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	<title>Textin &#187; Leseproben</title>
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	<description>Das Magazin der Schreibszene Schweiz</description>
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		<title>«Kollers Handschuh» von Jürg Seiberth</title>
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		<pubDate>Fri, 03 Feb 2012 17:52:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>textin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Autor/innen Schweiz]]></category>
		<category><![CDATA[Bücher & Filme]]></category>
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		<category><![CDATA[Kriminalroman]]></category>

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		<description><![CDATA[Neuerscheinung. «Basel, Fasnachtsdonnerstag, zwei Uhr früh: Fischer atmete tief durch und schnippte seinen Zigarettenstummel über die Reling. Er spürte einen leichten Druck am Rücken. Das sei eine Pistole, flüsterte ihm jemand ins Ohr, er solle sich langsam zum Geländer am Heck bewegen. Fischer liess die Froschmaske fallen, hob seine Flosse und watschelte hinaus in den [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Neuerscheinung. «<strong>Basel, Fasnachtsdonnerstag, zwei Uhr früh: </strong>Fischer atmete tief durch und schnippte seinen Zigarettenstummel über die Reling. Er spürte einen leichten Druck am Rücken. Das sei eine Pistole, flüsterte <span id="more-690"></span>ihm jemand ins Ohr, er solle sich langsam zum Geländer am Heck bewegen. Fischer liess die Froschmaske fallen, hob seine Flosse und watschelte hinaus in den Regen. Als er das Geländer erreicht hatte, kam die Kugel. Also doch nicht dabei, nächstes Jahr, dachte er noch. Dann fuhr die Kugel durch das grüne Kostüm, durch den Vliespulli, durch zwei Rheumaleibchen, durch die Haut, an einer Rippe vorbei, direkt durchs Herz und wieder an einer Rippe vorbei, durch die Haut, durch zwei Rheumaleibchen, durch den Vliespulli und durch das grüne Kostüm hinaus in die Nacht. Es floss viel Blut. Fischer kippte über das Geländer und trieb rheinabwärts. Der Regen schwemmte schnell alle Spuren weg, liegen blieb nur die Froschmaske.»</p>
<p><strong>Im Rhein, in einem Rechen des Kraftwerks Kembs,</strong> taucht die Leiche von Heiner Fischer auf. Er trägt ein Fasnachtskostüm und war Mitglied des Basler Schnitzelbank-Trios «Die Laubfrösche». Fischers Zeigefinger finden die beiden Gärtner Luis und Tim im Garten des zweiten «Laubfroschs» Art Koller. Luis und Tim wohnen im Schlosswald, in einem kleinen, wilden Paradies in einem Vorort von Basel. Ebenfalls im Schlosswald, in einer Höhle, die auf keiner Karte verzeichnet ist, lebt der Einsiedler Hermenegild. Er ist es, der uns die ganze Geschichte erzählt. Seine Schwester Goswintha und er haben viel zu verbergen, und mit grosser Raffinesse führen sie alle an der Nase herum: Den Untersuchungsbeamten August Thüring, die Praktikantin Regula Raaflaub, den Verein PUATUGU (pensionierte Universitätsangehörige tun Gutes), den Richli-Clan, das clevere Hängebauchschwein Jonathan und den Cyberdog Schopenhauer. Am Schluss glauben alle, die Lösung des Rätsels zu kennen. Aber alle liegen falsch. Ausser Oma Richli vielleicht &#8230; und ausser der aufmerksamen Leserin und dem aufmerksamen Leser natürlich.</p>
<p><strong>Jürg Seiberth </strong>genoss eine zehnjährige Ausbildung als akademischer Erzähler in Basel und Wien und hat dann fünfundzwanzig Jahre lang Stoff gesammelt: in seiner Familie, in Medienunternehmen, in Vereinen und in diversen Ehrenämtern. Seit zehn Jahren arbeitet er selbständig als (Werbe-)Texter, Autor und Gestalter. Er hat szenische Texte – vor allem fürs Kabarett – geschrieben, hat inszeniert und ist auch schon selbst auf der Bühne gestanden. Kollers Handschuh ist sein erster Kriminalroman.</p>
<p>Jürg Seiberth<br />
<strong> Kollers Handschuh</strong><br />
Ein Kriminalroman</p>
<p>Preis: CHF 33.20<br />
Gebundene Ausgabe:  248 Seiten<br />
Verlag: Edición Vidal, Winterthur<br />
1. Auflage<br />
2012<br />
ISBN: 978-3-9523734-1-5<br />
EAN: 9783952373415<br />
Grösse: 21,2 x 14,2 cm</p>
<p>Das Buch erscheint am 21. Februar 2012</p>
<p><a title="Edicion Vidal" href="http://www.edicion-vidal.ch" target="_blank">www.edicion-vidal.ch</a></p>
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		<title>Kopf Hand Werk, femscript lässt schreiben</title>
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		<pubDate>Sat, 24 Apr 2010 09:12:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Fatima Vidal</dc:creator>
				<category><![CDATA[Autor/innen Schweiz]]></category>
		<category><![CDATA[Leseproben]]></category>
		<category><![CDATA[Anthologie]]></category>
		<category><![CDATA[femscript]]></category>
		<category><![CDATA[Hilda Jauslin]]></category>

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		<description><![CDATA[Anthologie zum Jubiläum: das Netzwerk schreibender Frauen, femscript.ch, feiert das zwanzigste Jahr seines Bestehens. mit einem Sammelwerk (Buch und Hör-CD) in 40 Beiträgen. Vorgelesen: Hilda Jauslin, Wöörter Wettbewerb Titel des Buches war zugleich Stichwort für einen Wettbewerb mit Vorgaben: in einem Zeitraum von 4 Monaten sollten 5800 Zeichen elektronisch eingereicht werden, die Texte sollten Zeugnis [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Anthologie zum Jubiläum: das Netzwerk schreibender Frauen, femscript.ch, feiert das zwanzigste Jahr seines Bestehens. <span id="more-290"></span>mit einem Sammelwerk (Buch und Hör-CD) in 40 Beiträgen.</p>
