Der Verband Autorinnen und Autoren der Schweiz ging 2002 aus dem Zusammenschluss der Gruppe Olten mit dem Schweizerischen Schriftstellerinnen- und Schriftstellerverband hervor. textín zeigt auf, was der relativ junge Berufsverband alles leistet und wie Autorinnen und Autoren von ihm profitieren können.
Das Büro in einem Gebäude hinter dem Zürcher Hauptbahnhof könnte ein ganz gewöhnliches Büro sein – irgendeiner Agentur vielleicht oder die Verwaltungsräume eines KMU. Wären da nicht die Bücher. Es sind Hunderte, wenn nicht Tausende Bände, alphabetisch eingeordnet nach Autorinnen- und Autorennamen sowie nach Sprachen: Deutsch, Französisch, Italienisch, Rätoromanisch und Englisch sowie weiteren der sogenannten fünften Landessprachen. Vom Fussboden bis zur Zimmerdecke nehmen die Regale zwei ganze Wände ein. Es sind die Romane, Erzähl- und Lyrikbände sowie die Übersetzungen der Mitglieder des Verbands Autorinnen und Autoren der Schweiz (AdS).
“Im Moment hat der AdS über neunhundert Mitglieder – also Autorinnen und Autoren sowie literarische Übersetzerinnen und Übersetzer, die dem Verband angeschlossen sind”, beantwortet Nicole Pfister Fetz meine Frage, bevor ich sie stellen kann. Sie bittet mich am grossen Sitzungstisch Platz zu nehmen und bietet mir einen Kaffee an.
Nicole Pfister Fetz, studierte Kunsthistorikerin mit breiter Berufserfahrung im Kultur- und Stiftungsbereich, ist die Geschäftsführerin des AdS und somit verantwortlich für die Aktivitäten des Verbands. Ausserdem vertritt sie ihn nach aussen in verschiedenen berufs- und kulturpolitischen Institutionen und Gremien. Sie wurde vor zweieinhalb Jahren vom Vorstand des AdS – rechtlich ein Verein – vorgeschlagen und von den Mitgliedern an einer Generalversammlung gewählt.
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Der Verband
Der AdS versteht sich als Berufsorganisation und somit als Interessensvertretung für die Sprache und das literarische Schaffen und Übersetzen in allen Sprachregionen der Schweiz. “Wir engagieren uns für die Verbreitung der Literatur und auch für den Austausch zwischen Schreibenden sowie zwischen den literarischen Übersetzerinnen und Übersetzern”, sagt die aufgeweckte Zugerin. “Ausserdem setzen wir uns ein für optimale gesellschaftliche, kulturpolitische, rechtliche und ökonomische Rahmenbedingungen unserer Mitglieder und so weit als möglich aller Autorinnen und Autoren.”
Das Engagement für die Urheberrechte sowie die Verbesserung der Arbeitsbedingungen und der sozialen Sicherheit von Schreibenden sind drei der zentralen Anliegen des AdS. Der Verband erbringt aber auch verschiedene praktische Leistungen für seine Mitglieder. So führt er ein professionelles Sekretariat, organisiert verschiedene Vereinsaktivitäten, informiert über Aktualitäten und Grundlagenwissen und führt auf seiner Homepage (www.a-d-s.ch) ein Lexikon der Schweizer Schriftstellerinnen und Schriftsteller der Gegenwart oder bemüht sich um Weiterbildungsmöglichkeiten für Schreibende. Auch übernimmt der AdS Koordination und Dienstleistungen für die Literatur- und Kulturbranche, indem er etwa die Organisation und das Sekretariat für den Studer/Ganz-Preis (www.studerganzstiftung.ch) besorgt oder als Trägerin von Interplay Schweiz ein Förderprojekt für junge Theaterautorinnen und -autoren tatkräftig unterstützt. Auch das Präsidium und das Sekretariat des Vereins Suisseculture Sociale, der Träger eines Sozialhilfefonds für Schweizer Künstlerinnen und Künstler ist und sich zudem für einen weiteren Auf- und Ausbau der sozialen Absicherung der professionellen Kulturschaffenden einsetzt, werden von der Geschäftsführerin beziehungsweise einer Sekretariatsmitarbeiterin des AdS betreut. Darüber hinaus macht sich der Verband ganz generell für eine vielfältige Kulturlandschaft stark. “Zum Beispiel haben wir neulich die Gründung des Vereins ‘Musée Imaginaire de Migration (MIM)’ initiiert, der einen Beitrag zum Thema Migration in Form einer Publikationsreihe mit begleitenden Veranstaltungen leisten möchte – eine Idee zweier AdS-Mitglieder”, so Nicole Pfister Fetz.
