12:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Martina Kammermann</dc:creator>
				<category><![CDATA[Interviews & Porträts]]></category>
		<category><![CDATA[Lyrik]]></category>
		<category><![CDATA[Slam Poetry]]></category>

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		<description><![CDATA[Der Kaiser unter den Hofdichtern: Ein Porträt Berlin – Linz – Innsbruck – Aarau – Bühler – Burgdorf – St. Gallen – Thun – Darmstadt – Brunnen – Berlin – Basel – Winterthur – Berlin … Wirft man einen Blick auf Renato Kaisers Terminkalender, kann man in Sachen Geografie des deutschen Sprachraums einiges dazulernen. Seit [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der Kaiser unter den Hofdichtern: Ein Porträt<br />
Berlin – Linz – Innsbruck – Aarau – Bühler – Burgdorf – St. Gallen<span id="more-65"></span> – Thun – Darmstadt – Brunnen – Berlin – Basel – Winterthur – Berlin … Wirft man einen Blick auf Renato Kaisers Terminkalender, kann man in Sachen Geografie des deutschen Sprachraums einiges dazulernen. Seit fünf Jahren tourt der gebürtige Goldacher (SG) durch die Schweiz, Deutschland und Österreich und erobert mit seinen Texten landauf und landab die Ohren des Publikums, beziehungsweise dessen Applaus. Genau diesen braucht es nämlich, um einen Poetry Slam zu gewinnen. Literatur wird hier nicht mit Wasserglas diskutiert, sondern vom gekurzweilten Publikum bejubelt und seltener auch ausgebuht. Texte werden nicht &#8220;nur&#8221; gelesen, sondern performt: Es wird geschrien, gekeucht und geflüstert. Und das kann Renato Kaiser ziemlich gut.</p>
<p><strong>Die Erfolgsstory</strong></p>
<p>Seinen ersten Slam-Sieg feierte der Geschichtsstudent nach nur einem halben Jahr Einsteiger-Dasein im November 2005 mit dem Text &#8220;Ich will einmal &#8216;nen Slam gewinnen&#8221;. Und erbeutete sich damit seinen ersten Slam-Pokal, eine Whiskey-Flasche. 2007 gewann er den internationalen Slam in Bozen und war im selben Jahr mit den meisten Siegen der erfolgreichste Slam-Poet der Schweiz. Seither hat sich der 23-Jährige mit seinem geschliffenen Mundwerk zu einem der bekanntesten deutschsprachigen Poetry Slammer gedichtet. Und man könnte meinen, dass er sich tatsächlich schon vom Dichten &#8220;ernährt&#8221;: Über sechzig Flaschen des goldbraunen Gebräus konnte er mittlerweile nach Hause tragen. Gegen diese Interpretation protestiert er jedoch und betont, dass er seine Pokale oft auch verschenkt. &#8220;Solange es kein &#8216;Oban&#8217; ist – mein Lieblingswhiskey&#8221;, fügt er mit verschmitztem Grinsen an. Aber um diesen soll es hier nicht gehen, wo die Dichtkunst doch im Zentrum jedes Slams steht.</p>
<p>Renato Kaisers Texte handeln von fatalen Niederlagen und perfekten Wellen, von Weltverbesserern und -verschlechterern, vom versoffenen Goethe und postpostpost-modernen Worten. Sie fragen, was Jesus tun würde, wenn er begnadigt würde, was die Liebe ist und nicht ist, und was Welterschaffer Jochen mit all dem zu tun hat. Wenn Renato Kaiser den Mund aufmacht, erwartet einen ein Feuerwerk von quirligen Wortspielen, gekonnten Reimen, witzigen Pointen, philosophischem Scharf- und manchmal auch Blödsinn. Wie er auf seine Ideen kommt, kann er nicht sagen: &#8220;Die Ideen kommen einfach; der schwierigere Teil ist dann deren Ausarbeitung.&#8221; Manchmal dauert das nur eine Nacht, es kommt aber auch vor, dass der Ostschweizer zwei Monate an einem Text feilt, bis er wirklich zufrieden ist. Die Feuerprobe eines Textes sei aber jeweils sein Vortrag vor dem Publikum; an dessen Reaktionen merke er am besten, wenn etwas noch nicht passe.</p>
<p><strong>Das Geheimrezept</strong></p>
<p>Was braucht denn aber ein Text genau, um damit einen Slam zu gewinnen? Ein guter Slam-Text zeichnet sich für Renato Kaiser in erster Linie durch seine Originalität aus. Gerade weil den Dichtern beim Poetry Slam keinerlei Grenzen gesetzt sind, freut er sich immer besonders über innovative Texte, welche das Publikum zu überraschen vermögen. &#8220;Mir gefällt es, wenn ein Dichter die Grenzen dessen, was auf der Bühne möglich ist, neu auslotet und auch mich als erfahrenen Slammer mit etwas völlig Neuem konfrontiert.&#8221; Das Publikum bevorzuge im Allgemeinen weniger die experimentellen Vorträge, sondern eher Texte, welche gewohnte Themen behandeln. Das sei aber keineswegs ein Vorwurf: &#8220;Egal, ob ein Text lustig oder ernst, ungewöhnlich oder ein wenig &#8216;mainstreamig&#8217; ist, das Publikum goutiert die guten Vorträge und verteilt den schlechteren auch die entsprechenden Noten.&#8221;</p>
<p>Mit dem guten Text allein ist der Slam aber noch nicht gemacht. Die Performance eines Textes ist mindestens so wichtig wie seine inhaltliche Qualität, und das Entscheidende an der Performance ist laut Kaiser, dass sie zum Text passt und mit ihm eine Einheit bildet. So sollte es nicht passieren, dass ein eigentlich trauriger Text durch den Vortrag ungewollt komische Züge bekommt, und umgekehrt bei einem witzig gemeinten Text die Pointen in ihrer weinerlichen Darstellung versiegen. Die Art des Vortrags soll den Inhalt des Textes widerspiegeln und das Publikum so in die richtige Stimmung versetzen.</p>