<ul>
<li> Vorgelesen: Hilda Jauslin, Wöörter<strong><span style="color: #ff6600;"><span style="color: #000000;"> </span></span></strong></li>
</ul>
<p><strong>Wettbewerb</strong></p>
<p>Titel des Buches war zugleich Stichwort für einen Wettbewerb mit Vorgaben: in einem Zeitraum von 4 Monaten sollten 5800 Zeichen elektronisch eingereicht werden, die Texte sollten Zeugnis geben vom Stand des Schreibens der Mitglieder femscript in Gesellschaft und Kultur. Die Jury bestand aus erfahrenen und neuen, jungen und älteren Autorinnen des Netzwerks. Sieben schreibende Frauen haben sich an die Auswertung der anonymisierten Texteinsendungen ihrer Kolleginnen gewagt. Nach weiteren 3 Monaten war es im Frühsommer letzten Jahres klar, dass von 50 Einsendungen 40 das erwünschte Niveau erreichten und den Zusammenhalt einer Anthologie unter dem Titel „Kopf Hand Werk“ sicherten.</p>
<p><strong>Erfrischend kurze Texte</strong></p>
<p><a rel="attachment wp-att-289" href="http://www.textin.ch/kopf-hand-werk-femscript-lasst-schreiben/umkopfhandwerk_114/"><img class="alignleft size-full wp-image-289" title="KopfHandWerk_114" src="http://www.textin.ch/wp-content/uploads/2010/04/UmKopfHandWerk_114.jpg" alt="" width="114" height="187" /></a>Beim Zusammenstellen des Sammelbandes erstaunte, dass fast alle Beiträge kürzer als die Limite blieben, dass dabei etwa ein Drittel neu zu entdeckende Autorinnen sind, ein Drittel im Schreibbetrieb etablierte Namen und ein weiteres Drittel sind der gute Bodensatz von femscript.ch, wie es sich heute darstellt. Vertreten sind im Buch auch Texte von zwei Gründungsmitgliedern: ein Vorwort von Claudia Storz und ein Epilog von Esther Spinner.</p>
<p><strong>Autorinnen geben sich gegenseitig wertvolle Unterstützung.</strong></p>
<p>Gegründet 1990 von einigen Erfolgs-Autorinnen, hatte das Netzwerk schon bald mehr als 60 Mitglieder, diese Zahl stieg nach Aufschaltung einer Website im Jahr 2002 auf ein Maximum von 320 zahlenden Mitgliedern. Der Jahresbeitrag beträgt 120 Franken, allein die Autorinnen-Freikarte an den Solothurner Literaturtagen amortisiert bereits diesen Betrag. Der Organisatorin der Solothurner Literaturtage sei hiermit gedankt! Geboten werden „Schreibtische“, an denen Typoskripte diskutiert werden können, Präsentationen der neuen Bücher einmal im Jahr, Werkstätten alle 2 Jahre. Kontaktinformationen, Newsletter und formelle Zusammenkünfte des Vorstandes sind üblich. Dies ist das Netzwerk: Autorinnen setzen sich ehrenamtlich für ihre Schreibkolleginnen ein, an Aktivitäten läuft soviel, wie die Mitglieder Initiative zeigen. Im Gegensatz zu den Schriftsteller-Verbänden und zum Verband „AutorInnen der Schweiz“, muss für die Mitgliedschaft kein publiziertes Buch vorliegen, es genügt sich als „schreibende Frau“ zu bekennen. Zurzeit ist der Mitgliederbestand bei 160 Autorinnen in der ganzen Schweiz.</p>
<p>Netzwerk schreibender Frauen <a href="http://www.femscript.ch/" target="_blank">femscript.ch </a></p>
<p><strong>Buchpremiere und weitere Veranstaltungen</strong></p>
<p><strong>Kopf Hand Werk</strong>, femscript lässt schreiben<br />
Anthologie in 40 Beiträgen inkl. Hör-CD, edition 8 Zürich. ISBN 978-3-85990-154-4</p>
<p><a rel="attachment wp-att-291" href="http://www.textin.ch/kopf-hand-werk-femscript-lasst-schreiben/solothurner_literaturtage/"><img class="alignleft size-full wp-image-291" title="solothurner_literaturtage" src="http://www.textin.ch/wp-content/uploads/2010/04/solothurner_literaturtage.jpg" alt="" width="170" height="55" /></a>Solothurner Literaturtage: <span style="text-decoration: underline;">Samstag 15. Mai 2010</span> um 14 Uhr, Buchpremiere mit 9 Autorinnen auf der Bühne, <a href="http://www.literatur.ch" target="_blank">www.literatur.ch</a><br />
Cello-Quartett „bilingue“ mit Tango und Lesungen<br />
Theatergasse 16, eine Gasse hinter Landhausquai<br />
Moderation Andrea Pfaehler, Schauspielerin, schreibt Kindergeschichten<br />
Einführung Claudia Storz, Epilog Esther Spinner, beide Gründungsmitglieder</p>
<p>Zum Jubiläum 20 Jahre femscript wird im Stil einer „grossen Gala“ gefeiert.<br />
Apero für Presse 15:30 Uhr Cantinetta Bindella, Ritterquai 3, beim Klosterplatz.<br />
Treff mit den Autorinnen.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Montag 20. September 2010</span> um 20 Uhr<br />
sogar theater Josefstr. 106, im Hof<br />
DamenDramenLabor „Kopf Hand Werk“<br />
Texte der Hör-CD werden szenisch gelesen mit Irina Schönen, Verena Bosshard, Agnes Caduff, Susanne Germann, Nicole Tondeur siehe auch <a href="http://www.a-c-t.ch " target="_blank">www.a-c-t.ch</a> Berufsverband freier Theaterschaffender in der Schweiz</p>
<p>Apero, Treff mit den Autorinnen und Sprecherinnen<br />
bitte um Reservation</p>
<p>Buchpräsentationen mit Lesungen in Bern und Basel vorgesehen.</p>
<p>Mitgeteilt von www.femscript.ch<br />
cb@cornelia-boehler.ch</p>
<p>Datum: 24. April 2010<br />
Bitte Urheberrechte beachten: Verlinken erlaubt, Kopieren verboten.</p>