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Bewegte (Vor-)Geschichte
Der Verband mit Namen “Autorinnen und Autoren der Schweiz” existiert erst seit dem 12. Oktober 2002. An diesem Tag haben sich in Bern die Gruppe Olten und der Schweizerische Schriftstellerinnen- und Schriftstellerverband (SSV) formell auf Ende 2002 aufgelöst, während gleichzeitig und in Anwesenheit von über 120 Schreibenden der neue Verband gegründet wurde.
Der Autor Francesco Micieli, gegenwärtig Präsident des AdS, zu den Beweggründen: “Für die meisten Mitglieder der beiden Organisationen war die Zeit reif für die Gründung eines neuen
und einzigen Verbandes. Die Unterschiede in der Haltung und in den Leistungen von SSV und Gruppe Olten waren in den Augen vieler Autorinnen und Autoren nicht mehr so gross, dass ein Zusammengehen nicht mehr denkbar gewesen wäre. Ich muss gestehen, dass ich als Mitglied der Gruppe Olten lange gebraucht habe, um mich überzeugen zu lassen. Ich befürchtete einen Verlust der politischen Dimension. Ich hing an der Idee, die gesellschaftlichen Verhältnisse ändern zu wollen. Heute bin ich der Meinung, dass Autorinnen und Autoren mit einem grossen Verband mehr Möglichkeiten und auch mehr Macht haben, um sich in der Gesellschaft Gehör zu verschaffen.” Eine Zusammenfassung der Hintergründe ist auf der Homepage des AdS nachzulesen. Ausserdem erschien 2003 unter dem Titel “Abschied von der Spaltung/Fin d’une division” im Rotpunkt Verlag eine geschichtliche Aufarbeitung des SSV und der Gruppe Olten in Buchform (www.rotpunktverlag.ch).
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Wer kann Mitglied werden?
Laut Statuten des AdS können all jene Autorinnen und Autoren Mitglied des Verbands werden, “die sich literarisch (fiktional oder nicht-fiktional) betätigen”. Ausserdem muss ihre Tätigkeit “den professionellen Gepflogenheiten entsprechend geregelt sein”. Das hiesse nichts anderes, als dass ein Autor oder eine Autorin einen nach professionellen Kriterien verfassten Verlags- oder Hörspielvertrag vorweisen muss – also folgt der Vorstand bei den Aufnahmeverfahren rein objektiven Kriterien und keinerlei literarischen Beurteilung”, erklärt Geschäftsführerin Nicole Pfister Fetz. Eine weitere Bedingung für die Aufnahme sind mindestens eine Buchveröffentlichung, eine Sendung eines Hör- oder Fernsehspiels, ein Szenario oder Drehbuch eines aufgeführten Bühnenstückes oder eines vorgeführten Films oder eben die ausgewiesene Tätigkeit als Literarische Übersetzerin oder Übersetzer.
Alle Schreibenden, die die Bedingungen für eine sogenannte “ordentliche Mitgliedschaft” nicht in allen Punkten erfüllen, können vom Vorstand als “assoziierte Mitglieder” aufgenommen werden, sie haben jedoch keinen Anspruch auf die finanziellen Leistungen des Verbands. “Momentan sind etwa 50 Personen assoziierte Mitglieder”, so Nicole Pfister Fetz. “Sie profitieren vom Netzwerk des Verbands, können Beratung einholen und werden regelmässig über die Aktivitäten des Verbands informiert.”
Eigentlich lüden die Bücher im AdS-Büro zum Verweilen ein, doch der Kaffee ist längst ausgetrunken und die Geschäftsführerin des Verbands ist eine viel beschäftigte Frau – die nächste Besprechung steht an: Steuergruppe des Bundesamtes für Kultur für eine koordinierte Buch- und Literaturpolitik. Ohne Zweifel ein wichtiges Thema für uns Autorinnen und Autoren. Wie alle Themen, mit denen sich der AdS beschäftigt.