<p>Bei einem ernsten Text sei das ein bisschen schwieriger, oder um es mit den Worten Kaisers zu sagen: Es braucht ein wenig &#8220;mehr Eier&#8221;. Witzige Texte seien deshalb keineswegs trivialer; das Dankbare am pointenreichen Text sei nur, dass der Slammer durch Lachen und Kichern eine unmittelbare Reaktion vom Publikum erhalte und so auch angespornt werde. Bei einem traurigen Text kommt das Feedback erst ganz am Schluss. So oder so lautet aber das Erfolgsrezept eines Slam-Vortrags, die Zuhörer soweit zu fesseln, dass diese gar nicht mehr realisieren, wie lau das Getränk in ihrer Hand inzwischen ist.</p>
<p><strong>Der Tipp</strong></p>
<p>Kein Zweifel, dass diese Kunst geübt sein will. Renato Kaiser investiert als erfahrener Slammer jeweils etwa zwei Nachmittage für das Auswendiglernen und die Einübung eines Auftritts. Die Lautstärke, die Pausen, die Mimik und Gestik müssen passen. Manchmal besucht Renato Kaiser auch Workshops, aber das meiste lerne er auf der Bühne. &#8220;Um einen Text auf der Bühne glaubwürdig zu verkörpern, braucht es schon diese &#8216;Rampensau&#8217; in einem, die den Leuten gerne etwas vorzeigen will.&#8221; Und ob man wirklich gerne auf der Bühne stehe, merke man eben am besten, wenn man darauf stehe. Deswegen rät er allen, die sich überlegen, auch mal einen Text vorzutragen: Ausprobieren. Keine Angst haben. &#8220;Man kann dabei nichts verlieren, nicht einmal wenn der Auftritt in die Hose geht. Die Freude daran ist das Wichtigste.&#8221;</p>
<p>Die hat Renato Kaiser und ist deswegen auch bereit, einen grossen Teil seiner Zeit in Schnellzügen zu verbringen. Momentan lebt er mit seiner Freundin in Fribourg, wo er auch studiert. &#8220;Bei zwei bis drei Auftritten die Woche muss die Uni schon mal zurückstehen oder das Referat eben unterwegs geschrieben werden.&#8221; Sein Geschichts- und Germanistikstudium möchte er aber trotz seines Ziels, zukünftig vom Schreiben zu leben, auf jeden Fall abschliessen. Und ein Blick auf die Uhr der Uni-Cafeteria zeigt, dass Renato bereits wieder weiter muss. Wohin? Ins Boxen. Schlagfertig scheint also nicht nur sein Mundwerk zu sein.</p>
<p>Für jene, die von dieser inzwischen salonfähigen Form des Gedichtvortrags noch nichts gehört haben, sei hier kurz erklärt: Bei einem Poetry Slam treten mehrere Dichter mit ihren Texten an und werden dann vom Publikum mit Zahlentafeln (ja, so wie bei &#8216;MusicStar&#8217;) oder eben in Form von Applaus bewertet. Wer im Finale die meisten Dezibel schafft, hat gewonnen.</p>
<p><strong>Martina Kammermann</strong> ist Germanistikstudentin und Journalistin. Ab und zu ist sie an Poetry Slams anzutreffen, allerdings nur als Bejublerin.</p>
<p>textín Juni 2009</p>
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		<title>Auf- oder abtreten</title>
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		<pubDate>Mon, 01 Mar 2010 07:40:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Fatima Vidal</dc:creator>
				<category><![CDATA[Fachbuch Text/Konzept_Markom]]></category>
		<category><![CDATA[Interviews & Porträts]]></category>
		<category><![CDATA[Marketing & Kommunikation]]></category>
		<category><![CDATA[auf- oder abtreten]]></category>
		<category><![CDATA[Hans-Peter Rest]]></category>
		<category><![CDATA[Marketing]]></category>

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		<description><![CDATA[Interview mit Hans-Peter Rest zum Buch &#8220;Als Firma auf- oder abtreten&#8221; – Wie Texterinnen und Texter erfolgreich auf dem Markt auftreten können. &#8220;Kommen Sie auf den Punkt – mit aussagekräftigen Texten, eigenständigem Profil und (selbst)bewusster Kommunikation!&#8221; Wer heute wahrgenommen werden will, muss mit der Rassel klappern. Viele KMUs oder Einfrau- und Einmannbetriebe haben keine Zeit [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Interview mit Hans-Peter Rest zum Buch &#8220;Als Firma auf- oder abtreten&#8221; –<br />
Wie Texterinnen und Texter erfolgreich auf dem Markt auftreten können.<span id="more-63"></span><img title="Weiterlesen..." src="http://www.textin.ch/wp-includes/js/tinymce/plugins/wordpress/img/trans.gif" alt="" /></p>
<p>&#8220;Kommen Sie auf den Punkt – mit aussagekräftigen Texten, eigenständigem Profil und (selbst)bewusster Kommunikation!&#8221;</p>
<p>Wer heute wahrgenommen werden will, muss mit der Rassel klappern. Viele KMUs oder Einfrau- und Einmannbetriebe haben keine Zeit fürs Marketing. Ihnen fehlt das Wissen oder das nötige Geld für Beratung. Hans-Peter Rest, Leiter Unternehmenskommunikation der Graubündner Kantonalbank, bietet mit seinem Buch &#8220;Als Firma auf- oder abtreten&#8221; einen kurzweiligen und verständlichen Praxisleitfaden. textín hat ihn interviewt.</p>
<p><strong><em>textín:</em></strong><em> Vielen Dank, Hans-Peter Rest, dass Sie ihr Wissen mit uns teilen. Zur ersten Frage: Firmenpublikationen wie zum Beispiel Broschüren und Flyer oder der Internetauftritt sind wichtig, um in der Öffentlichkeit wahrgenommen zu werden. Zwei Drittel der Firmen, die Sie befragt haben, sind unzufrieden mit den eigenen Publikationen. Wie kommt das?</em></p>