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		<title>Simon Froehling, Lange Nächte Tag</title>
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		<pubDate>Tue, 23 Mar 2010 09:59:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>textin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Autor/innen Schweiz]]></category>
		<category><![CDATA[Leseproben]]></category>
		<category><![CDATA[bilgerverlag]]></category>
		<category><![CDATA[Lange Nächte Tag]]></category>
		<category><![CDATA[Simon Froehling]]></category>

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		<description><![CDATA[Leseprobe. Gleich wirst du dich in meiner hellblauen Unterhose mit dem altmodischen Eingriff aufs Bett setzten und rauchen. Obwohl ich fast so jung bin wie du, gehört die Altmännerunterhose mir. Ich habe sie von Nachbar Albert geschenkt bekommen. Ein Fehlkauf, hatte der gemeint. Bei mir sitzt sie gut. Nachbar Albert habe ich im Sommer während [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Leseprobe. Gleich wirst du dich in meiner hellblauen Unterhose mit dem altmodischen Eingriff aufs Bett setzten und rauchen.<br />
Obwohl ich fast so jung bin wie <span id="more-244"></span>du, gehört die Altmännerunterhose mir. Ich habe sie von Nachbar Albert geschenkt bekommen.<br />
Ein Fehlkauf, hatte der gemeint.<br />
Bei mir sitzt sie gut.</p>
<p><a rel="attachment wp-att-246" href="http://www.textin.ch/simon-froehling-lange-nachte-tag-3/image/"><a rel="attachment wp-att-246" href="http://www.textin.ch/simon-froehling-lange-nachte-tag-3/image/"><img class="alignleft size-full wp-image-246" title="image" src="http://www.textin.ch/wp-content/uploads/2010/03/image.jpg" alt="" width="468" height="60" /></a><br />
</a></p>
<p>Nachbar Albert habe ich im Sommer während der Party zu seinem fünfundfünfzigsten Geburtstag kennengelernt. Die Einladung hatte neben dem Hauseingang im Flur gehangen. Anstatt eines Geschenks brachte ich Urs mit und eine Flasche Wein.<br />
Urs war nervös. Wenn ein Kennenlernen der Eltern ausgeschlossen ist, wird die erste Begegnung mit Freunden oder Nachbarn wohl zum Ersatz – aufgeladen mit einer ähnlichen Wichtigkeit. Weshalb er keinen Kontakt mehr hatte zu seiner Familie in einem Dorf irgendwo im Emmental, darüber schwieg sich Urs standhaft aus.<br />
Ich hatte ihm verheimlicht, dass ich Nachbar Albert selber nicht kannte, dass er kein Freund von mir, dass alles halb so wichtig war. Mir gefiel das Gefühl, das in mir aufstieg, diese Ahnung, etwas Neues könnte beginnen.</p>
<p>Als du aus der Dusche kommst –<br />
als ich dir aus der Dusche geholfen und dich abgetrocknet, dich zurück ins Schlafzimmer manövriert habe, ziehe ich dir die hellblaue Unterhose an.<br />
Hoch das Bein, sage ich, wie ich vor dir knie.<br />
Du hältst dich mit beiden Händen an meinen Schultern fest.<br />
Und das andere.<br />
Auf zum letzten Tanz, sagst du mit trockener Stimme und räusperst dich, als hättest du die ironische Färbung deiner Bemerkung noch im Sprechen erkannt und wollest sie gleich wieder abschütteln.<br />
Ich ziehe den Slip über dein Geschlecht und richte mich gleichzeitig auf, lasse den Gummibund gegen deine Haut schnalzen. Die Unterhose ist viel zu gross.<br />
Auf zum letzten Tanz.<br />
Es stirbt niemand, sage ich.<br />
Plötzlich steht die Grosse im Zimmer und schüttelt den Kopf:<br />
Was ist mit dir geschehen, Patrick? Mit uns allen?<br />
Pushing him away, pulling him close, höre ich mich antworten.<br />
Die Grosse und ich, wir haben schon immer ins Englische gewechselt, wenn wir uns auf Distanz halten wollten.<br />
Vielleicht wenn ich mir mehr Mühe, wenn ich sie öfter besucht –</p>
<p>Du drehst dich um, machst ein paar zögerliche Schritte zum Fenster, aus dem du nicht schauen kannst, weil die Läden geschlossen sind, etwas festere Schritte zurück zum Schrank, marschierst dann bis kurz vor die Schwelle der offenen Schlafzimmertür und von da zurück zum Fenster, als würdest du mein Zimmer ausmessen: ein neues Bett vielleicht (kingsized anstatt mein altes Grösse Queen), einen geräumigeren Schrank.<br />
Die Unterhose schlabbert dir um die Schenkel.<br />
Es stirbt niemand; du solltest dich nur nicht erkälten jetzt.</p>
<p>Drei Wochen zuvor, an einem Freitagabend im Herbst, waren wir uns im Yoga aufrecht gegenüber gesessen:<br />
Zwei Gestalten, vervielfältigt in den beiden raumhohen und saalbreiten Wandspiegeln, schauten sich an und sahen dahinter sich selbst und dahinter den anderen und nochmals sich selbst und den anderen und nochmals, bis sie zerschellten in der Unendlichkeit.<br />
Und schauten schnell wieder weg.<br />
Den Rest der Stunde konzentrierten wir uns nicht aufs Atmen, nicht darauf, uns möglichst gut in den Asanas einzurichten, sondern darauf, nicht ständig den Blick zu heben und zu lächeln und dabei rot zu werden und merken, dass die übrigen Teilnehmer längst mit der nächsten Position kämpften, während wir einander an und gleichzeitig nicht umhin kamen, aneinander vorbei zu schauen zu dem Punkt in der Ferne der Spiegelung, wo wir als Gestalten nicht mehr zu erkennen waren sondern nur als Knoten, der barst.</p>