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Simon Froehling lebt als freier Autor und Übersetzer in Zürich. Seine Theaterstücke wurden in diversen Städten der deutschsprachigen Schweiz sowie in Augsburg, Berlin, Hildesheim und Melbourne aufgeführt. Im Frühjahr 2010 erschien mit “Lange Nächte Tag” sein erster Roman im bilgerverlag. Er ist Mitglied des AdS sowie der Zürcher AutorInnenvereinigung index (www.wortundwirkung.ch).
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Die wichtigsten Leistungen des AdS
- Honorarzuschüsse und Weiterbildungsbeiträge: Der AdS entrichtet Weiterbildungsbeiträge und spricht Zuschüsse an Honorare für öffentliche Lesungen, die nicht angemessen entlöhnt werden konnten. Dasselbe gilt für Honorare für Veröffentlichungen in professionellen Literaturzeitschriften und, unter Umständen, auch für Buchveröffentlichungen. Anspruch auf diese Leistungen haben alle Mitglieder, deren Einkommen eine gewisse Grenze nicht überschreitet.
- Musterverträge: Auf der Basis der Musterverträge hat der AdS praktische Ratgeber für Vertragsverhandlungen erstellt.
- Rechtshilfe: Bei problematischen Verhandlungen stellt der AdS seinen Mitgliedern eine Vertrauensanwältin für die berufliche Vertretung zur Verfügung.
- Antennes Latines: Der AdS unterhält zwei Antennen in den lateinischen Sprachregionen, die für Probleme und allgemeine Fragen des literarischen Lebens in der entsprechenden Region zur Verfügung stehen.
- Grundlagenberatung: Das Sekretariat gibt im Rahmen seiner Möglichkeiten Auskunft über Verlagsadressen, berät die Schreibenden im Umgang mit Verlagen, Theatern und Medien und ist bemüht, Informationen zu allen Fragen im Zusammenhang mit beruflichem Schreiben zu besorgen und geeignete Kontakte zu vermitteln.
- Soziale Unterstützung: In Not geratenen Mitgliedern steht der AdS finanziell und praktisch so weit als möglich zur Seite.
- Schreiborte: Der AdS stellt seinen Mitgliedern günstige Schreiborte zur Verfügung, gegenwärtig in Form je einer Wohnung in Paris und Wien.
- Dreimal jährlich erscheint das Info-Bulletin des AdS. Auszüge davon finden sich auf der Homepage.
- Lexikon: Im elektronischen Lexikon des AdS sind Mitglieder und Nichtmitglieder verzeichnet.
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Stimmen zum AdS
“Es gibt keinen anderen Verein oder Verband, dem ich mich so sehr verbunden fühle wie dem AdS. Mit dem AdS ist es uns gelungen, Strukturen des ‘Kalten Krieges’ aufzulösen und einen geeinten Berufsverband der Schweizer Schriftstellerinnen und Schriftsteller zu bilden. Die Schaffung einer nationalen Ausbildungsstätte für literarische Autorinnen und Autoren ist massgeblich dem AdS zu verdanken: Vom schweizerischen Literaturinstitut gehen bereits nach wenigen Jahren Betrieb wichtige Impulse für die Literatur aus. Es ist entlastend zu wissen, dass sich der AdS an zahlreichen Stellen dieser föderalen Schweiz für die gesellschaftliche Besserstellung und soziale Absicherung der Autorinnen und Autoren einsetzt. Darüber hinaus bietet der AdS die Möglichkeit zur Bildung von Untergruppen, zum Beispiel die Gruppe Dramatik, in denen auch das Gespräch über Texte und Schreibprozesse geführt werden kann.”
Guy Krneta, Dramatiker und Spoken-Word-Autor
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“Der AdS setzt sich ein für all das, was Autorinnen und Autoren zum Leben und Überleben brauchen, worum sie sich aber oft nicht kümmern mögen: soziale Sicherheit, anständige Lesehonorare und Verträge, für eine kohärente Buchpolitik, die die ganze Kette von der Produktion bis zur Rezeption bedenkt, begleitet und stärkt. Ein Verband ist nur so gut, wie die Köpfe, die ihn führen und prägen. Der AdS ist in dieser Hinsicht ein Glücksfall: seine Kompetenz und sein Weitblick über die Branche hinaus sind mir auch als Präsidentin von Suisseculture Ansporn und Verpflichtung.”