<p><strong>Hans-Peter Rest:</strong> Meistens wird im Akquisitionsversuch von Neukundschaft deutlich, wie wenig profilierend der eigene Auftritt ist. Auch viele Textprofis machen diese Erfahrung. Spätestens bei der Frage &#8220;Und weshalb soll ich gerade Sie mit diesem Auftrag beschäftigen?&#8221; fehlen schlicht die Argumente, die für die eigene Leistung sprechen. Das frustriert oft gleich doppelt, denn weder die Formulierung der Konkurrenzvorteile geschweige denn deren Erarbeitung fällt leicht. Es fehlt an Technik. Das Ergebnis: fantasielose, austauschbare und deshalb unbefriedigende Flyer, Broschüren und auch Webauftritte. Mein Praxisleitfaden gibt hier Gegensteuer und hilft auf einfache Weise, sich profilierend darzustellen.</p>
<p><strong><em>textín</em></strong><em>: Gelten diese Regeln auch für Schriftsteller und freischaffende Texterinnen?</em></p>
<p><strong>Hans-Peter Rest:</strong> Ja, gerade wenn ein Schriftsteller über einen eigenen, besonderen Stil  verfügt, lohnt es sich, diesen auch pointiert als Verkaufsargument zu kommunizieren. Er hat damit zwei Chancen: sich erstens verkaufstechnisch von der Masse abzuheben und zweitens von denjenigen Menschen wahrgenommen zu werden, die genau auf seine Art Text ansprechen. Good News aber auch für freischaffende Textprofis: Eigenständigkeit hat viele Gesichter und muss nicht aus dem Textstil allein hervorgehen. Auch die Art und Weise der Texterstellung kann zum eigenständigen Markenzeichen werden, wenn Sie zum Beispiel konsequent &#8220;flexibler&#8221; oder &#8220;schneller als die Konkurrenz&#8221; arbeiten. Was auch immer Sie auszeichnet – schreiben und sagen Sie es prägnant!</p>
<p><strong><em>textín:</em></strong><em> Drei Viertel der befragten Unternehmen halten die eigene Medienarbeit für optimierbar. Fehlt ihnen das Wissen, die Zeit oder das Geld?</em></p>
<p><strong>Hans-Peter Rest:</strong> Es fehlt an Wissen, Zeit <span style="text-decoration: underline;">und</span> Geld – und zwar genau in dieser Reihenfolge.<br />
Es reicht nicht, wild korrekt formulierte Medientexte zu streuen oder zu warten, bis sich &#8220;die Medien&#8221; melden. Es geht darum, die – mit Blick auf die eigene Kundschaft – entscheidenden Medien mit aus Mediensicht relevanten Informationen zu versorgen und gleichzeitig jederzeit verfügbar zu sein, wenn sich Fragen ergeben. Das kostet Zeit – und Zeit ist Geld; wenn auch gut investiertes. Redaktionelle Medienarbeit ist enorm glaubwürdig und damit wirkungsvoll. Hier lassen sich zu wenig Firmen helfen.</p>
<p><strong><em>textín</em></strong><em>: Das Logo ist der erste Blickfang. Welche Eigenschaften muss ein Logo aufweisen, damit es seinen Zweck erfüllt?</em></p>
<p><strong>Hans-Peter Rest:</strong> Ein starkes Logo funktioniert in Briefmarkengrösse, in Farbe und Schwarz-Weiss gleich gut – und trägt heute mit Vorteil die Webadresse. So einfach ist das.</p>
<p><strong><em>textín:</em></strong><em> Braucht zum Beispiel eine Texterin oder ein Krimiautor auch ein Logo, eine Hausfarbe sowie Aufnahmen eines Profifotografen?</em></p>
<p><strong>Hans-Peter Rest:</strong> Das macht Sinn, wenn die Texterin oder der Krimiautor über ein eigenständiges Profil verfügt. Dann lohnt es sich, diese Eigenständigkeit mit einem Logo, einer eigenständigen Farbe und einem professionellen Autorenbild auch eigenständig darzustellen und hervorzuheben. Nur so wird sie heute in der Summe der Angebote überhaupt wahrgenommen und (wieder)erkannt. Die Investition lohnt sich hingegen nicht für beliebig austauschbare Autorenleistungen. Würde die Kommunikation in einem solchen Fall der Aufmerksamkeit zuliebe mehr versprechen als die Texte halten, würden Erwartungen enttäuscht und Images vernichtet. Das passiert ja täglich – in allen Branchen. Unglaublich.</p>
<p><strong><em>textín</em></strong><em>: Doch wie schaffe ich es, mich von der Konkurrenz abzuheben – ohne dafür gleich das gesamte Erbe zu investieren?</em></p>
<p><strong>Hans-Peter Rest:</strong> Beantworten Sie die folgenden vier Fragen seriös: Was macht mich und meine Leistung <span style="text-decoration: underline;">typisch</span>? Wo bin ich vorteilhaft <span style="text-decoration: underline;">anders</span> als die Konkurrenz? Lässt sich daraus ein kundenfokussiertes <span style="text-decoration: underline;">Motto</span> ableiten? Gibt es ein kommunikativ nutzbares <span style="text-decoration: underline;">Symbol</span> dafür? – Das Merkwort heisst TAMS (typisch, anders, Motto, Symbol). Es ist enorm wirkungsvoll. Versuchen Sie es! Sie werden begeistert sein, denn damit lässt sich arbeiten.</p>
<p><strong><em>textín:</em></strong><em> Sie coachen Musiker. Die haben bekanntlich wenig Geld. Führen Nachwuchsbands auch Organigramme und Mehrjahrespläne?</em></p>
<p><em> </em></p>
<p><strong>Hans-Peter Rest:</strong> Nein (lacht); aber glauben Sie mir, wer wie eine Nachwuchsband darauf angewiesen ist, praktisch ohne finanzielle Mittel eine maximale Kommunikationswirkung zu erreichen, muss gut planen – einfach sehr schlank – z. B. mit meiner LARS-Konzeptionstechnik. Ich konzipiere sämtliche Kommunikationsmandate (für Nachwuchsbands und unsere Bank) seit fünf Jahren wenn nötig auf einem einzigartigen A4-Blatt. Auch komplexe Herausforderungen lassen sich damit managen. Das lässt sich lernen und ist gerade für kleinere Firmen interessant, denn Kommunikation ist heute schnell, flexibel und dynamisch zu konzipieren. Statische, umfangreiche Konzepte haben ausgedient.</p>