<p>Obwohl ich seit einem Jahr zum Yoga ging, war der Neue sehr viel gelenkiger. Er schaffte es, seinen dünnen, drahtigen Körper endlose Sekunden in komplizierten Stellungen verschränkt zu halten, aus denen ich längst heraus gekracht war auf die nicht wirklich weiche Matte.<br />
Wo ich in meiner Erinnerung noch sitze, wie ich hingefallen war, der Mund leicht offen, damit der Schreck entweichen kann, der mit dem Glauben einhergeht, urplötzlich etwas erkannt, sich selber erkannt zu haben im anderen.</p>
<p>Nach dieser ersten gemeinsamen Yogastunde, in der Schlussentspannung, das kleine schwarze Augenkissen, das nach Lavendel duftet, wenn man es vorher etwas knetet, auf dem Gesicht – rettende Dunkelheit! –, unter der leichten Wolldecke, konnte ich nicht aufhören, an den Mann zu denken, der keinen Namen hatte und von dem ich schon da wollte, er würde nur Körper bleiben, biegsamer Körper, Weidenrutenkörper.<br />
Er war schneller wieder umgezogen, obwohl ich mich beeilte, und lauerte mir draussen vor der Türe auf, spielte mit seinem kindersicheren Feuerzeug, drehte die Flamme grösser, dann wieder kleiner, grösser.</p>
<p>&#8230;</p>
<p>Aus: Simon Froehling ‘Lange Nächte Tag’, © 2010 bilgerverlag<br />
23. März 2010</p>
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		<title>Margrit Schriber, Die hässlichste Frau der Welt</title>
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		<pubDate>Mon, 01 Mar 2010 18:34:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>textin</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Leseproben]]></category>
		<category><![CDATA[Romane]]></category>
		<category><![CDATA[die hässlichste Frau der Welt]]></category>
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		<description><![CDATA[Leseprobe. &#8230; Als die Hässliche aus dem Käfig steigt, ist die Schöne vergessen. Lent wirft seine Arme hoch und rennt mit Trippelschritten durch die Manege wie über ein erobertes Territorium. &#8220;Ugly Julia! Here she comes.&#8221; Das Objekt wackelt in den hellen Kreis des Gaslichts. Der Federaufbau im Haar zittert bei jedem Schritt und wippt eine [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Leseprobe. &#8230; Als die Hässliche aus dem Käfig steigt, ist die Schöne vergessen.<span id="more-104"></span></p>
<p>Lent wirft seine Arme hoch und rennt mit Trippelschritten durch die Manege wie über ein erobertes Territorium. &#8220;Ugly Julia! Here she comes.&#8221; Das Objekt wackelt in den hellen Kreis des Gaslichts. Der Federaufbau im Haar zittert bei jedem Schritt und wippt eine Weile nach. Auch der Teller des kniekurzen Rocks schwankt und die Rüschen verwehen ihre Notenpartitur. Julia stellt sich mit leicht gegrätschten Stiefeletten ins Licht und streift den Bart zur Seite, so dass ihr glitzerndes Geschmeide über dem kurvigen Brustpanzer aus Fischbein zu sehen ist. Angeschnittene Ärmel entblößen dichtbehaarte Arme, die sie seitwärts übers Rüschenkleid spreizt. Eine kleine, geschmückte, bärtige Tänzerin von unbeschreiblicher Hässlichkeit. Julia ist den Blicken ihres Auditoriums ausgeliefert. Die Besucher bekreuzigen sich. Sie verneigt sich vor ihrem Publikum mit Grazie. Als Erstes tanzt sie den Highland Flyer. Danach tanzt sie einen Flamenco. Den Arm mit der Kastagnette über den zurückgeworfenen Kopf gehoben, stampft sie auf, und dann hämmern ihre Absätze den Takt auf den Bretterboden zum Wirbel der Rockrüschen. Die Stoffwellen fliegen um die haarigen Beinchen zum Geklapper der Kastagnette. &#8220;Olé!&#8221;, ruft sie ins Auditorium. &#8220;O honey! Ist sie nicht süß?&#8221; Ihr Impresario küsst die Fingerspitzen, hingerissen vom Fortschritt seines Wildlings und seiner gelungenen Domestizierung, begeistert von seiner Leistung als Dompteur. Er trabt mit erhobenen Armen durchs Rund der Manege und schickt viele Handküsse ins Publikum. Nach diesem Lob nimmt Julia Pastrana ihren Stickrahmen zur Hand und macht eine Anzahl Stiche, während er, ihre Handwerkskunst preisend, herumstolziert. Er weist auch auf ihre Sprachfertigkeit und ihre vollendeten Formen hin. Julia legt seufzend den Stickrahmen auf den kleinen Tisch und antwortet auf Fragen des Publikums. Woher kommt sie? Wie alt ist sie? Welche Musik mag sie? Gefällt ihr England? Wie viele Sprachen beherrscht sie? Wie kommt es, dass sie lesen und schreiben kann? Wer sind die Eltern? Hat sie Geschwister? Möchte sie heiraten? Möchte sie Kinder? Reist sie gern? Sie legt die Hände ineinander und denkt kurz nach, ehe sie eine Antwort gibt. &#8220;Yes, Sir, nein, Madam, noch so gern, Miss, sehr, doch, zum Teil, merci beaucoup, jeune homme, very kind, gentleman, à bientôt, bye bye.&#8221; Nun schlägt der Impresario vor, dass Julia für das Publikum ein Lied singt. Als Krönung des Abends. Sie ziert sich ein wenig, wiegt ihre Schultern und reibt die Spitze der Stiefelette im Sägemehl. &#8220;Wir bitten Sie darum, Miss Julia!&#8221; Sie streicht ihr Pinselhaar über die große Ohrmuschel und sammelt sich. Niemand atmet. Dann klappt sie die fahlen Lider auf, hebt ihre Hand zu den Sitzreihen und beginnt mit einem tiefen Atemzug zu singen. Ihre weiche zarte Stimme schwebt zur Decke. Das Publikum sitzt aufrecht und starr auf den Bänken. Auch die Zweifler, die Frauenrechtlerinnen, Forscher und Wichtigtuer. Sie sind gefangen. Fasziniert vom ersten bis zum letzten Ton. Dieses schillernde Geschöpf aus Übersee erzwingt sich ungeteilte Aufmerksamkeit.</p>
