Blondinen schreiben einfach besser

Von textin

Kolumne. “Wenn sie ein Adjektiv sehen, bringen sie es um.” Dachte Mark Twain bei dieser Wortwahl an uns Blondinen? Haben wir etwas gemeinsam? Bissig, ironisch, ja entlarvend schrieb er seine Botschaften nieder. Mark Twain wurde zu Lebzeiten oft verkannt – sah auch er die Welt mit blauen Augen?

Von Marina Jufer

Eingefleischte Blondinen spielen mit der Negativpresse und befreien sich wie einst Mark Twain aus den Fesseln der Diplomatie. Noch bevor wir in ein Fettnäpfchen treten, existiert längst ein ruinierter Ruf. Dieses gebührenfreie Image steht für blond, blöd, blauäugig und hilft uns wie Bachblüten-Notfalltropfen durch alle Lebenslagen. Hat Blondschopf sich als Strohkopf anerkannt, wird das Leben einfach. Blond sein beruhigt – wir geniessen allzeit freie Fahrt.

Auch Silvia fährt mit ihrem Cabriolet Richtung Stadt. Sie winkt ihrem Haarkünstler zu, der seinen Struppi Gassi zieht, schaut folgerichtig im Rückspiegel nach ihren Strähnchen und übersieht die Bremsleuchte des Porsches vor ihr. Scherben zerspringen wie Eiszapfen auf der Strasse. Die aufsteigende Kälte durchdringt alle Beteiligten – nur Silvia lächelt. Sie schlendert zum Fahrer und flüstert: “Entschuldigung, ich bin blond und dachte Sie suchen das Glück.” Sein Blick bleibt eisig, die Lachfalten zucken und auf die Splitter zeigend entweicht ihm: “Ein Stroh-Besen genügt.” Worauf Silvia blondinengerecht kontert: “Oh Wunder, hier stehe ich vergnügt!”

Allein das Wort Blond reicht aus, um einer aschfarbenen Intelligenzbestie den Verstand abzusprechen. Im Gegenzug entschuldigt dieses Wort alles, denn jede Schwäche dient uns zugleich als Stärke. Praktisch – einfach – gut heisst unser Pseudonym, blond – blöd – blauäugig verkaufen wir als Marke, die Ausbeute verspricht eine adjektivfreie Zone namens Ironie, Freude und Spass. Damit schreibt es sich einfach besser. Komplizierte Redewendungen können wir schwer verdauen, die obszöne Blondine mutiert zum Partyluder, die naive Brigitte-Bardot-Kopie wird nur noch Schmollmund genannt. Ja, wir atmen, wir scherzen, wir küssen, wir plaudern besser einfach. Und wir schreiben einfach, einfach besser.

Oder wie Mark Twain zu sagen pflegte: “Tatsachen muss man kennen, bevor man sie verdrehen kann.”

Marina Jufer, blonde Quereinsteigerin mit Freude am Schreiben und Sinnieren.

Datum: 1. März 2010 (textín Oktober 2009)
Text: Marina Jufer
Bild: iStockPhoto
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