<p><strong><em>textín:</em></strong><em> Welchen ultimativen Tipp würden Sie dem textín-Magazin und unseren Texterinnen und Textern sonst noch geben?</em></p>
<p><strong>Hans-Peter Rest:</strong> Wissen Sie, wer als Firma nicht bald lernt, wirkungsvoll aufzutreten, wird früher oder später abtreten – unabhängig von der Grösse oder Branche. Deshalb auch, liebe Texterinnen und Texter: kommen Sie auf den Punkt in Ihren Auftritten – mit aussagekräftigen Texten, eigenständigem Profil und (selbst)bewusster Kommunikation. Das macht Freude, setzt Energien frei und bringt Erfolg. Und den wünsche ich Ihnen aus Graubünden von Herzen!</p>
<p><em>Interview: Fatima Vidal<br />
</em></p>
<p><strong>Buchhinweis</strong></p>
<p>http://www.aufoderabtreten.ch</p>
<p>Buch: <a href="http://www.aufoderabtreten.ch/sites/images/cover_neu.jpg">http://www.aufoderabtreten.ch/sites/images/cover_neu.jpg</a><br />
Autor: http://www.aufoderabtreten.ch/sites/images/portrait.jpg</p>
<p>textín Juni 2009</p>
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		<title>Die Katastrophen-Königin</title>
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		<pubDate>Wed, 24 Feb 2010 12:11:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Franziska Hidber</dc:creator>
				<category><![CDATA[Interviews & Porträts]]></category>
		<category><![CDATA[Filme und Hörbücher]]></category>
		<category><![CDATA[Güzin Kar]]></category>
		<category><![CDATA[Kolumnen]]></category>

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		<description><![CDATA[Sie hat ein Faible für tragische Helden und begeistert nicht nur Paarungsgestörte: Güzin Kar, Kult-Kolumnistin, preisgekrönte Drehbuchautorin und Regisseurin. Wer ist die Frau, die über Hormone und fehlende Hoden schreibt, aber nie über Privates? „Güzin Kar?“ –  Max Küng legt hilflos die Stirn in Falten. Röbi Koller kramt eine Weile in seinem Gedächtnis, dann: „Güzin [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Sie hat ein Faible für tragische Helden und begeistert nicht nur Paarungsgestörte: Güzin Kar, Kult-Kolumnistin, preisgekrönte Drehbuchautorin und Regisseurin. Wer ist die Frau, die über Hormone und fehlende Hoden schreibt, aber nie über Privates?<span id="more-25"></span></p>
<p><em> „Güzin Kar?“ –  Max Küng legt hilflos die Stirn in Falten. Röbi Koller kramt eine Weile in seinem Gedächtnis, dann: „Güzin Kar ist eine Frau mit einer struppigen Frisur.“ Philipp Tingler hat die Antwort schneller: „Ein notorisches, übles Flittchen.“ </em><em><br />
<em> „Sie hat ein Buch geschrieben?“ Max Küng zieht die Augenbrauen hoch. „Da möchte ich Capote zitieren“, spricht Tingler eilfertig in die Kamera: „Das ist kein Schreiben, das ist Tippen.“ Und Viktor Giacobbo attestiert Güzin Kar grosszügig „eine gewisse Bedeutung in der Stadtzürcher Kebab-Belletristik“. </em></em></p>
<p><strong>Vorspann, Teil 1: Deppen und ein Verdauungsproblem</strong><br />
Spätestens jetzt wurde meine Nachbarin Selma böse. „Deppen, doofe, allesamt!“, rief sie empört in ihr Notebook hinein und überlegte, an wen sie ihren Beschwerdebrief richten könnte. Sie beruhigte sich erst wieder, als sie nach den Statements der Promis das Cover „Leben in Hormonie“ erblickte, im Abspann „Idee und Konzept: Güzin Kar“ las und begriff: <a href="http://www.youtube.com/watch?v=lKoSwb3ddTA&amp;feature=channel_page">Der vermeintliche Verriss auf Youtube</a> dient der Promotion für Güzin Kars neustes Buch. Dass ausgerechnet sie, ein Fan der ersten Kolumne, auf den Scherz hereingefallen war, hat sie bis heute nicht verdaut.</p>
<p><strong>Vorspann, Teil 2: Hexenhaus und eine Rolltreppe</strong><br />
Abgesehen davon bestätigte das Video, was Selma schon ahnte: Güzin Kars unverwüstlicher Humor versiegt nicht bei der eigenen Person. Dieser Eindruck wird durch die <a href="http://www.youtube.com/watch?v=5DJst5cVAHE&amp;feature=channel_page">„intime Homestory“</a> mit Patricia Boser verstärkt: Da gibt es eine Rolltreppe in Kars „Hexenhaus“, einen Haushälter, der mit Champagner bereitsteht plus einen persönlichen Assistenten; da kommt ihr Zahnarzt mal eben vorbei und reisst sie zwecks „Mundkontrolle“ in seine Arme, und aus dem Badezimmer schlendert der Steuerberater („er hat einen Waschzwang und Putzfimmel“). Der Film endet etwas abrupt, als sich die Männerschar an den beiden Damen zu schaffen macht.<br />
Selma aber schmollte. Zwar wurde sie diesmal nicht mehr Opfer von Güzins Witz, der gern als grotesk bezeichnet wird. Allein, sie hätte es geschätzt, einen Blick in die „echte Wohnung“ der Autorin zu werfen; nur schnell, nur „um zu sehen, wie sie so ist und lebt.“<br />
Ach, Selma. Dein Wunsch wird wohl unerfüllt bleiben.</p>
<p><strong>Klappe, die erste: Gartentor und eine Klischee-Spielwiese</strong><br />