<p>Aus: Margrit Schriber &#8216;Die hässlichste Frau der Welt&#8217;, © 2009 Nagel &amp; Kimche</p>
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		<title>Carmen Bregy, Im Stillen umarmt</title>
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		<pubDate>Mon, 01 Mar 2010 17:55:51 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Leseprobe. Ich finde dich am Teich des Parks – ein schöner Zier- und Nutzgarten im französischen Gartenstil gebaut und mit einem barocken Landschlösschen, das heute ein Café beherbergt. Nach den gestrigen Ereignissen verzichte ich ganz auf ein Begrüßungsritual und überfalle dich sogleich mit ungeschickt liebesschwangeren Worten, die wie ein einstudierter Monolog dein verlorenes Dasein in [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Leseprobe. Ich finde dich am Teich des Parks – ein schöner Zier- und Nutzgarten im französischen Gartenstil gebaut und mit einem barocken Landschlösschen, das <span id="more-99"></span>heute ein Café beherbergt.</p>
<p>Nach den gestrigen Ereignissen verzichte ich ganz auf ein Begrüßungsritual und überfalle dich sogleich mit ungeschickt liebesschwangeren Worten, die wie ein einstudierter Monolog dein verlorenes Dasein in dieser wunderschönen Parkanlage grotesk unterstreichen.</p>
<p>„Es ist, als hätten sich unsere Herzen gegen den Rest der Welt verschworen. Ich habe dich gefunden. Damals. Vor so vielen Jahren. Und du mich. Nun sammelt sich diese Liebe nach einer dummen, unüberlegten Trennung wieder, ordnet sich ganz von selbst zu einem neuen Haus mit großen, Licht durchfluteten Zimmern. Vielleicht wäre das Leben einfacher. Ohne dieses Uns, das mich beseelt, erfüllt, mich lebendig macht. Immer noch. Vielleicht wäre ich weniger traurig im Moment, weniger angstvoll. Wer weiß. Du hast dich in meinem Herzen breitgemacht, hast dort darin dein Zelt aufgeschlagen. Und dann bist du weitergezogen. Ich bin stehen geblieben. Vor deinem Zelt. Gehe hinein und drücke alle Habseligkeiten, die du in der Eile vergessen hast, an mich. Verkrieche mich in den Eingeweiden meiner Erinnerungen. Und da möchte ich bleiben. Bis du wieder ganz und gar bei mir bist. Ich bin die Liebe deines Lebens. Das hast du selber gesagt. So oft haben wir uns das gesagt.“ Die letzten Worte klingen wütend und trotzig.</p>
<p>Du schweigst. Dein Schweigen umhüllt das dichte Geflecht meiner sterbensmüden Liebe. Dein Schweigen ist mächtig. Mit rauschenden Schwingen steigt es hoch hinauf und weg von den fluoreszierenden Nervenfasern meiner Worte.</p>
<p>Wie du da stehst. Dein offener Mund, dein trauriger, reumütiger Blick. Ich könnte dich verachten. Meine Liebe strahlt erhaben, immer noch. Du kannst ihr nichts anhaben. Frisch geborene, heiße Lava strömt mein Rückgrat hinauf, den Schutt der vergangenen Liebeswehen vor sich her schiebend, mit Getöse, Donner und Krach. Dein „Halt mich bitte“ überhöre ich fast.</p>
<p>Und dann bist du da. Ganz Atem in meinem sauerstoffarmen Herzen. Hältst mich. So wie früher. Die Seidengewänder der nahenden Nacht decken uns zu, gewähren uns Schutz. Es ist, als ob du dich wieder an uns erinnern würdest.</p>
<p>„Komm“, sage ich, „wir gehen.“</p>
<p>Du aber sagst: „Ich kann nicht.“</p>
<p>Und redest weiter. Ich sehe, wie sich dein Mund öffnet, schließt und wieder öffnet. Ich sehe dein Achselzucken, deine scharrenden Füße, deine Augen, die immer wieder durch den Park streifen. Ich verstehe kein Wort, das du sagst.</p>
<p>Dein Selbstgespräch will nicht enden. Irgendwann löst sich etwas aus mir heraus und geht auf dich zu. Es reißt dir das Herz aus deiner Brust. Mit bloßen Händen wringe ich es aus.</p>
<p>Kalbsherzen haben eine hellbraune Farbe und wiegen vierhundert bis sechshundert Gramm. Rinderherzen haben eine dunklere Farbe und wiegen bis zu 1,5 Kilogramm. Schweineherzen hingegen haben eine rotbraune Farbe und ein Gewicht von dreihundert bis vierhundert Gramm. Das menschliche Herz ist blass rosa, etwa faustgroß und besitzt bei Erwachsenen ein Gewicht von zirka dreihundert Gramm. Dein Herz aber hat weder mit einem Kalbs-, Rinder-, Schweine- oder Menschenherzen Ähnlichkeit. Es ist weiß und hart.</p>
<p>Ich klopfe es weich – so wie man Tintenfische an Steinen totschlägt.</p>
<p>Auszug aus: „Im Stillen umarmt“ von Carmen Bregy. Querverlag, Berlin, 2009.</p>
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		<title>Urs Widmer, Herr Adamson</title>
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		<pubDate>Mon, 01 Mar 2010 17:43:24 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Leseprobe. Als ich Herrn Adamson kennenlernte, war ich acht Jahre alt. Es war im Garten der Villa von Herrn Kremer. Die Villa lag unserem Haus gegenüber und war gar keine Villa – aber jeder nannte sie so –, sondern ein bescheidenes Gebäude mit zwei Stockwerken, mit einem allerdings sehr großen Garten drumherum. Das Besondere war, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Leseprobe. Als ich Herrn Adamson kennenlernte, war ich acht Jahre alt. Es war im Garten der Villa von Herrn Kremer. Die Villa lag unserem Haus gegenüber und war <span id="more-94"></span>gar keine Villa – aber jeder nannte sie so –, sondern ein bescheidenes Gebäude mit zwei Stockwerken, mit einem allerdings sehr großen Garten drumherum. Das