Ruth Schweikert, Autorin und Präsidentin von Suisseculture, dem Dachverband der professionellen Kulturschaffenden in der Schweiz
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“Wenn wir Autorinnen und Autoren zu Lesungen eingeladen werden, finde ich es aus Fairnessgründen unerlässlich, dass wir bei den Verhandlungen über das Honorar bei der Vorgabe des AdS ansetzen. Wenn ein Veranstalter den empfohlenen Ansatz nicht entrichten kann, aber das vom AdS geforderte Mindesthonorar bezahlt, stockt der Verband das Honorar auf. Davon profitiere ich gerne, ich möchte nicht auf Lesungen verzichten müssen, weil der Veranstalter wenig finanziellen Spielraum hat, schliesslich setzt er sich für unsere Bücher ein und ich freue mich, dass der AdS ihn und damit auch uns Schreibende unterstützt. Ganz generell ist es sehr angenehm und hilfreich, mit dem AdS eine Anlaufstelle für viele Fragen rund ums Schreiben zu haben – eine Verbandsheimat sozusagen.”
Tania Kummer, Autorin
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“J’apprécie tout particulièrement les rencontres d’auteurs que l’AdS organise environ quatre fois par an. C’est l’occasion d’échanger des informations, de se tenir au courant des progrès et des réflexions de nos collègues et d’apprendre ou en est le paysage littéraire romand. Ce sont toujours de bons moments, conviviaux et sympathiques et on y apprend toujours quelque chose. Entre les rencontres, nous avons l’occasion d’échanger et de nous tenir au courant de nos événements respectifs au travers du forum de discussion, qui est tout nouveau mais déjà pas mal visité!”
Nicolas Couchepin, Autor und Antenne Romande des AdS
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“Der AdS ist wichtig für mich: weil er Lobby-Arbeit für Autorinnen und Autoren betreibt. Und Kulturpolitik. Weil er mir den Rücken stärkt, weil er mir geholfen hat, mich zu professionalisieren, zu positionieren, für praktische, existenzielle und politische Fragen im Umfeld des Schreibens zu sensibilisieren. Weil ich die Menschen, die dort tätig sind, sehr schätze. Weil ich über den AdS Kontakte geschlossen habe, für die ich sehr dankbar bin.”
Ulrike Ulrich, Autorin
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“Lange haben die Literarischen Übersetzer – und die Übersetzerinnen auch, natürlich! – ein richtiges Schattendasein geführt. Jeder in seiner Ecke. Irgendwo nirgendwo. Dank der Initiative von Gilbert Musy sind wir heute in den Verband der Autorinnen und Autoren integriert, was uns in vieler Hinsicht den Rücken stärkt: Wir sind gewissermassen anerkannte Mitglieder der schreibenden Zunft und können, u. a. dank des gemeinsam mit dem AdS ausgearbeiteten Mustervertrags, unsere Rechte besser wahrnehmen.
Dass sich der AdS heute aktiv daran beteiligt, das Literarische Übersetzen zum Thema öffentlicher Veranstaltungen zu machen – wie dieses Jahr am Symposium für Literarische Übersetzerinnen und Übersetzer in Bellinzona – ist sehr erfreulich. Der Austausch von Erfahrungen und Information unter Kolleginnen und Kollegen verbindet, die Vernetzung mit Institutionen wie Pro Helvetia, Centre de traduction littéraire CTL, Übersetzerhaus Looren, die sich gegenwärtig ebenfalls sehr um das Literarische Übersetzen bemühen, ist dazu angetan, eine tragfähige Plattform für eine Berufsgruppe zu schaffen, die erst allmählich eine kollektive Identität entwickelt. Und – vielleicht?! – wird so doch irgendwann auch in einem breiteren Publikum ein Bewusstsein geweckt werden für das, was beim Übersetzen von Literatur aus einer Sprache in eine andere eigentlich geschieht. Es geschieht viel!”
Yla M. von Dach, Übersetzerin
Datum: 17.03.2010
Text: Simon Froehling
Bilder: Simon Froehling
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1 Kommentar
Ich habe mich die letzten drei, vier Jahre intensiv mit der Öffentlichkeitsarbeit und dem Programm des AdS auseinandergesetzt. Und so sehr ich viele Leistungen gutheiße – (quasi-)politisch könnte ich nicht hinter dem Verein stehen.
Es bleibt zu hoffen, dass der AdS in nicht all zu ferner Zukunft im 21. Jahrhundert ankommen wird. Ob einzelne Mitglieder in der Hinsicht etwas bewegen können? Ich bezweifle es und investiere den Mitgliedsbeitrag lieber in Genussmittel und Katzenkekse.
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