Denn Kars Biographie ist kurz und präsentiert sich quer durch den Blätterwald einheitlich. Der erste Satz geht so: „Güzin Kar wurde in Iskenderun in der Türkei geboren und lebt seit ihrem fünften Lebensjahr in der Schweiz.“ Mir persönlich hat die ursprüngliche Version besser gefallen: „Güzin Kar ist in der Türkei geboren, und als wäre das nicht schon schlimm genug, wuchs sie nach ihrem fünften Lebensjahr in der Schweiz auf.“ Dieser Einstieg war das Gartentor zur Klischee-Spielwiese, auf der sich die Autorin leichtfüssig bewegt. Als geborene Türkin darf sie das.<br />
Stellen Sie sich ihre Kolumnen vor ohne Onkel Zülfü, der gekämmt und gestriegelt vor dem Fernsehen sitzt, um die von ihm verehrte und begehrte Nachrichtensprecherin zu begrüssen; oder ohne Tante Hülya, die ihren Gatten selbst bis in den Tod mit Vorwürfen verfolgt, oder ohne Fatma, die aufgeht wie ein Ofenküchlein und gleichzeitig vertrocknet, sich in höchster Not am grantigen Hauswart-Zwerg vergeht und Burt Reynolds beim Akt zuschauen lässt.<br />
Wer Kars Film „Alles bleibt anders“ gesehen hat, wird sich ewig mit einem Grinsen an das türkische Ehepaar erinnern; ebenso an die Erkenntnis, dass besorgte Eltern verblüffend ähnlich reagieren – ob sie nun Schweizer Bünzli oder Einwanderer sind.<br />
Übrigens: Für „Alles bleibt anders“ erhielt Güzin Kar den Drehbuchpreis der Schweizerischen Autorengesellschaft SSA, sowie den Preis „un certain regard“ am Festival Cinéma Tout Ecran Genf 2006. Sonja Wenger von cinemabuch.ch kommentierte träf: „Wer vom Charme dieses Filmes nicht berührt ist, sollte sich ein neues Herz suchen.“</p>
<p><strong>Klappe, die zweite: Brad Pitt und ein Produzent</strong><br />
Zurück zur Biographie, zurück zu den Klischees. Von diesen sind in ihrem Lebenslauf, anders als in den Kolumnen, keine zu finden: Aufgewachsen in Laufenburg im Fricktal, hat Güzin mit grossem Spass Deutsch gelernt – vorab von ausländischen Nachbarkindern in der Siedlung. Als Mädchen schaute sie am liebsten die Filme von Alfred Hitchcock: „Ich las auch alles über ihn und seine Filme, weil ich wissen wollte, wie er bestimmte Effekte erzielt hatte.“ Nach dem Gymnasium in Basel studierte sie Germanistik und Filmwissenschaft, sowie das Dasein in Zürich, inklusive Jobs als Deutschlehrerin und Frisurenmodell und der Erfahrung als Hausbesetzerin. Bis sie „die beste Entscheidung meines Lebens“ traf und an die Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg bei Stuttgart ging, die sie 1999 abschloss. In ihrem letzten Jahr an der Akademie war Mister Zufall zur Stelle: Über einen gemeinsamen Bekannten fand sie einen Produzenten für ihr Erstlingsdrehbuch „Lieber Brad“, eine Beziehungskomödie. Die Verfilmung im Jahr 2001 durch das Schweizer Fernsehen stiess bei Publikum und Kritikern auf euphorisches Echo – es war ihr Durchbruch als Drehbuchautorin in der Schweiz.<br />
<strong><br />
<strong>Klappe, die dritte: Wilde Hühner und ein Schlafmanko</strong></strong><br />
In Deutschland kann sie sich spätestens seit dem Drehbuch für den Kinoerfolg „Die wilden Hühner“ im Jahr 2006 die Angebote aussuchen. Apropos „Drehbuchschreiben“: Für Laien mag das aufregend und vor allem kreativ klingen, laut Güzin Kar steckt ein langwieriger, anstrengender Prozess dahinter: „Ich schreibe an jeder Drehbuchfassung etwa drei Monate. Je nachdem, wie viele Fassungen es gibt, vergehen Jahre, bis das Buch ‚reif’ ist. Um kreative Höchstleistungen zu erbringen, brauche ich jedoch den Zeitdruck. Also drängt sich bei mir meistens alles in die letzten drei Wochen, wo ich kaum mehr schlafe, nicht mehr ausgehe, nur noch schreibe, bis ich umfalle.“<br />
Die Kreativität sei dabei das kleinste Problem: „Die Herausforderung sind nicht die guten Ideen, denn die hat man ständig, sondern das Dranbleiben, das Verbessern und vor allem, die Liebe zum Stoff auch nach der zehnten Überarbeitung nicht zu verlieren.“ Im Unterschied dazu seien Kolumnen kurzfristiger und erlaubten ein autarkes Agieren, zumal es keinen Dramaturgen gebe.</p>
<p><strong>Klappe, die vierte: Schneewittchen und ein Mauerblümchen</strong><br />
Ob Kolumnen, ob Drehbuch: Ihre Figuren seien allesamt erfunden, sagt die Verfasserin. Selma glaubt das nur bedingt: „Auf den Fernseh-Rentner Riccardo mag es zutreffen, aber die ‚Ich-Figur’ ist autobiografisch“, behauptet sie störrisch. Klar, es gibt Parallelen: Beide sind Hypochonderinnen, beide schreiben Drehbücher, beiden drohen Abgabetermine. Aber sonst? Die Erzählerin nennt sich kokett „Mauerblümchen“, und selbst Selma muss zugeben, dass ein Mauerblümchen anders aussieht als Güzin Kar. „Alabasterhaut“, schrieb der Tages-Anzeiger und konnte sich das „Schneewittchen“ knapp verkneifen. Gerda-Marie Schönfeld von stern.de addierte „klein, zierlich, hübsch“.<br />
So viel zum Äusseren der Erfinderin, die sich ihre Inspiration ja irgendwo holen muss. Bloss: wo? „Häufig von einem Ausdruck oder einer skurrilen Wendung“, verriet sie dem Schneewittchen-Blatt. Und nie, nie würde sie im Café sitzen und Leute beobachten, das sei “pseudo-intellektuelle“ Arroganz. Wo wir gerade beim Kaffee (und Kuchen?) sind: Gefragt, ob sie lieber Kolumnen verfasse, Drehbücher schreibe oder Regie führe, antwortete das Mulitalent: „Meine Lieblingsbeschäftigung ist immer noch Essen.“</p>
<p><strong>Klappe, die fünfte: Grössenwahnsinn und ein Redaktor</strong><br />