Besondere war, dass Herr Kremer nie in seinem Haus war. Nie. Kein Mensch hatte ihn jemals  erblickt, und auch keinen andern Menschen. Keine Frau, keine Kinder, keine Dienstboten, keinen Gärtner. Entsprechend sah der Garten aus. Eine blühende Urlandschaft, die niemand sah, weil Haus und Garten von einer dichten Buchsbaumhecke umgeben waren. Ein großes Tor, eine massive Eisenplatte, verschloss den Zugang. Eine Klingel, die stumm blieb, als ich es doch einmal wagte, draufzudrücken, bereit, wie der Blitz in meinen Garten zu verschwinden. Der der Villa Herrn Kremers war natürlich viel aufregender. Er war verbotenes Gebiet, schreckliche Strafen des Herrn Kremer konnten mich ereilen, wenn er dann doch einmal auftauchte und mich mitten in seinem Geheimnis fand. Mich und Mick, der mein Freund war und, wie ich, alle Winkel dieses verwunschenen Verstecks kannte, in dem wir uns mit der Aufmerksamkeit von Luchsen und dem Misstrauen von Gazellen bewegten, voller Angst, voller Lust, inmitten all der Herrlichkeit jederzeit auf die Katastrophe gefasst. An diesem Tag – es war auch mein Geburtstag, der achte eben, und die Sonne schien ebenso warm, wie sie es gestern getan hat – betrat ich den Garten wie jedes Mal durch eine enge Lücke, die es zwischen der Buchsbaumhecke und der hohen Mauer gab, die das Grundstück gegen die Besitzung der weißen Dame abgrenzte. Die weiße Dame, das war eine andere Geschichte, zu ihr nur so viel: Sie hatte immer (im Sinn von immer) weiße Kleider an.  Weiße Schuhe, weiße Handschuhe, einen weißen Hut, und sie hatte im ganzen Haus und auch in ihrem rhododendronblühenden Garten Alarmanlagen eingebaut, Stolperdrähte, Sensoren, Sirenen, die sie täglich drei oder vier Mal auslöste. Der anbrausenden Polizei berichtete sie dann mit einer schrillen Stimme, sie habe einen Schatten gesehen, ein ganzes Heer von Schatten, die ihr alle nach dem Leben trachteten. Mit etwas Glück wird sie in dieser Geschichte, die von Herrn Adamson handelt, nicht mehr auftreten.</p>
<p>Aus: Urs Widmer &#8216;Herr Adamson&#8217;, © 2009 Diogenes Verlag AG, Zürich</p>
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		<title>Leseprobe: Tania Kummer</title>
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		<pubDate>Mon, 01 Mar 2010 09:34:19 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Tania Kummer]]></category>
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		<description><![CDATA[Als wir eingeschult wurden, war Ellas Tüte grösser als meine. &#8220;Deine ist dafür viel schwerer&#8221;, sagte sie. Sie war wirklich schwer – und das sollte ein Vorteil sein? Ella, mit offenen Haaren und Augen wie Münzen aus Atlantis, glänzte allen entgegen, der Kinderkreis schloss sich um sie, jeder wollte einen von Ellas Sonnenstrahlen haben, doch [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Als wir eingeschult wurden, war Ellas Tüte grösser als meine. &#8220;Deine ist dafür viel schwerer&#8221;, sagte sie. Sie war wirklich schwer – und das sollte ein Vorteil sein? <span id="more-81"></span>Ella, mit offenen Haaren und Augen wie Münzen aus Atlantis, glänzte allen entgegen, der Kinderkreis schloss sich um sie, jeder wollte einen von Ellas Sonnenstrahlen haben, doch ich blieb ihre vertraute Gefährtin, wohl weil ich am meisten wollte. Ihr Vater ist auf und davon, ihre Mutter gab sie hin, die einzigen Zögerlichkeiten während Ellas Werdegang zu dem, was sie ist: meine beste Freundin, die Freundin aller Menschen, Tiere und Pflanzen. Meine Eltern haben sich ihr angenommen. Wir räumten die Hälfte meines Kinderzimmers für ihr Bett und meine Eltern eines meiner beiden Kaninchen aus dem Stall, damit sie für Ella ein eigenes Kaninchen kaufen konnten.&#8221; (aus: &#8220;Im Dialog&#8221;)</p>
<p>Kurzrezension</p>
<p>Tania Kummer erzählt in einer präzisen und dichten Sprache. Sie verleiht vertrauten Redewendungen einen erweiterten Sinn. Sie spielt mit der Sprache und bleibt dabei immer sehr genau. Ihre Worte setzt sie einmal so knapp wie möglich, ein andermal jongliert sie mit ihnen. In der Eigenwilligkeit ihrer Sprache, die den Charakter ihrer Protagonisten widerspiegelt, verschmelzen die Erzählungen zu einem einheitlichen Ganzen. (Dieter Leuenberger, Maler, Zürich)</p>
<p>Tania Kummer<strong><br />
Wäre doch gelacht</strong><br />
Erzählungen<br />
Zytglogge Verlag</p>
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		<title>Leseprobe: Ulrike Ulrich</title>
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		<pubDate>Mon, 01 Mar 2010 09:07:39 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Totale Phase Wir gehen den Mond unter der Brücke suchen. Viel haben wir noch nicht gemeinsam. Nur die Zukunft und eine Verabredung zum Mond. Du kannst mit ihm tanzen. Ich seh dir zu, an den Pfeiler gelehnt. Der Mond spiegelt sich in der Schneedecke, sage ich und du nimmst mir nicht übel, dass ich ohne [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Totale Phase</strong></p>
<p>Wir gehen den Mond unter der Brücke suchen. Viel haben wir noch nicht gemeinsam. Nur die Zukunft und eine <span id="more-76"></span>Verabredung zum Mond. Du kannst mit ihm tanzen. Ich seh dir zu, an den Pfeiler gelehnt. Der Mond spiegelt sich in der Schneedecke, sage ich und du nimmst mir nicht übel, dass ich ohne Not lüge. Hinter meinem Rücken steigt der Mond in den Fluss. Ich kann dein Lied sehen.</p>