Ausserdem liebt Güzin Kar die Vielfalt. Sie schätzt den Wechsel von der einsamen Schreibkammer ans lebhafte Filmset. Allerdings: Sich auf dem roten Teppich zu präsentieren, ist ihre Sache nicht. Sie sei wahrlich kein Star, betonte sie gegenüber Schreibszene Schweiz: „Ich erhalte heute mehr Einladungen für Galas und Premieren, was mir aber egal ist, da ich nicht oft auf Galas gehe.“<br />
Sie erinnert sich, wie sie sich nach dem Erscheinen ihrer ersten Kolumnen in der Weltwoche kaum mehr aus dem Haus traute – vor Angst, alle würden mit dem Finger auf sie zeigen. Eine Angst, die sie im Rückblick als „grössenwahnsinnig“ einstuft.  Dass es überhaupt zur Weltwoche-Kolumne „Moderne Liebe“ (früher: „Gender Studies“) kam, ist der Hartnäckigkeit eines Redaktors zu verdanken: Er bedrängte Kar so lange, bis sie ihm „zur Abschreckung“ einen Probetext schickte.</p>
<p><strong>Klappe, die sechste: Langweilige Tröte und ein Bestseller</strong><br />
Aus dem Probetext wurden viereinhalb Kolumnenjahre, aus den Kolumnen zwei Bücher. Ihre erste Sammlung, der 2006 erschienene Episodenroman „Ich dich auch“, kletterte rasant an die Spitze der Bestsellerliste, um lange dort zu verharren; es war das erfolgreichste Schweizer Debüt der letzten Jahre. Inzwischen beglückt er unsere deutschen Nachbarn: „Eine seltene Promenadenmischung aus Witz, Vulgarität und Frechheit“, jubelte der Stern, derweil die Frankfurter Neue Presse Güzin Kar als „Harry und Sally in verschärfter Gangart“ feierte.<br />
Bereits wird ihr Zweitling „Leben in Hormonie“ gierig gekauft  – entgegen Güzin Kars Eigenprognose. Sie rechnete mit einem „Ladenhüter“ und erwartete so schmeichelhafte Kommentare wie „langweilige Tröte“. Nix da. Die Leute wollen wissen, wie das geht, ein Leben in Hormonie. „Falsch“, sagt Selma. „Wir wollen lachen.“<br />
Ende Februar polierte die Kolumnistin ihren letzten Text für die Weltwoche, ihre Fangemeinde drohte geschlossen mit der Kündigung des Abos. Selma jedenfalls hat zu TELE gewechselt, um an „Güzins Welt“ teilzuhaben.</p>
<p><strong>Klappe, die siebte: Fleissarbeit und eine Melodie</strong><br />
Güzins Welt, das sind die täglichen Katastrophen, die den Nährboden für ihre Komödien bilden. Dabei ist die Frau Melancholikerin. Wie definiert sie Humor? „Humor ist eine Betrachtungsweise, eine Lebenseinstellung, vielleicht sogar ein Temperament.“ Und: „Die besten Komödien handeln von Tragischem. Aber humoristisches Schreiben oder Erzählen hat viel mehr mit Sprachgefühl (dem musikalischen Sinn für Sprache und Erzählrhythmus) zu tun als mit sonst etwas.“<br />
Gerade bei Komödien müsse jedes Wort, müsse die Melodie sitzen. Das sei entscheidend. Und das ist der Grund, weshalb Güzin Kar über Güzin Kar sagt: „Ich bin die langsamste Kolumnenschreiberin der Welt.“ Sie wendet und streicht, feilt und poliert und ändert und verwirft und ändert wieder, bis der Text so melodiös ist, wie er zu sein hat. Was den Kritikern durchaus auffällt: „Sprachgewandt“ ist in den Rezensionen häufig zu lesen, es ist von „Erzählgabe“ und „sorgfältig geschliffen“ die Rede, von „schwungvoll und leicht“, und alles zu Recht.</p>
<p><strong>Abspann: Zukunft und ein Trostpflaster</strong><br />
Als bisher einzige Autorin hat Güzin Kar zweimal den Drehbuchpreis der Schweizerischen Autorengesellschaft gewonnen, für „Alles wird anders“ und „Fliegende Fische“ (Drehbeginn im Frühling 2009). Leuten, die ihr nacheifern wollen, rät sie: „Ausprobieren! Man kann auch mit einem Kurzfilm beginnen.“ Zweiter Tipp: „Daneben möglichst keine oder nur wenige so genannte Brotjobs annehmen. Man muss zuerst die Sicherheit kappen.“<br />
Darum braucht sie sich nicht mehr zu kümmern. In ihrer Pipeline steht nebst andern Projekten die Verfilmung ihres Beststellers „Ich dich auch“. Noch ein, zwei Jahre, dann werden Riccardo, Annerösli, Möckli und die ganze tragisch-liebenswerte Truppe über die Leinwand flimmern. Ein echter Trost für Selma, die Woche für Woche vergeblich an den Kiosk rennt und die Schweizer Illustrierte kauft; getrieben von der  Hoffnung, endlich, endlich einen Blick auf Güzin Kars Bettdecke zu erhaschen.</p>
<p>P.S: An diesem Text ist nichts erfunden.<br />
P.P.S: Fast nichts.</p>
<p>Zur Autorin: Franziska Hidber hätte zwar ein paar Ideen, aber niemals die Ausdauer für ein Drehbuch. Ausserdem wünscht sie sich eine Alabasterhaut. <a href="http://www.silberfeder.ch/">www.silberfeder.ch</a></p>
<p>Making of<br />
Originalton Güzin Kar: „Es waren in den vergangenen viereinhalb Jahren Kolumne eigentlich immer dieselben Fragen, die mir gestellt wurden, vor allem die nach dem Adjektiv für meinen Schreibstil und dem Adjektiv für mich selber, was man einen männlichen Autor so nie fragen würde. Die Worte ‚keck’ und ‚frech’, die mir auffallend häufig angehängt wurden, werden nur in Bezug auf Frauen und ihre Texte verwendet.“</p>
<p><a href="http://www.guzinkar.ch/">www.guzinkar.ch</a></p>
<p>textin März 2009<strong><em><br />
</em></strong>Bitte Urheberrechte beachten: Verlinken erlaubt, Kopieren verboten.</p>
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		<title>Helden werden nicht als Helden geboren</title>
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		<pubDate>Wed, 24 Feb 2010 11:19:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Daniel Ammann</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Ein Gespräch mit dem Autor Werner T. Fuchs In seinem jüngsten Buch, Management by Heroes: Warum wir Vorbilder brauchen und ihnen folgen, hat sich der Autor und Berater Werner T. Fuchs ganz dem Thema «Helden» verschrieben. Vorbildern zu folgen, gehört zum biologischen Grundprogramm des Menschen. Manager sind Vorbilder – ob sie es wollen oder nicht. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong><strong>Ein Gespräch mit dem Autor Werner T. Fuchs</strong></strong><br />
In seinem jüngsten Buch, Management by Heroes: Warum wir Vorbilder brauchen und ihnen folgen, hat sich der Autor und Berater Werner T. Fuchs ganz dem Thema «Helden» verschrieben. <span id="more-19"></span>Vorbildern zu folgen, gehört zum biologischen Grundprogramm des Menschen. Manager sind Vorbilder – ob sie es wollen oder nicht. Ein blosses Vorbild aber kann mit der Anziehungs- und Wirkungskraft eines Helden schlicht nicht mithalten. Anregungen, wie man mehr aus seiner Vorbildfunktion macht und Mut zum Heldentum gewinnt, illustriert der Marketingexperte auf lockere und kurzweilige Art.<br />
textín nimmt die Neuerscheinung zum Anlass, dem Autor ein paar Fragen zu stellen.</p>
<p><strong>Was hat den Ausschlag für Ihr aktuelles Buch gegeben? – Richten sich Ihre Ausführungen vor allem an Manager, oder soll sich heute jeder und jede um Heldenhaftigkeit bemühen?</strong></p>
<p>Fanpost. Ein Lektor vom Cornelsen Verlag las mein Buch Tausend und eine Macht, war vom Kapitel «Die Helden» begeistert und fragte mich, ob ich Lust hätte, durch die Heldenbrille auf Manager und Führungskräfte zu schauen. Und da deren Tätigkeit kein Exklusivprodukt weniger Auserwählter ist, fühlen sich offenbar auch Familienfrauen, Pädagogen und Garagisten vom neuen Buch angesprochen. Selbstverständlich müssen wir uns alle um Heldenhaftigkeit bemühen, wenn wir mehr als ein politisch korrektes und langweiliges Vorbild sein wollen.</p>
<p><strong>Sie sprechen durchwegs von «Helden», betonen aber, dass Sie sowohl Frauen wie Männer im Sinn haben. Was unterscheidet Heldinnen von männlichen Helden? </strong></p>
<p>Eigentlich nur ihre Geschlechtsmerkmale. Wenn es um Handlungen geht, die nicht mit Balz- und Paarungsverhalten zu tun haben, sind sich Frauen und Männer sehr viel ähnlicher, als man uns in den letzten Jahren weismachen wollte. Vor allem was die elementaren Funktionsweisen des Gehirns betrifft. Und was die kleinen Unterschiede im Hormonhaushalt bewirken, können wir ja locker im Strassencafé, an Teamsitzungen oder im Fitnessclub beobachten.</p>
<p><strong>Sie nehmen in Ihrem Buch immer wieder Bezug auf den griechischen Mythos Odysseus. Hat sich das Anforderungsprofil über die Jahrtausende verändert, oder müssen Helden in der heutigen Zeit noch die gleichen Voraussetzungen mitbringen wie früher?</strong></p>
<p>Für Odysseus als roten Faden habe ich mich entschieden, weil ich nach einem Helden Ausschau hielt, dessen Taten möglichst viele kennen, der alle typischen Heldenattribute mitbringt, und der nicht morgen schon wieder vergessen ist. Auch kann ich an dieser Figur zeigen, wie lange die Evolution an ihren Bauplänen festhält. Die Medien mögen noch so grosse Freude am Wandel und an Originalität haben, menschliche Verhaltensmuster sind sehr konstant. Und es gehört gerade zu den Kennzeichen eines Helden, dass er diese Rolle nicht anstrebt, sondern sie einfach spielt, wenn sie ihm vom Schicksal aufgedrängt wird.</p>
<p><strong>Im zweiten Band von Cornelia Funkes Tintenwelt-Trilogie lesen wir zum Thema Held: «Er durfte nicht allzu alt sein, aber auch nicht zu jung – dick oder klein natürlich auch nicht, Helden sind niemals klein, dick oder hässlich, vielleicht in Wirklichkeit, aber niemals in Geschichten &#8230;» – Wie sehen Sie das?</strong></p>
<p>Es ist mir ein Rätsel, dass Cornelia Funke eine so dumme Behauptung aufstellen kann. Wahrscheinlich finden sich in ihrem Werk Sätze, die dem widersprechen. Wer die Filmgeschichte nur einigermassen kennt oder einen Harry Potter gelesen hat, findet genügend Gegenbeispiele. Helden erkennt man nicht an ihrem Aussehen, sondern an ihren Handlungen. Zudem ist die Trennung von Phantasie und Wirklichkeit ohnehin ein Konstrukt des Bewusstseins. Und das hat bekanntlich nur beschränktes Mitspracherecht, wenn es um den real existierenden Menschen geht.</p>
<p><strong>Zur Ehrenrettung der Autorin muss man vielleicht anfügen, dass sie diese Gedanken einer Schriftstellerfigur zuschreibt, die keineswegs nur sympathische Züge trägt. Das führt uns zur Frage nach Antihelden. Gibt es die überhaupt?</strong></p>
<p>Diese Frage reisst eine alte Wunde auf. Denn einen meiner besten Aufsätze schickte mein Deutschlehrer in den Notenkeller, weil ich in Georg Büchners Werk keine Antihelden finden wollte. Ob Held oder Antiheld ist eine moralische Frage. Aber die Regeln, nach denen unser Gehirn aus unzähligen Informationen erkennbare Muster bildet, werden nicht von unserem Bewusstsein aufgestellt.<br />