<p>Ich tanze so gern mit dir im Schnee, werde ich Wochen später sagen. Du wirst mir Lieder schenken, damit ich sie trage. Zwischen uns fallen flach die Kristalle. Du darfst mich vertonen, werde ich sagen, obwohl du so viel Entfernung brauchst und ich so viel Rot.</p>
<p>Wie lange noch, frage ich, als du mich in den Kreis holst. Wir haben noch nie eine Uhr gehabt. Nicht mal am Anfang. Wir raten. Wir laufen. Wir tanzen. Manchmal sind wir uns Mond. Der lacht hinter halb vorgehaltener Hand. Es ist so weit, sagst du, und wir tanzen den Kopf im Nacken. Bis wir unter der Brücke stehen. Über meinen Kopf hinweg siehst du, wie der Mond in Deckung geht, mein Rücken warm.</p>
<p>So werden wir oft stehen, der Größe nach. Ich werde sagen: genau hier. Wochen später wirst du die Schneeflocken aufs Sterben vorbereiten, bevor ich sie trinke. Wie kann es nicht dunkel werden. Es ist eine gute Zeit zum Schmelzen. Ich denke an dich in Temperaturen. In Gegensätzen. Das Licht ist kalt, das Wasser warm. Monde später werden wir uns anvertrauen. Ich kann dein Lied sehen, wirst du sagen. Ich tanze dazu. Schön, wirst du sagen. Ich küsse dich auf die Augen. Schön, dass der Spiegel schmilzt.</p>
<p><strong>Der Hund ist tot</strong></p>
<p>Der, der den Hund begraben hat, der hat vergessen, wo er liegt. Der hat kein Kreuz gemacht und keine Kerbe. Der hat von Breitengraden keine Ahnung und weiss nicht mal, in welcher Gegend. Ob er den Hund in halbgefrorner Erde, in abgesacktem Sand, in Torf, in Lehm. Er weiss es nicht.</p>
<p>Jetzt suchen alle nach der Leiche. Mit Wünschelruten, Satelliten, Schäferhunden. Mit Archäologen, Pathologen, Kopfgeldjägern, Agenten, Agenturen und Experten. Mit Bodentruppen und mit Religion.</p>
<p>Der, der den Hund begraben hat, der hat den Hund nicht mal gekannt. Er hat ihn bloss gefunden. Der, der den Hund begraben hat, der fürchtet sich vor Hunden, selbst vor toten. Er hat so tief gegraben, wie er konnte. Ob er vor Jahren, Tagen, vor Jahrzehnten. Er weiss es nicht. Er weiss auch nichts vom Leichengift.</p>
<p>Weil niemand wirklich weiss, wo er begraben liegt, gibt es an jeder Ecke Hundegräber, und jeder hält ein andres Grab für das verbürgte. Sie weinen Tränen über Maulwurfshügel, sie klagen, schreien, werfen Blumen, sich zu Boden, einander vor, am falschen Grab zu stehn und sagen: Das Grab ist leer.</p>
<p>Der, der den Hund begraben hat, der leidet lang schon unter Amnesie. Seit er am Grab des ungekannten Hundes stand. Er weiss nicht, wer er ist noch was er wollte. Er wird von niemandem erkannt. Er ist mit niemandem verwandt. Doch jeder fragt ihn nach dem Weg. Er weiss ihn nicht.</p>
<p>Diese und weitere Texte aus Ulrike Ulrichs Feder sind zu hören unter http://www.literaturradio.at</p>
<p><strong>Ulrike Ulrich</strong> lebt als Schriftstellerin in der Schweiz. Ihr Weg führte von Düsseldorf über Münster und Wien nach Zürich, wo 2004 ihre erste Einzelveröffentlichung erschien. 2008 hat sie gemeinsam mit Svenja Herrmann die Anthologie &#8220;60 Jahre Menschenrechte – 30 literarische Texte&#8221; herausgegeben. Mit Kurzprosa und Performance-Texten gewann sie mehrere Preise, zuletzt das Stipendium als Albschreiberin 2009. Ulrike Ulrich ist Mitglied der AutorInnengruppe index: <a href="http://www.wortundwirkung.ch/">www.wortundwirkung.ch</a></p>
<p>textín Juni 2009</p>
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		<title>Klaus Merz, Der Argentinier</title>
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		<pubDate>Mon, 01 Mar 2010 08:33:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>textin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Autor/innen Schweiz]]></category>
		<category><![CDATA[Leseproben]]></category>
		<category><![CDATA[Romane]]></category>
		<category><![CDATA[Der Argentinier]]></category>
		<category><![CDATA[Klaus Merz]]></category>

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		<description><![CDATA[Leseprobe. Im Lauf seiner schlimmsten Nacht auf hoher See biss Grossvater ins Bild seiner Liebsten, die er in Europa zurückgelassen hatte, und erfuhr Linderung dadurch. Sie hatte am Tag seiner Abreise versteinert am Gleis gestanden, als er im Frühzug an ihrem Elternhaus vorbeigedonnert war und sein Taschentuch im Wind hatte flattern lassen. Am Morgen nach [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Leseprobe. Im Lauf seiner schlimmsten Nacht auf hoher See biss Grossvater ins Bild seiner Liebsten, die er in Europa zurückgelassen hatte, und erfuhr Linderung dadurch. <span id="more-70"></span>Sie hatte am Tag seiner Abreise versteinert am Gleis gestanden, als er im Frühzug an ihrem Elternhaus vorbeigedonnert war und sein Taschentuch im Wind hatte flattern lassen. Am Morgen nach der stürmischen Nacht an Deck der alten Virginia kroch er auf allen Vieren vor bis zur Reling, das Meer lag da, als ob nichts gewesen wäre, er übergab sich ein weiteres Mal und atmete durch.</p>
<p>Die Überfahrt auf dem Frachter hatte ihn schnell gelehrt, geschehen zu lassen, was geschah: Wind, Wetter, die Launen des Kapitäns, das Fluchen der Heizer. Die eisernen Magenkrämpfe bei stürmischer See. Er schmeckte Rost im Mund und liess es sich nicht anmerken. Ein Matrose verlor beim Vertäuen der losgerissenen Fracht zwei Finger der rechten Hand. Drei Wale folgten dem Schiff, drei Fontänen.</p>