<strong><br />
<strong>Wie sieht es zum Beispiel mit Forrest Gump aus?</strong></strong></p>
<p>Selbstverständlich ist Forrest Gump ein Held. Nur sprechen ihm dies viele ab, weil sich dieser Held mit einem IQ von 75 gar zur Behauptung hinreissen lässt, er sei nicht der Schmied seines Glücks. Forrest Gump ist der Held aller Liebenden, sagt er doch: «Ich bin zwar nicht klug, aber ich weiss, was Liebe ist.» Auch Forrest Gump wird in seine Heldenrolle gedrängt, auch er ist einfach, klar und direkt. Und auch er sucht sich unbewusst die richtigen Helfer aus, steckt Rückschläge weg, macht sich auf den Weg, ist treu und belohnt Treue, bleibt bei seinem Stil und wird wider Willen zum Vorbild.</p>
<p><strong>«Helden sind besondere Vorbilder», überschreiben Sie ein Kapitel. Sollen wir durch Nachahmung von ihnen lernen, oder müssten Helden gleichzeitig gute Lehrmeister/innen sein?</strong></p>
<p>Helden sind deshalb besondere Vorbilder, weil sie sich herzlich wenig darum kümmern, was ein Vorbild ist. Sie regen zur Nachahmung ihres Handelns und nicht ihrer äusserlichen Zeichen an. Helden sind auch immer Lehrmeister, aber in einem Sinn, der sich den heutigen Anforderungsprofilen an Ausbildner, Vorgesetze und Führungskräfte entzieht. Helden glauben nicht daran, dass Mehrheiten immer Recht haben, und dass jeder alles verstehen und können muss. Helden wissen, dass sie in existentiellen Situationen immer allein sind und akzeptieren dies. Und steht das grosse Ganze, für das sie kämpfen, auf dem Spiel, riskieren sie sogar ihre Leben, sollten alle anderen Möglichkeiten verbaut sein. Das ist letztlich auch Symbol dafür, dass ein Held Verantwortung übernimmt. Zudem akzeptieren es Helden nicht, wenn sich ein Schüler zum Meister aufschwingt, bevor er die dazu notwendigen Prüfungen abgelegt hat. Wem das zu pathetisch klingt, wird Vorbilder und Helden weiterhin gleichsetzen.</p>
<p><strong>Wie lautet Ihre zentrale Botschaft an die Adresse von Machtträgern und Spitzenverdienern in Zeiten globaler Finanzkrise und Klimaerwärmung? Was dürfen wir an Heldentaten erwarten? </strong></p>
<p>Management by Heroes enthält keine Botschaften, die sich an eine spezifische Menschengruppe richten. Das wäre absurd und würde genau dem widersprechen, was mich das Leben und die zwanzigjährige Auseinandersetzung mit den Erkenntnissen der Neurowissenschaft lehrten. Zu diesen gehört, dass Sprache nicht primär zur Vermittlung von Einsichten dient, sondern zur Rechtfertigung des eigenen Verhaltens vor sich und den anderen. Übersetzt würde die Botschaft dann lauten: Weniger Botschaften verbreiten und mehr handeln.<br />
Von so genannten Vorbildern, die keine Helden sind, dürfen wir wohl nichts erwarten. Oder nur dann, wenn der Leidensdruck so zunimmt, dass Heldentaten unausweichlich werden. Wir tun uns mit den Erkenntnissen der Neurologie auch deshalb so schwer, weil sie nicht zu unserem idealistischen Menschenbild passen. Persönlichkeitseigenschaften, die unser Verhalten steuern, sind zum grössten Teil das Resultat unserer Gene und unserer Erfahrungen während der frühen Kindheit und der Pubertät. Nur starke emotionale Erschütterungen können im Erwachsenenalter noch zu Veränderungen führen. Daher finde ich es lachhaft und symptomatisch, wenn sich kluge Köpfe in den Medien darüber aufregen, wenn gefallene Engel noch immer nicht umgedacht haben.</p>
<p><strong>Lassen sich Helden durch ein spitzfindiges Auswahlverfahren ermitteln? Und wen würden Sie in einer Casting-Show mit dem Titel «Heroes for tomorrow» gerne in der Jury sehen? </strong></p>
<p>Casting Shows in der Art, wie wir sie kennen, eignen sich schlecht zur Ermittlung künftiger Helden. Aber es wäre reizvoll, ein entsprechendes Konzept zu entwickeln. Es müsste Antworten auf die Fragen geben, welche Erlebnisse die Kandidaten prägen, wie sie sich in Krisensituationen verhalten, welche Helfer sie unterstützen, und wie sie sich von ihren eigenen Heldenfiguren trennten. Und in der Jury müssten Menschen sitzen, die ihrer eigenen Beobachtungsgabe mehr vertrauen als ausgeklügelten Testverfahren. Also eher keine Personalverantwortlichen mit mehreren Studienabschlüssen, sondern Feuerwehrkommandanten, kriegserprobte Offiziere, Gefängniswärter, Psychiatriepfleger, Bandenchefs, Grosseltern, Regisseure, Lehrlingsausbildner, Behindertenbetreuer, Animierdamen, Callgirls, Kneipenwirte und Reiseführer. Menschen wie Sergio Zyman, langjähriger Marketingchef von Coca-Cola, der zuerst Helden aussuchte und dann das Feld aussteckte, auf dem sie sich bewähren müssen. Helden werden entdeckt, nicht gemacht.</p>
<p><strong>Herzlichen Dank für das Gespräch!</strong></p>
<p><a href="http://www.propeller.ch/">Fuchs, Werner T., </a><br />
Management by Heroes:<br />
Warum wir Vorbilder brauchen und ihnen folgen.<br />
Berlin: Cornelsen Scriptor, 2009.</p>
<p>Interview: Daniel Ammann<br />
<a href="http://www.magoria.ch/">Daniel Ammann</a> ist Dozent für Medienbildung und Mitarbeiter des Schreibzentrums an der Pädagogischen Hochschule Zürich.</p>
<p>textin März 2009<br />
Bitte Urheberrechte beachten: Verlinken erlaubt, Kopieren verboten.</p>
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