<p>Als er nach Wochen in Buenos Aires an Land ging, wankte der Boden unter seinen Füssen noch tagelang. Der Matrose mit der bösen Hand wurde fiebernd von Bord getragen. Grossvater trug seine kleine Erbschaft in einen Stoffbeutel genäht nah am Körper. Amelie aber war unkenntlich geworden auf der Fotografie: Ich habe deine Bisse gespürt bis ins Herz, jeden einzelnen, schrieb sie ihm in einem Brief, der die Neue Welt nie erreichen sollte.</p>
<p>Im selben Briefumschlag hatte auch ein neues Bild von Amelie gesteckt, das sie in Ermangelung einer aktuellen Fotografie aus einem Gruppenbild ihrer Konfirmation herausgeschnitten hatte. Da sie am Rand der kleinen Schar stand, musste sie mit dem scharfen Rasiermesser, das Vater in der Küche zurückgelassen hatte, niemanden ernstlich verletzen. Ein neues Bild wäre ihr zwar lieber gewesen, aber dieser Brief eilte, und das Fotografieren war teuer. Immerhin hatte sie zur Konfirmation ihre Zöpfe schon abgeschnitten, und sehr viel älter war ihr Gesicht in den vergangenen vier Jahren nicht geworden, das hatte sie im Toilettenspiegel genau überprüft, die Lippen auf dem Bild mit einem zungenfeuchten Farbstift leicht rot koloriert.</p>
<p>Zwei Jahre später wendete Grossvater sein Pferd und kehrte aus den Pampas nach Buenos Aires zurück. Er verkaufte seinen Sattel, die Sporen, Bola und Zaumzeug an einen Neuankömmling aus Niederösterreich. Das lange Messer, das zu jedem Gaucho gehört, brachte er in Zeitungspapier eingewickelt im Reisegepäck mit nach Hause. Es verschwand später in Grossmutters Besteckschublade. Auf der Titelseite des zerknitterten Blattes, das der Heimkehrer mit der flachen Hand glattstrich, war das Bild eines strahlenden Paares zu sehen, Juan Domingo Perón in Uniform mit seiner jungen Frau Eva. Sie standen da wie im Film.</p>
<p>&gt;&gt; <a href="http://www.textin.ch/klaus-merz-der-argentinier/" target="_blank">Kurzrezension des Buches</a></p>
<p>Klaus Merz<em><br />
</em><strong>Der Argentinier<br />
</strong>Novelle. 2009. Haymon Verlag. 97 Seiten.</p>
<p>textín Juni 2009</p>
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		<title>Lulu Frei, Buchhändlerin</title>
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		<pubDate>Mon, 01 Mar 2010 08:23:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lulu Frei</dc:creator>
				<category><![CDATA[Autor/innen Schweiz]]></category>
		<category><![CDATA[Kolumnen]]></category>
		<category><![CDATA[Leseproben]]></category>
		<category><![CDATA[Buchhändlerin]]></category>
		<category><![CDATA[Lulu Frei]]></category>

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		<description><![CDATA[Augusto, ein Berufskollege von Theodora, kommt ab und zu in die Buchhandlung. Er hat Stieg Larssons Trilogie gelesen und braucht meiner Meinung nach einen Genrewechsel. „Was meinst du dazu?“ Er hebt das Buch vom Bestsellertisch. „’Bis(s) zum Ende der Nacht’ ist nichts für dich“, winke ich ab. „Das ist für Teenies.“ „Ach ja?“ Augusto hebt [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Augusto, ein Berufskollege von Theodora, kommt ab und zu in die Buchhandlung. Er hat Stieg Larssons Trilogie gelesen und<span id="more-68"></span> braucht meiner Meinung nach einen Genrewechsel.</p>
<p>„Was meinst du dazu?“ Er hebt das Buch vom Bestsellertisch.</p>
<p>„’Bis(s) zum Ende der Nacht’ ist nichts für dich“, winke ich ab. „Das ist für Teenies.“</p>
<p>„Ach ja?“ Augusto hebt eine Augenbraue. „Etwa zu keusch?“ Er gluckst, als sei ihm ein besonders guter Witz gelungen. Die Buchhandlung ist heute beinahe leer und ich habe viel Zeit für ihn und seine Albernheiten.</p>
<p>„Wie wär’s mit Carla del Pontes Biografie?“</p>
<p>„Ach nee, du weisst doch, liebe Lulu, dass Männer über Männer lesen wollen.“ Er streicht sich eine Locke zurecht. „Wegen der Identifikation und so.“</p>
<p>Augusto ist ein schöner Mann. Die blonden Locken sind zwar immer flachgedrückt – vom Velohelm, aber das tut der Schönheit keinen Abbruch. Seine Kleidung ist teuer und unauffällig. Doch das Strickjäckchen über dem Hemd verrät ihn. Es ist ein typisches Therapeuten-Jäckchen. Ich frage mich, warum er immer noch Single ist.</p>
<p>„Sean Connerys Biografie? – Ganz frisch rausgekommen. Oder das neue Buch von Lukas Hartmann? Oder der Katalane?“ Ich lege alle Bücher vor ihm auf den Tisch. „Oder vielleicht etwas von Edgar Allan Poe?“</p>
<p>„Nö.“ Augusto blickt lustlos von einem Buch zum nächsten. Öffnet sie, schliesst sie wieder, dreht sie. &#8220;Irgendwie bin ich heute wohl nicht in Kauflaune.“</p>
<p>Da ich sowieso gleich Mittagspause habe, verbringe ich sie mit Augusto. Er besteht darauf, mich zum Essen einzuladen und mir ist das bei meiner angespannten finanziellen Lage ganz recht.</p>
<p>„Weisst du, Lulu, manchmal denke ich an dieses Wochenende zurück. Weisst du noch?“ Er spielt mit dem Zuckersäckchen.</p>
<p>Natürlich weiss ich noch. Ich beisse in das Salzstängeli und sage nichts. „Und ich frage mich, warum du immer noch Single bist.“</p>
<p><strong>Lulu Frei</strong> (Pseudonym) schreibt über das Leben als Buchhändlerin.</p>
<p>textín Juni 2009</p>
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